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Schweinegrippe: Spezieller Impstoff für Merkel und Minister

Ärztevertreter sind empört: Die Mitglieder der Bundesregierung sowie Beamte der Ministerien sollen einem Medienbericht zufolge mit einem besonderen Mittel gegen Schweinegrippe geimpft werden. Es enthält keine der umstrittenen Zusatzstoffe - im Unterschied zum Impfstoff für den Rest der Bevölkerung.

Die Kanzlerin, die Mitglieder ihres Kabinetts und Beamte der Ministerien sowie nachgeordneter Behörden sollen mit einem besonderen Impfstoff ohne Verstärker vor Schweinegrippe geschützt werden. "Wir haben 200.000 Dosen des nicht-adjuvantierten Impfstoffes Celvapan der Firma Baxter gekauft", zitiert der "Spiegel" den Sprecher des Bundesinnenministeriums. Auch die Bundeswehr soll einen Impfstoff ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe bekommen.

Anders als das Präparat von GlaxoSmithKline (GSK), das ab dieser Woche in 50 Millionen Dosen für die Bevölkerung ausgegeben wird, enthält der Baxter-Impfstoff keinen Wirkverstärker ("Adjuvans") und wird den für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zuständigen Staatsdienern gespritzt. Dazu zählen auch die Mitarbeiter des für die Impfstoffzulassung zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, das vergangene Woche wiederholt seine Entscheidung verteidigt hat, für die Bevölkerung das GSK-Produkt bereitzustellen.

"Behörden sind auf Pharmakonzerne hereingefallen"

Für die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft ist das "ein Skandal", der den Menschen kaum zu vermitteln sei. "Wir sind unglücklich über diese Impfkampagne", sagte der Kommissionsvorsitzende Wolf-Dieter Ludwig. Sie werfe zahlreiche Probleme auf, ihr Nutzen sei ungewiss. "Die Gesundheitsbehörden sind auf eine Kampagne der Pharmakonzerne hereingefallen, die mit einer vermeintlichen Bedrohung schlichtweg Geld verdienen wollten."

Weil der GSK-Impfstoff nicht an Schwangeren getestet wurde, muss auch für sie kurzfristig nicht-adjuvantierter Impfstoff besorgt werden. "Es laufen derzeit Gespräche mit Herstellern sowie den Gesundheitsministerien in Frankreich und den USA, mit dem Ziel, für Schwangere auch nicht-adjuvantierten Impfstoff zu beschaffen", hieß es dazu laut "Spiegel" aus dem Bundesgesundheitsministerium.

"Das Risiko überwiegt den Nutzen"

Offene Rebellion herrscht dem Bericht zufolge unter Allgemeinmedizinern und Kinderärzten. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin rät den Hausärzten von der Impfung ab. Das Schadensrisiko überwiege den Nutzen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wirft der Bundesregierung "wissenschaftliche Falschaussagen" vor. Wie bei Schwangeren so gelte auch für Kinder unter drei Jahren: "Der Impfstoff ist an ihnen noch überhaupt nicht getestet, deshalb ist das Risiko einfach zu groß, ihn jetzt bedenkenlos einzusetzen", warnte Verbandspräsident Wolfram Hartmann.

Kinder hätten ein Immunsystem, das zu Überreaktionen neige, so Hartmann weiter. Genau die aber könnten durch den Zusatz von Wirkverstärkern ausgelöst werden. Zusätzlich sei dem Impfstoff auch noch ein Quecksilberhaltiger Konservierungsstoff beigefügt. "Das Zeug hat man in heutigen Impfstoffen für Kleinkinder bewusst herausgehalten."

In der Europäischen Union sind bislang drei Impfstoffe gegen die Schweinegrippe oder Neue Grippe (H1N1) zugelassen: Focetria, Pandemrix und Celvapan. Focetria und Pandemrix enthalten im Gegensatz zu Celvapan verstärkende Zusatzstoffe, sogenannte Adjuvanzien. Allerdings kommt Celvapan nur deshalb ohne die umstrittenen Verstärker aus, weil es eine größere Konzentration an inaktivierten Schweinegrippe-Viren enthält als die beiden anderen Impfstoffe.

mad/AP / AP

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