Seuche China entschuldigt sich wegen SARS


Nach internationaler Kritik am zögerlichen Umgang mit der Lungenentzündung SARS hat sich China entschuldigt und zugesichert, künftig eine bessere Informationspolitik zu betreiben.

Nach internationaler Kritik am zögerlichen Umgang mit der gefährlichen Lungenentzündung SARS hat sich China entschuldigt. Ein hoher chinesischer Gesundheitsbeamter sagte, man wolle jetzt verstärkt über SARS informieren und nach der Ursache der Krankheit forschen.

Erster Toter in Malaysia

In den USA dürfen die Gesundheitsbehörden künftig Menschen zwangsweise isolieren, bei denen ein Verdacht auf Ansteckung mit SARS besteht. Unterdessen haben die malaysischen Behörden den ersten SARS-Todesfall in ihrem Land gemeldet. In Deutschland ist der erste SARS-Erkrankte nach Angaben der behandelnden Ärzte vom Samstag wohlauf. Weltweit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum Freitagabend 2322 Fälle und 81 Tote registriert.

"Schlechte Koordination"

«Heute entschuldigen wir uns bei jedem», zitierte die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» den Direktor des Zentrums zur Vorbeugung gegen ansteckende Krankheiten. «Unsere medizinischen Abteilungen und unsere Massenmedien litten unter schlechter Koordination.» Sie seien nicht in der Lage gewesen, wissenschaftliche Erkenntnisse öffentlich zu machen und die Bevölkerung zu informieren. Die Entschuldigung folgte nach einer Wende in der lange restriktiven Informationspolitik, die das wahre Ausmaß der Krankheit verschleiert hatte.

Gesundheitsminister Zhang Wenkang hatte sich Fragen gefallen lassen müssen, ob Ansteckungen weltweit hätten vermieden werden können, wenn China früher gewarnt hätte.

46 Tote eingeräumt

China, wo die ersten Krankheitsfälle in der Südprovinz Guangdong im November aufgetreten waren, hat bisher etwa 1190 Kranke sowie 46 Tote eingeräumt. Bei der Suche nach dem Ursprung von SARS, den die WHO in der Familie der Coronaviren vermutet, konzentrieren sich chinesische Wissenschaftler stärker auf Mikroorganismen, wie Chlamydien ähnliche Erreger. Sie seien «sehr wahrscheinlich eine der Ursachen von SARS», sagte Li Liming. Auch WHO-Wissenschaftler hatten von Chlamydien gesprochen, sahen darin aber eher einen mitbestimmenden Faktor.

Quarantäneerlass in den USA

Das Nationale Gesundheitsinstitut der USA teilte mit, es habe die Suche nach einem Impfstoff gegen SARS aufgenommen. US-Präsident George W. Bush unterzeichnete einen Erlass, wonach die Behörden künftig Quarantäne über Personen verhängen dürfen, die sich möglicherweise mit SARS infiziert haben. Mit dem Präsidentenerlass wurde SARS einer Gruppe von nunmehr acht ansteckenden Krankheiten zugeordnet, bei deren Auftreten die Behörden eine Isolierung von Patienten durchsetzen dürfen.

Unterdessen hat Malaysia den ersten SARS-Toten des Landes gemeldet. Der 64-Jährige sei bereits am vergangenen Sonntag gestorben, kurz nachdem er von einer Reise nach Singapur und China zurückgekehrt sei, hieß es. Im benachbarten Singapur gibt es bislang sechs SARS-Tote und 101 bekannte Krankheitsfälle. Am Samstag entschieden die Behörden, alle 370 staatlichen Schulen noch einige Tage länger geschlossen zu halten. Dort war als Vorsichtsmaßnahme bereits am 26. März der Unterricht für 600.000 Schüler zehn Tage lang ausgesetzt worden.

Dem ersten deutschen Infizierten geht es inzwischen gut. «Alles ist ok», sagte einer der Ärzte der Lungenfachklinik im sauerländischen Hemer, wo der 72-Jährige seit zwei Wochen behandelt wird.

Aufatmen in Hamburg

Entwarnung gab es am Freitagabend in Hamburg: Die Erkrankung zweier Flugpassagiere der niederländischen Gesellschaft KLM hat sich nicht bestätigt. Wegen des Verdachtsfalls waren die Passagiere sowie die Besatzung der Maschine auf dem Flughafen der Hansestadt zunächst unter Quarantäne gestellt worden.

EU-Gesundheitskommissar David Byrne will nach einem Bericht des Magazins «Focus» die europäische Seuchenbekämpfung besser organisieren. Das Aufkommen von SARS bestätige sein Vorhaben, im Mai dieses Jahres der EU-Kommission vorzuschlagen, ein Zentrum zur Krankheitsvorbeugung und -kontrolle aufzubauen.


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