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Seuche: Russland hält Vogelgrippe für eingedämmt

Trotz eines neuen Falls der Vogelgrippe in einer weiteren Region Sibiriens glaubt die russische Regierung, die Seuche unter Kontrolle zu haben. Der Schweizer Pharmakonzern Roche spendete der WHO derweil antivirale Medikamente für drei Millionen Menschen.

Die Krankheit trete nur in ganz bestimmten Gebieten auf, sagte Landwirtschaftsminister Alexej Gordejew nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax vom Mittwoch. Der gefährliche Erreger H5N1 war im Juli bei Wildvögeln in Sibirien entdeckt worden und hatte sich danach auf mindestens fünf weitere Provinzen ausgebreitet. Zuletzt sei die Krankheit bei einer Wildente in der sibirischen Provinz Gorno-Altai diagnostiziert worden, berichteten die Agenturen Interfax und ITAR-Tass am Mittwoch.

Das Tier sei bereits vor zwei Wochen abgeschossen worden. Das russische Notfallministerium äußerte sich zunächst nicht zu dieser Meldung. Landwirtschaftsminister Gordejew sagte vor Journalisten: "Ich klopfe auf Holz, die Krankheit breitet sich nicht weiter aus." Hauptsächlich betroffen sei bisher Geflügel, das in Kontakt mit infizierten Wildvögeln gekommen sei. Die wichtigste Aufgabe der Behörden sei es deshalb, ein Übergreifen des Virus auf Geflügelfarmen zu verhindern. In Russland sind bereits 11.000 Tiere an der Krankheit gestorben. Weitere 127.000 wurden notgeschlachtet. Auf Menschen ist die Seuche bislang nicht übertragen worden.

Prototyp für Grippepandemie-Impfstoff noch dieses Jahr erwartet

Das Bundesinstitut für Impfstoffe erwartet den Prototyp für einen Impfstoff gegen eine weltweite Grippeepidemie noch in diesem Jahr. "Ich rechne damit, dass Ende 2005 ein Pharmaunternehmen die europäische Zulassung für ein solches Präparat beantragen wird", sagte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) für Sera und Impfstoffe, Johannes Löwer, dem Berliner "Tagesspiegel" (Donnerstag). Das Zulassungsverfahren werde dann rund drei Monate dauern.

Der Nutzen dieses Prototyps sei, dass er die Entwicklungszeit eines Impfstoffs gegen einen derzeit noch unbekannten Grippeerreger stark verkürzt. "Dadurch könnte man schon etwa drei Monate nach der Identifizierung eines für den Menschen gefährlichen Grippeerregers den ersten Impfstoff ausliefern", sagte Löwer. Ohne diese Vorarbeiten müsse man von einer unabsehbar langen Frist ausgehen.

Roche stiftet WHO Lager mit Grippemittel Tamiflu

Der Pharma- und Diagnostikkonzern Roche hat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterdessen ein Lager mit dem Grippemittel Tamiflu für den Fall eines Ausbruchs der Vogelgrippe gestiftet. Das Lager sei mit Behandlungen für drei Millionen Menschen - drei Millionen Packungen zu je zehn Kapseln - dotiert, gab Roche am Mittwoch bekannt.

Dieser Notvorrat soll es der WHO ermöglichen, eine neue Grippewelle, die das Ausmaß einer Pandemie annehmen könnte, am Entstehungsort zu bekämpfen. Die WHO werde mit einem betroffenen Land zusammenarbeiten, um die Verteilung von Tamiflu zu koordinieren und dessen wirkungsvollsten Einsatz zu gewährleisten, hieß es weiter.

WHO-Generaldirektor Lee Jong-Wook kommentierte: "Diese Spende stellt einen entscheidenden ersten Schritt zur Direktbekämpfung einer Grippepandemie am Ort ihres Ausbruchs dar und erlaubt es möglicherweise, die anfängliche Ausbreitung des Virus auf nationaler und internationaler Ebene zu verzögern".

Kontakt mit wilden Wasservögeln vermeiden

Eine weltweite Grippeepidemie befürchten Experten, falls sich das zurzeit in Asien grassierende Vogelgrippevirus H5N1 so verändert, dass es leicht von Mensch zu Mensch übertragbar wird. Bislang können sich Menschen nur bei infizierten Tieren mit der Geflügelseuche anstecken. Die US-Gesundheitsforschungsinstitute hatten kürzlich einen Impfstoff gegen den Erreger H5N1 erfolgreich bei Menschen getestet.

Die deutschen Geflügelhalter sollten nach Ansicht des Bundesverbraucherministeriums besondere Vorsichtsmaßnahmen beachten. "Sie können einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass die Krankheit erst gar nicht in Deutschland ankommt", sagte Staatssekretär Alexander Müller in Berlin. Hausgeflügel sollte keinen Kontakt mit wilden Wasservögeln haben. Die Bestände sollten genau beobachtet werden. Bei Verdacht auf Geflügelpest müsse der Amtstierarzt informiert werden.

Das Geflügel soll voraussichtlich von Mitte September an zunächst für drei Monate in Ställen eingesperrt werden. Bis zu diesem Donnerstag sollen die Bundesländer ihre Rückmeldungen zu der geplanten Eilverordnung nach Berlin geben. Dann treffen sich auch EU- Experten in Brüssel, um über weitere Schutzmaßnahmen zu beraten. Dabei wird aber nicht mit offiziellen Beschlüssen gerechnet.

Die Grünen-Bundestagsfraktion forderte einen EU-weiten Importstopp für alle Wildvögel. "Stichproben bei den importierten Wildvögeln können die Gefahren nicht bannen", sagte die tierschutzpolitische Sprecherin Undine Kurth. Angesichts des Schmuggels von Wildvögeln reiche das Einfuhrverbot für Vögel aus Ländern, in denen die Vogelgrippe nicht offiziell gemeldet wurde, nicht aus.

DPA, AP, Reuters

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