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Ebola-Ermittler in den USA: Auf der Spur des tödlichen Virus

Um eine Ausbreitung von Ebola in den USA zu verhindern, müssen alle Kontaktpersonen des verstorbenen Thomas Eric Duncan gefunden werden. Die Seuchenschutzbehörde setzt dafür sogenannte "Tracer" ein.

Von Alexandra Kraft, New York

Weil der am Mittwoch an Ebola verstorbene Thomas Eric Duncan erst eine Woche nach dem Auftreten von Symptomen isoliert wurde, muss die amerikanische Seuchenschutzbehörde "Center for Disease Control" (CDC) in einer aufwendigen Spurensuche alle seine Kontaktpersonen ausfindig machen. Auf der Twitter-Seite der CDC hieß es dazu: "Aufspüren der Kontaktpersonen kann den Ebola Ausbruch stoppen."

Nachdem Duncan im Krankenhaus positiv auf Ebola getestet worden war, entsandte die CDC zehn Mitarbeiter nach Dallas. Ansteckend war Duncan ab seinem vierten Tag in den USA. Dann dauerte es noch einmal vier Tage, bis er isoliert wurde. In dieser Zeit besuchte er die Notaufnahme eines Krankenhauses, lief durch seine Wohnanlage und übergab sich auf einem Parkplatz. Außerdem wohnte er mit vier Personen in einem kleinen Appartment. Alles Situationen, in denen eine Übertragung des Virus möglich ist. Jeder, der Duncan nach Auftreten der typischen Erkrankungzeichen berührte, könnte infiziert sein. Und dann wiederrum weitere Menschen anstecken. Eine Katastrophe, die die CDC nun zu verhindern versucht.

Tracer - ein schlecht bezahlter Job

In den USA gibt es sogenannte "Tracer", Ermittler von Gesundheitsbehörden, die zum Beispiel bei Masern-Ausbrüchen Infizierte ausfindig machen. Jedes "Health Deparment" beschäftigt "Tracer". Es sind recht schlecht bezahlte Jobs. Die Ermittler sind zwar mit Laptop und Handys ausgerüstet, aber in der Regel machen sie ihre Notizen in einfache Blöcke. So auch im Fall Duncan.

Für die Ermittler in Dallas war der erste Ansprechpartner der Erkrankte selbst, der Patient Null. Er wurde im Krankenhaus befragt, wo er wann war. So entstanden eine Zeittafel und ein Bewegungsprotokoll.

Geleitet wurde das Team in Dallas von David Kuhar, einem Experten für Infektionskrankheiten. Er und seine Mitarbeiter erstellten basierend auf Duncans Angaben zwei Listen. Eine enthielt alle Namen derer, mit denen Duncan im Krankhaus Kontakt hatte. Die zweite Liste führte alle anderen Personen auf. Danach teilte sich auch das Team in zwei Gruppen. Die mit der Krankenhaus-Liste zogen in ein Büro in der achten Etage des "Texas Health Presbyterian Hospital". Dort hatte er die Notaufnahme besucht und wurde in einer Isolierstation behandelt. Die zweite Gruppe unter der Leitung von Kinderarzt und Seuchenschutz-Experte Matt Karwowski zog in einen Konferenz-Raum im ersten Stock eines benachbarten Gebäudes.

Keine Schutzkleidung, keine Masken, keine Handschuhe

Drei Ermittler sowie ein Seuchen-Experte der Stadt besuchten jede Person auf der Liste und befragten alle Personen in den Haushalten. All das begann am Mittwoch vergangener Woche. Die Ermittler tragen bei solchen Einsätzen keine Schutzkleidung. Keine Masken, keine Handschuhe. Es gilt die Regel, dass man in den Wohnungen so "viel Zeit wie nötig" verbringt, so Karwowski. Er sagt: "Wir sind sehr gewissenhaft, bei der Information rund um Ebola-Symptome und wie sich die Krankheit überträgt. Wir schauen uns jede Aktivität unserer Kontaktpersonen an. Jedes kleine Detail hilft uns bei der Bewertung des Risikos."

Die Notizbücher der Tracer sind legendär. Sie sind grün, 8x10 Inches groß und mit einem Hardcover. Sie werden bei jedem Krankheitsausbruch benutzt. Ihre Seiten sind besonders verstärkt, so dass sie nicht einfach herausgerissen werden können - und so auch nicht so leicht verloren gehen oder manipuliert werden können.

Karwowski ist 34 Jahre alt und seit knapp drei Monaten bei der CDC. Dallas ist sein erster Kriseneinsatz.

Hausbesuche und Befragungen - eine Fleißarbeit

Ziel der Hausbesuche war, in persönlichen Gesprächen herauszufinden, wie viele Personen wirklich mit dem Patient Null in Kontakt gekommen sind. Und wenn sie Kontakt hatten, wie hoch ihr Risiko für eine Erkrankung ist. Außerdem wurde bei allen Besuchten die Körpertemperatur gemessen und sie wurden wegen möglicher Symptome befragt. Am Ende wurde jeder noch einmal über die Krankheit aufgeklärt und beruhigt. Eine Fleißarbeit.

Karwowski sagte darüber zur "Denver Post": "Wir wollen sicher sein, die besten Informationen zu bekommen. Also müssen wir klar machen, was wir tun. Wir wollen, dass sie uns vertrauen, nicht nur wegen der öffentlichen Gesundheit, sondern auch, weil wir uns um sie sorgen."

Wahrscheinlichkeit weiterer Infektionen ist hoch

Im Fall Dallas verweigerte niemand der CDC den Eintritt oder die Auskunft. Die Teams arbeiteten täglich etwa 18 Stunden, um möglichst schnell die gefährdeten Personen identifizieren zu können. Am Ende stuften sie neun Personen als "gefährdet" ein. Darunter die Stieftochter Duncans mit ihren vier kleinen Kindern. Alle dürfen nun 21 Tage lang ihre Wohnung nicht verlassen. Sie werden vom Roten Kreuz mit Lebensmitteln versorgt.

Tagelang suchten die Ermittler nach einem obdachlosen Mann, der nach Duncan in dem selben Rettungswagen transportiert wurde. Am 5. Oktober konnten sie ihn aufspüren. Auch dieser Mann wurde isoliert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand bei Duncan infiziert hat, wird von der CDC als "hoch" eingeschätzt.

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