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Teil 1: Pflanzliche Medizin

Die "Natur-Apotheke" genießt großes Vertrauen bei den Deutschen. Doch was leisten die Naturmittel wirklich? Und sind ihre Nebenwirkungen tatsächlich so gering?

Grippezeit, der Kopf brummt, und der Hals kratzt verdächtig? "Kamillendampf! Und tief die Nase reinhalten", rät da der Kollege. "Schnell in die Wanne mit ätherischen Thymianessenzen", empfiehlt die Nachbarin. Mutter sagt: "Nichts geht über Gurgeln mit Salbeitee", doch die Freundin weiß es besser: Wirksam seien Kartoffelwickel - oder dieses pflanzliche Mittel aus der Apotheke, wie heißt es noch gleich? Hätte statt des Halses der Bauch geschmerzt oder die Verdauung versagt, die Seele ruhigeren Schlaf gebraucht oder das Hirn mehr Power - sicher wäre der gut meinenden Entourage auch dafür ein heilendes Kraut eingefallen. Pfefferminztee etwa. Oder Artischockensud. Baldriantropfen zur Beruhigung, für den Geist hingegen Knoblauchpulver und Dragees aus Ginseng.

"Kräuter zu allem nutzen, was uns gut tut", schrieb der Pflanzenprediger Sebastian Kneipp vor 120 Jahren, und sein Credo klingt noch immer überzeugend. Denn geht es um unsere Gesundheit, um den Kampf gegen Schnupfenviren und Darmbazillen, Knochenschmerzen und Hautwehwehchen, Alters- und Stresserscheinungen, kurz: um Beschwerden, die uns das Leben verleiden, es aber nicht ernsthaft bedrohen, vertrauen wir Deutschen mehr als jedes andere Volk in Europa auf die Heilkraft der Natur.

Fast jede Familie kennt und kredenzt ureigene Rezepte aus Omas Apothekengarten, in den Buchhandlungen biegen sich die Regale unter Ratgebern selbst ernannter Kräuterheiler. Und auch die etwa 4000 zugelassenen Naturheilmittel - von A wie Abführmittel aus Aloe Vera bis Z wie Zitronenmelisse gegen Zittrigkeit - erfreuen sich einer treuen Anhängerschar: Über 80 Prozent der Bevölkerung bevorzugen es laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts, mit natürlichen statt mit synthetischen Medikamenten behandelt zu werden. Kaum weniger nehmen die Phytopharmaka (aus dem Griechischen: phyton = Pflanze, pharmakon = Heilmittel) auch regelmäßig ein.

Naturheilmittel auf dem Vormarsch

Im Jahr 2002 war fast ein Drittel aller in der Apotheke erworbenen rezeptfreien Arzneimittel natürlichen Ursprungs; ihr Umsatz betrug über zwei Milliarden Euro. Zählt man hinzu, was Reformhäuser, Drogerien und Supermärkte an Phytopräparaten verdienten, kauften die Deutschen fast die Hälfte des gesamteuropäischen Naturheilmittelmarktes auf. Zumindest die ökonomische Wirkung der Heilkräuter kann sich also sehen lassen.

Doch wie segensreich ist die "grüne" Medizin für die Kranken? Welche Beschwerden können Pflanzen tatsächlich lindern, welche heilen? Und wie scheidet man bei all der Vielfalt die Spreu vom Weizen? Fragen wie diese stellten Heilkundler der Hochkulturen Kleinasiens schon vor über 5000 Jahren. Vom alten Ägypten über die Antike und das Mittelalter bis hinein ins 19. Jahrhundert bedienten sich Mediziner fast ausschließlich aus der Natur. Der Grieche Dioskorides, um 50 nach Christus Militärarzt Kaiser Neros, beschrieb in seinem Werk "De materia medica" (Über die Medizin) mehr als 600 fast ausschließlich mediterrane Medizinpflanzen. Tausendfach wurde er allein im Mittelalter kopiert, Schreibfehler und Verwechslungen inklusive. Hundert Jahre nach ihm experimentierte Galenos von Pergamon mit verschiedenen Verfahren der Kräuteraufbereitung. Er zerstampfte Pflanzenteile mit dem Mörser zu Puder, pappte daraus Tabletten und braute Teeaufgüsse, rührte Tinkturen und Salben. Sein Erfolg war so überwältigend, dass die "galenischen Methoden" noch heute in der Pharmazie Verwendung finden. 795 spornte Karl der Große mit seinem Dekret "Capitulare de villis" die Äbte im ganzen Frankenreich an, Kräutergärten mit 48 Nutz- und 24 Arzneipflanzen wie Anis, Dill, Rosmarin, Petersilie, Salbei und Minze anzulegen. In ihren Herbularien mixten die geistlichen Gärtner fortan die Heilkenntnisse der Antike mit bäuerlicher Volksmedizin und einem guten Schuss mittelalterlicher Glaubensvorstellungen.

"Alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügel sind Apotheken", verkündete im 16. Jahrhundert, kurz nach der Entdeckung Amerikas, der Medizin-Reformator Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt als Paracelsus, noch recht pauschal. Und doch war er der Erste, der sich systematisch für die Quelle der pflanzlichen Heilkraft interessierte, für den Stoff, der im Kraut spezifisch gegen die Krankheit wirkt. Mit blubbernden Alkoholdestillaten machte der Forscher sich daran, die Essenz der Pflanze, das "Arcanum", vom Rest zu trennen und so ihren reinen Wirkstoff zu entdecken. Das Ergebnis waren konzentrierte Pflanzenauszüge, wie sie heute in hochverfeinerten Rezepturen für die modernen Phytopharmaka hergestellt werden.

Etwa 400 Arzneipflanzen, genauer, zu Arzneidrogen verarbeitete Blüten, Blätter, Wurzeln, Rinden, Früchte, Samen oder ätherische Öle hat die heutige Pflanzen-Apotheke in ihrem Angebot; anwenden kann man sie als Tee, Saft, Pulver, Salbe und Flüssigextrakt sowie in allen möglichen Tablettenformen, die wiederum verschiedentlich kombiniert, dosiert und aufbereitet sind. Kein Wunder also, dass sich selbst Menschen mit harmlosem Halsweh darin verirren.

Eine grobe Orientierung gibt folgende Definition auf Grundlage des deutschen Arzneimittelgesetzes: Nur Rezepturen aus rein pflanzlichen Bestandteilen oder Zubereitungen, die Krankheiten heilen, lindern oder verhüten, dürfen sich pflanzliche Arzneimittel nennen. Inzwischen verlieren selbst Experten zuweilen den Durchblick. Daher der folgende Wegweiser: "Rationale Phytopharmaka" sind hochwirksame Arzneimittel aus pflanzlichen Drogen wie etwa Kamillenblüten oder Ginkgoblättern. Sie eignen sich zur Behandlung von leichten Beschwerden aber auch von chronischen Erkrankungen wie etwa Rheuma, Herzschwäche oder Altersdemenz. Um eine Arzneizulassung zu erlangen, müssen die Hersteller pflanzlicher Medikamente wissenschaftlich belegen, dass diese spezifische Krankheiten effektiver bekämpfen als ein Placebo und dass ihre Risiken und Nebenwirkungen zumutbar sind - dokumentiert etwa durch klinische Studien.

Der Einsatz von Ginkgo als rationalem Phytopharmakon beispielsweise begann in den 1950er Jahren. Forscher der Karlsruher Arzneimittelfirma Willmar Schwabe hatten ein Asien-Mitbringsel ihres Geschäftsführers untersucht und festgestellt, dass ein Spezialextrakt aus den Blättern die Blutfließeigenschaften verbessern kann. Bei weiteren Studien in Labor und Klinik fanden sie heraus, dass Ginkgo einer ganzen Reihe von Krankheiten entgegenwirkt - etwa der arteriellen Verschlusskrankheit, dem Tinnitus und vor allem der Altersdemenz mit all ihren Folgen wie Konzentrationsstörungen oder Vergesslichkeit. Inzwischen weiß man, warum: Richtig aufbereitet können die Ginkgo-Inhaltsstoffe in den Nervenzellen des Hirns den Energiestoffwechsel aktivieren und somit dessen Leistungsfähigkeit verbessern. Ganz neue Studien zeigen, dass Ginkgo-Extrakt nicht nur bei Patienten wirkt, die schon unter Demenzerscheinungen leiden, sondern auch präventiv einsetzbar ist.

Weil die medizinisch wirksame Aufbereitung viel pharmakologisches Expertenwissen erfordert (einzelne Rezepturen sind sogar patentiert), werden die meisten rationalen Phytos als fertige Tabletten oder flüssige Extrakte verkauft - und zwar ausschließlich in der Apotheke.

"Traditionell" dürfen sich dagegen pflanzliche Arzneimittel nennen, deren Heilwirkung zwar weder pharmakologisch noch klinisch nachgewiesen wurde (oder nicht nachgewiesen werden kann), deren Basispflanzen jedoch seit langem in der Volksmedizin angewendet werden. Die Palette besteht aus frei verkäuflichen Heilkräuter-Arzneitees, -Kapseln, -Dragees, -Tinkturen, -Säften oder -Geisten, die zum Großteil fragwürdig dosiert und gemischt sind, jedoch nicht gefährlich werden können. Die Angabe spezifischer Krankheitsindikationen erlaubt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) den Herstellern der "Traditionellen" nicht; ihr Erkennungszeichen sind daher Floskeln wie "zur Besserung des Befindens bei müden Beinen", "zur Unterstützung der Blase" oder "stärkt erschöpfte Nerven". Pflanzliche Hausmittel aus der Volksheilkunde wie Kartoffelwickel gegen Halsweh und Rheuma oder Zwiebelringe gegen Mittelohrentzündung sind keine Handelsware, sondern Mittel, die man selbst herstellen kann. Das Wissen um sie wird - zum Teil schon seit Jahrhunderten - von Generation zu Generation weitergegeben. Ihre medizinische Wirkung beruht zum einen auf ihren physikalischen Eigenschaften, wie etwa der Wärmespeicherkapazität von Kartoffeln oder der Schleimhaut beruhigenden Wirkung von Wärme und Feuchtigkeit. Zum anderen tun sie schon deshalb so gut, weil sich ein Mensch kümmert - um sich oder andere: Tee kocht, Bäder bereitet, Wickel anlegt. Außer Allergien haben diese Familienrezepte kaum unerwünschte Nebenwirkungen.

Nahrungsergänzungsmittel mit Inhaltsstoffen aus Arzneipflanzen wie etwa Säfte mit Ginseng oder Joghurt mit Aloe-Essenzen sind eine nicht mehr ganz neue, aber noch immer lukrative Mode der Gesundheitsindustrie. Sie können weder heilen noch lindern oder vorbeugen, sondern gehören, wie der Name sagt, zu den Lebensmitteln. Diese Trennung ist gesetzlich geregelt, für Konsumenten aber kaum durchschaubar, weil die Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln zwischen den Zeilen ihrer Werbebotschaften allerlei Heilwirkung verheißen. Würden sie dies halten, müsste jedoch eine Zulassung als Arzneimittel beantragt werden.

Wirkung: Placebo-Effekt

Bei allen Produkten und Verfahren kann der Placebo-Effekt wirken. Ob sie den Kranken darüber hinaus helfen, ihre Beschwerden zu bekämpfen oder besser zu ertragen, hängt allein von dem ab, was Paracelsus im 15. Jahrhundert das Arcanum nannte: von der Kraft ihrer medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe. Die Suche nach ihnen beschäftigt Paracelsus? Nachfolger in den weiß gefliesten Laboren der Phytohersteller noch immer. Zwar wissen sie heute, dass in den meisten Medizinpflanzen mehrere arzneiliche Inhaltsstoffe, etwa ätherische Öle, Flavonoide oder Bitterstoffe, enthalten sind und dass diese nur als eingespieltes Team von Leit- und Nebensubstanzen zur Topform auflaufen. Wie ihr phytochemisches Zusammenspiel funktioniert, konnten Pharmakologen bislang aber nur bei wenigen Pflanzen genauer erforschen. Beim Johanniskraut etwa haben sie nachgewiesen, dass der Stoff Hyperforin antidepressive Effekte hat und dass Substanzen wie Hypericin und Flavonoide an der Gesamtwirkung wesentlich beteiligt sind. Der Heileffekt der Mönchspfefferfrüchte (Keuschlamm), die Frauen vor Regelbeschwerden bewahren, basiert nach neuen Erkenntnissen auf so genannten bizyklischen Diterpenen, die indirekt den Hormonspiegel beeinflussen. Bei der Kamille sind es ätherische Öle, die Haut- und Schleimhautentzündungen lindern. Sind die Hauptsubstanzen der Heilpflanze ausgemacht, ist für die Qualität des Arzneimittels entscheidend, mit wie viel Know-how und Sorgfalt sie gezüchtet und geerntet, getrocknet, aufbereitet, veredelt und verpackt wird. Die Drogen der seriösen Hersteller stammen daher aus kontrollierten Plantagen und Wildsammlungen, die gewährleisten, was Freizeit-Züchter leicht übersehen: etwa, dass die unwirksame Hundskamille für die Echte Kamille ausgegeben wird, die Böden mit Schwermetallen belastet sind oder der Nachbar mit Pestiziden hantiert, deren Rückstände später den Tee verderben.

Deutsche Landwirte liefern nur etwa 15 Prozent der Heilpflanzen-Drogen, die bei uns jährlich zu Arznei verarbeitet werden. Der restliche Bedarf wird hauptsächlich aus dem südlichen Osteuropa, den Kanaren und Chile importiert.

Entscheidend für die Qualität pflanzlicher Arzneien ist gutes Timing: Die Mähdrescher oder Sammler ziehen erst ins Feld, wenn die Arzneipflanzen vor Wirkstoffen fast überborden. Jede wächst nach ihrem eigenen Rhythmus. Im Juni beispielsweise sind die gelben Blüten des Johanniskrauts erntereif, im Juli das Tausendgüldenkraut. Die Blätter des Ginkgo-Baumes werden im August gepflückt, die Wurzelstöcke des Baldrians müssen zwischen Oktober und Dezember gerodet sein. Wer zum falschen Zeitpunkt oder gar falsche Pflanzenteile erntet, überlässt die Heilung dem Placebo-Effekt.

Keine Kompromisse dürfen auch in den Hallen der Phytohersteller gemacht werden. Allein ein zartes Kräuterdüftchen erinnert hier an Natur und Blüten, der Rest ist High Tech und Chemie: Voll automatisierte Maschinen zerkleinern die Kräuterballen zu Drogen, die alsbald im Schlund blanker Kessel und in Rohrsystemen verschwinden. Welche Extraktionsmittel (zum Beispiel Alkohole) dort die wirksamen Bestandteile der Pflanze wie auslösen und in welcher chemischen Prozedur der Sud später angereichert, gesäubert und verfeinert wird, bleibt gut gehütetes Betriebsgeheimnis der Hersteller. Nicht nur übrigens, weil sie der Konkurrenz ihr Spezialverfahren nicht auf dem Tablett servieren wollen. Sondern auch, weil sonst jeder Experte wüsste, wie wertvoll oder wertlos das Endprodukt ist. In jedem Fall kommt zum Schluss ein Flüssigextrakt heraus, der entweder direkt als Tinktur abgefüllt oder mittels aufwendiger galenischer Verfahren zu Tabletten weiterverarbeitet wird.

Die alten Hausmittel mit ihrem Kräuterhexen-Charme können bei so viel industrieller Finesse nicht mithalten. Wer die Kräuter für seinen Tee dennoch selbst pflanzen will, sollte die Grundregeln der industriellen Produktion unbedingt auch daheim beherzigen:
1. Die arzneilich wirksame Pflanzenart oder -varietät auswählen und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Teile ernten.
2. Bei der Zubereitung die Drogenmenge, den Wasserzusatz sowie die Einwirkzeit je nach Einsatzgebiet genau bemessen.
3. Keine Experimente mit unbekannten Blüten oder Früchten wagen - vermeintliche Heilpflanzen könnten giftig sein oder gefährliche Allergien auslösen.

Im Vergleich mit minderwertigen Fertigarzneimitteln haben die selbst gemachten Phytos allein schon wegen des erhöhten Placebo-Effekts die Nase vorn. Zudem erforscht nicht jeder Hersteller seine Essenzen mit dem gleichen wissenschaftlichen und finanziellen Einsatz. Kranke, die ein wirkungsvolles Medikament haben wollen, sollten daher unbedingt in der Apotheke einkaufen - und vorher ihren Arzt fragen.

Beispiel Johanniskraut

Beispiel Johanniskraut: Mehr als 50 verschiedene stimmungsaufhellende Hypericum-Produkte sind derzeit auf dem deutschen Markt. Wer eines einnimmt, tut das meist in der Hoffnung, sein seelisches Tief oder gar eine Depression behandeln zu können. Greift er ins Regal von Drogerien oder Supermärkten, stehen die Erfolgschancen schlecht - das haben im Jahr 2003 gleich mehrere wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. Alle getesteten frei verkäuflichen Johanniskraut-Pastillen und -Dragees enthielten lächerlich geringe Dosen der antidepressiv wirkenden Substanz Hyperforin und ihrer Begleitstoffe. Einige basierten auf Johanniskraut-Rotöl, das in Salbenform Hautekzeme lindern kann - aber sicher keine Depressionen. Schließlich war auch der pharmakologische Vergleich mehrerer Proben des gleichen Produkts ernüchternd: Die Inhaltsstoffe differierten von Packung zu Packung so stark, dass die Zeitschrift "Ökotest" von 18 untersuchten frei verkäuflichen Johanniskrautprodukten 17 mit der Note ungenügend und eines mit mangelhaft abstrafte.

Sehr viel besser - sowohl in ihrem Wirkstoffgehalt als auch in der Chargenkonformität - fiel hingegen das Testergebnis bei den apothekenpflichtigen, teureren Johanniskraut-Extrakten aus. Das Dilemma der seriösen Hersteller löst das leider nicht: Patienten, die aus Unwissenheit oder Sparsamkeit minderwertige Naturheilmittel kaufen, werden vom Effekt enttäuscht sein und das Vertrauen in die Pflanzenmedizin verlieren. Patienten, die erfolgreich mit einem wissenschaftlich erprobten Phytopräparat behandelt wurden, aber auf ein hoffnungslos unterdosiertes umsteigen, verschleppen womöglich ihre gesundheitlichen Beschwerden.

Den härtesten Schlag könnte der rationalen Phytoforschung indes das Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) der Bundesregierung versetzen: Seit dem 1. Januar 2004 müssen Krankenkassen die Kosten für viele pflanzliche Arzneimittel (wie für alle nicht rezeptpflichtigen Medikamente) nur noch in Ausnahmefällen erstatten. Ihr Vorteil gegenüber chemisch-synthetischen Medikamenten - nämlich die geringen Nebenwirkungen, die eine ärztliche Verschreibung nicht nötig machen - hat sich zu einem strategischen Nachteil gewandelt.

Ob die Deutschen ihren Heilkräutern künftig die Treue halten - oder sich statt eines pflanzlichen Erkältungsmittels lieber erstattungsfähige Antibiotika verschreiben lassen, wagt derzeit keiner abzuschätzen. Unser bisheriger Status als Europameister der Naturheilmittelverwender ist gefährdet.

Katja Trippel

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Edzard Ernst; Prof. Volker Fintelmann, Autor von "Lehrbuch der Phytotherapie"

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