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Teufelskralle: Heilpflanze braucht Hilfe

Naturheilmittel erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Nachfrage nach Teufelskralle, ein pflanzliches Schmerzmittel, ist allerdings derart gestiegen, dass die Pflanze nun selbst Hilfe braucht.

Mit dem feuchtkalten Herbstwetter spüren Arthrose-Geschädigte ihre Knochen mehr denn je. Zur Linderung ihrer Beschwerden greifen viele Betroffene zu Medikamenten aus der afrikanischen Teufelskralle. Die Mittel stammen aus den getrockneten und klein gehackten Knollen der Pflanze, die in Südafrika, Botswana und Namibia meist von Buschmännern, den San, gesammelt werden. In den vergangenen Jahren war die Nachfrage derart groß, dass die Teufelskralle in manchen Regionen bedroht ist. Unterstützt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) erarbeitete daher das "Centre for Research Information and Action in Africa" in Namibias Hauptstadt Windhuk ein Konzept zum Schutz der "Apotheke Natur". Das Programm wird in Namibia gemeinsam mit den San umgesetzt.

"Wir unterstützen die San dabei, eine nachhaltige Nutzung zu organisieren", sagt BfN-Mitarbeiter Uwe Schippmann. Die Buschmänner selbst nutzten die Teufelkralle schon lange als Medizin. In der Vergangenheit hätten sie nicht mehr Pflanzen geerntet als nachwuchsen. Der steigende Bedarf in Europa und eine veränderte Lebensweise haben die Teufelskralle zu einer wichtigen Einnahmequelle für die San gemacht: Inzwischen sammelten sie deutlich mehr Pflanzen. Und das alte Wissen über nachhaltige Erntemethoden drohe verloren zu gehen, sagt Schippmann.

Nachhaltige Erntemethoden

"Eine Übernutzung führt langfristig zum Verlust der wichtigsten Einnahmequelle und eines Teils der Gesundheitsversorgung der San", fürchtet er. Doch auch Menschen in Industrieländern wie Deutschland verlören ein wichtiges Heilmittel gegen Arthrose. Zwar ist die Wirkung der Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) nicht bis ins Detail geklärt. Jedoch kam eine Überprüfung der Cochrane Library für evidenzbasierte Medizin zu dem Schluss, das Mittel scheine "Schmerzen im unteren Rücken zumindest bei kurzfristiger Einnahme besser zu lindern, als unwirksame Scheinmedikamente".

Das "Centre for Research Information and Action in Africa" beriet das Problem mit Buschmännern, die noch das Wissen ihrer Vorfahren - Jäger und Sammler der Kalahari-Halbwüste - besitzen. Gemeinsam entwickelten sie nachhaltige Erntemethoden. So soll künftig nicht mehr Teufelskralle gesammelt werden, als nachwachsen kann.

Doch nicht nur um die Teufelskralle steht es schlecht: Laut Weltnaturschutzunion IUCN sind rund 15.000 der weltweit 50.000 bis 70.000 genutzten Heilpflanzenarten gefährdet. Die aus ihnen gewonnenen Mittel sind für viele Menschen in wirtschaftlich schwächeren Regionen der Erde oft die einzig verfügbaren Medikamente.

Einheitliche Standards

Ein Instrument zum Schutz dieser Pflanzen ist der Internationale Standard zur nachhaltigen Wildsammlung von Heilpflanzen. Das BfN entwickelte ihn gemeinsam mit dem WWF Deutschland und der IUCN. Darin empfehlen die Naturschützer unter anderem wie viel von welcher Pflanze im Idealfall geerntet werden soll. Nun sollen die Vorgaben in verschiedenen Regionen der Welt erprobt werden.

Die Internationale Naturschutzakademie auf der deutschen Ostseeinsel Vilm unterstützt bereits seit Gründung der Initiative im Jahr 2004 die Entwicklung des Heilpflanzenstandards. Hier trafen sich kürzlich führende Spezialisten aus aller Welt. Sie diskutierten Methoden zur Einschätzung nachhaltiger Erntemengen. Wolfgang Kathe, Artenschutzexperte der Bremer Manfred-Hermsen-Stiftung sagt: "Der Standard wird nur dann effektiv umgesetzt werden, wenn er den Menschen vor Ort direkt oder indirekt wirtschaftliche Vorteile bringt."

International ist der Handel mit Heilpflanzen etwa für China, Nepal oder Südosteuropa ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In Europa gilt Deutschland als zentrale Drehscheibe. BfN-Experte Schippmann sagt: "Dies verpflichtet Deutschland zu besonderen Anstrengungen zum Erhalt von Heilpflanzen und ihrer Lebensräume."

Hans-Christian Wöste/DPA / DPA

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