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Erhöhtes Ansteckungsrisiko? Vietnam meldet neue Virusmutante – was darüber bereits bekannt ist

Coronavariante Vietnam: Test auf das Coronavirus
Test auf das Coronavirus in Hanoi, Vietnam
© Nhac Nguyen / AFP
Vietnam hat eine neue Variante des Coronavirus gemeldet. Sie vereint offenbar Merkmale der bereits bekannten britischen wie auch der indischen Variante, die ab sofort Alpha und Delta heißen. Die wichtigsten Infos auf einen Blick.

Viren mutieren ständig – das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Von Interesse werden Mutationen allerdings dann, wenn sie die Eigenschaften das Virus verändern, es also beispielsweise leichter übertragbar machen. Das ist etwa der Fall für die Variante B.1.1.7, die derzeit besonders stark in Deutschland verbreitet ist und die von der Weltgesundheitsorganisation WHO als "Variant of Concern" (VOC) eingestuft wird – also als eine besorgniserregende Variante. Als "VOC" gelten darüber hinaus die Varianten B.1.351, P.1 und B.1.617 mit seinen drei Untervarianten.

Am Wochenende meldete Vietnam die Entdeckung einer offenbar neuen Variante des Coronavirus. Nguyen Thanh Long, der Gesundheitsminister des kommunistisch regierten Landes sagte laut Medienberichten, die Variante weise Eigenschaften der bisher bekannten britischen Form (B.1.1.7) als auch der indischen Form (B.1.617) auf. Die Variante sei demnach sehr leicht über die Luft übertragbar. Es gebe zudem Labortests, die nahelegten, dass sich das Virus sehr schnell repliziere. 

Was ist darüber hinaus über die Variante bekannt? Und was noch nicht? Ein Überblick.

Wie besorgniserregend ist die neue Variante?

Die WHO hat die Variante bislang nicht als "Variant of Concern" eingestuft. Dafür müssen Daten vorliegen, die belegen, dass die Mutante entweder ansteckender als der Wildtyp ist, sie zu schwereren Verläufen führt oder aber, dass Genesene und Geimpfte nicht mehr so gut vor einer Ansteckung mit der Variante geschützt sind. 

Die Epidemiologin Maria von Kerkhove teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit, dass die WHO bislang keine Bewertung der in Vietnam gemeldeten Virusvariante vorgenommen habe. Man erwarte in Kürze aber weitere Informationen und stehe mit dem vietnamesischen Gesundheitsministerium in Kontakt. Bislang fehlt es unter anderem an Informationen zu den genetischen Details der Variante.

Nach dem gegenwärtigen Verständnis der WHO handle es sich bei der nun entdeckten Mutante um die Virusvariante B.1.617.2 – eine Untervariante der zuerst in Indien entdeckten Mutante –, die möglicherweise eine weitere Mutation aufweise, so van Kerkhove. "Wir werden jedoch weitere Informationen bereitstellen, sobald wir sie erhalten."

Welche Eigenschaften weist B.1.617.2 auf?

B.1.617.2 ist bereits eine "Variant of Concern". Es handelt sich dabei um eine Untervariante der Mutante B.1.617, die zuerst im indischen Bundesstaat Maharashtra nachgewiesen wurde. B.1.617.2 verbreitet sich aktuell stark in Großbritannien, vor allem in der überwiegend jüngeren und ungeimpften Bevölkerung. 

"B.1.617 zeichnet sich durch Mutationen aus, die mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht werden, und durch Mutationen, die die Übertragbarkeit des Virus erhöhen könnten", schreibt das Robert Koch-Institut (RKI). "Erste Laborexperimente und Daten von Beobachtungsstudien aus Großbritannien deuten darauf hin, dass die Impfstoffwirksamkeit nach vollständiger Impfung geringfügig unterhalb der Wirksamkeit gegenüber B.1.1.7 liegt."

Ob diese Eigenschaften auch auf die nun in Vietnam entdeckte Variante übertragbar sind, ist allerdings noch offen. 

Welchen Einfluss hat die neu entdeckte Variante auf das Infektionsgeschehen in Vietnam?

Vietnam zählt zu den Ländern, die bislang vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen sind. Bis Sonntag gab es erst 7107 Infektionen, von denen aber mehr als 4000 erst seit Ende April auftraten. Die Zahl der Corona-Toten wird mit 47 angegeben.

Seit Ende April verzeichnet das Land einen Anstieg der Fallzahlen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Zuletzt meldeten die Behörden rund 290 Neuinfektionen binnen 24 Stunden – der bisherige Höchstwert in der Pandemie. In Vietnam leben rund 98 Millionen Menschen.

Offen ist, ob die Virusmutante für den zuletzt beobachteten Anstieg sorgt oder ihn gegebenenfalls befeuert. In dem südostasiatischen Land wurden bereits andere Virusmutanten nachgewiesen, darunter die als besonders ansteckend geltenden Mutanten B.1.1.7 und B.1.617.2.

Welche Maßnahmen ergreift Vietnam, um den aktuellen Anstieg der Fallzahlen auszubremsen?

Vietnamesische Behörden haben unter anderem eine Test-Offensive für die Millionen-Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt, früher bekannt als Saigon, angekündigt. Wie die Zeitung VnExpress berichtet, sollen fortan täglich rund 100.000 Menschen in der Neun-Millionen-Einwohner-Stadt auf das Virus getestet werden. Außerdem gelten in der Metropole seit Anfang dieser Woche strengere Abstandsregeln.

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Auf dem Flughafen in der Hauptstadt Hanoi wurden vorübergehend alle internationalen Einreisen gestoppt. Eine ähnliche Regelung gilt für den Airport von Ho-Chi-Minh-Stadt bereits seit vergangener Woche.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat der südostasiatische Staat bislang rund 2,9 Millionen Impfdosen erhalten – zu wenige, um die Ausbreitung des Virus mit Impfungen eindämmen zu können. Wie Reuters weiter berichtet, arbeite die Regierung derzeit daran, sich weitere Impfdosen zu sichern, unter anderem 20 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Vakzins und 40 Millionen Dosen Sputnik V.

Quelle: Bericht VnExpress / Reuters / WHO / Robert Koch-Institut (RKI) / Mit Material von DPA


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