HOME

Vogelgrippe: EU stellt sich auf neue Ausbrüche ein

Die Europäische Union bereitet sich auf eine weitere Ausbreitung der Vogelgrippe vor. Die EU-Staaten wollen dabei eng zusammenarbeiten. Gleichzeitig warnte man vor Hysterie: Eine Pandemie sei keineswegs sicher.

Die Europäische Union muss sich auf das Auftauchen neuer Fälle von Vogelgrippe einstellen. Dies sagte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou am Dienstag nach einer Sondersitzung der EU-Außenminister in Luxemburg. Zugleich müsse sich die Union besser auf eine Grippe-Pandemie vorbereiten. Ein solcher massenhafter Grippe-Ausbruch bei Menschen über mehrere Länder oder Kontinente sei möglich, habe aber mit der Vogelgrippe nichts zu tun.

"Wir können nicht ausschließen, dass es in anderen Mitgliedstaaten zu weiteren Ausbrüchen der Vogelgrippe kommt", sagte Kyprianou. "Und wir haben dafür eine Notfallplanung." Er hoffe, dass "sehr bald" feststehen werde, ob nach den EU-Anrainern Türkei und Rumänien auch bei EU-Mitglied Griechenland der auch für Menschen gefährliche Virus-Subtyp H5N1 ausgebrochen sei. Bis dies klar sei, gehe man aber von der Annahme aus, dass dies der Fall sei.

Eine gefährliche Grippe-Epidemie für den Menschen in der EU könne nach Ansicht aller Experten von einem völlig anderen Virus als dem Vogelgrippe-Virus ausgelöst werden. Es sei keineswegs sicher, dass es zu einer solchen Krankheitswelle komme: "Aber wir müssen auf eine solche Pandemie vorbereitet sein", sagte der Kommissar. In der kommenden Woche wollten die Gesundheitsminister über die nationalen Vorbereitungen auf eine solche Pandemie beraten. Dabei werde es auch darum gehen, dass die nationalen Grippeplanungen aufeinander abgestimmt seien.

Medikamentenproduktion soll erhöht werden

Die Kommission werde auch mit der Industrie Kontakt aufnehmen, um zu klären, in welchem Umfang Medikamente vorhanden seien und rasch produziert werden könnten. "Die Wahrheit ist doch, dass es eine große Nachfrage gibt oder geben wird, falls wir eine Pandemie bekommen. Wir müssen schauen, wie wir die Produktionskapazitäten von Medikamenten erhöhen können", sagte Kyprianou. Diese Vorkehrungen müssten völlig unabhängig von der Vogelgrippe getroffen werden.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO verhandelt bereits mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche über Möglichkeiten zur Ausweitung der Produktion von dessen Grippemittel Tamiflu. Das Medikament gilt als bislang einziges, das Schutz vor einer massenhaften Verbreitung der Vogelgrippe bieten kann. Roche plant bereits eine Verdoppelung der Produktion in diesem und noch einmal im nächsten Jahr, wehrt sich aber gegen einen Patentverzicht, durch den andere Hersteller das Mittel kostengünstiger herstellen könnten. Aus Furcht vor einer Verbreitung der Krankheit legen Regierungen weltweit Tamiflu-Vorräte an.

EU will Panikmache verhindern

Auch in einer Erklärung der Außenminister wird die Vogelgrippe als "weltweite Bedrohung" bezeichnet. Eine "effektive Koordination auf der Ebene der Union" könne die Wirksamkeit der einzelstaatlichen Maßnahmen verstärken. Verschiedene Ministerräte wollen sich im Laufe dieses Jahres immer wieder mit der Vogelgrippe befassen, doch wollten auch die Außenminister "die Situation aufmerksam beobachten".

Kyprianou sagte, die EU-Öffentlichkeit müsse wissen, dass das Vorkommen der Vogelgrippe die Wahrscheinlichkeit einer Grippe-Pandemie nicht erhöhe. Die EU müsse Solidarität mit den am meisten von der Vogelgrippe betroffenen Ländern Asiens zeigen.

Neue Fälle in Rumänien

Inzwischen wurden in Rumänien neue Verdachtsfälle auf Vogelgrippe bekannt. Bluttests hätten Antikörper gegen das Vogelgrippevirus H5 bei mehreren Wildvögeln im Donaudelta ergeben, sagte Landwirtschaftsminister Gheorghe Flutur am Dienstag vor der Presse. Es handele sich dabei um einen verendeten Schwan nahe der Ortschaft C.A.Rosetti an der Grenze zur Ukraine, eine Wildente nahe des Quarantänegebiets Ceamurlia de Jos und mehrere Schwäne in unmittelbarer Umgebung des zweiten Infektionsherdes bei Maliuc, sagte er. Es wird mehrere Tage dauern, bis Testergebnisse Klarheit geben, ob es sich um den Virus-Subtyp H5N1 handelt.

Wichtig sei es, die Vogelgrippe auf das Donaudelta und die Region Dobrogea (Dobrudscha) einzugrenzen, betonte der Minister. Außerhalb der beiden Verwaltungskreise Tulcea und Constanta sei keine der 1200 vom Bukarester Institut für Diagnostik und Tiergesundheit bislang untersuchten Proben positiv gewesen.

Mit Griechenland hatte zuvor erstmals ein Mitgliedsland der Europäischen Union (EU) einen Fall von Vogelgrippe bestätigt. Zuvor war der auch für Menschen gefährliche Virusstrang H5N1 in Rumänien und der Türkei nachgewiesen worden. In Asien sind bislang 60 Menschen an der Vogelgrippe gestorben. Experten warnen davor, dass sich das Virus verändern könnte und dann wie ein normales Grippe-Virus von Mensch zu Mensch weitergegeben würde.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters

Wissenscommunity