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Vogelgrippe: Geflügel wird nicht überall weggesperrt

Aus Furcht vor der Vogelgrippe müssen Hühner, Gänse, Enten und Puten bislang nur in drei Bundesländern in den Stall. Man will so verhindern, dass infizierte Zugvögel in Kontakt mit Geflügel kommen.

Während Niedersachsen die Tiere in weiten Regionen wegsperren lässt, gilt das Freilaufverbot in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen nur in der Nähe von Rastplätzen der Zugvögel. Die meisten Bundesländer sehen dagegen noch keine direkte Gefahr für Tier und Mensch durch die in Asien grassierende Grippe und haben daher noch kein Freilaufverbot angeordnet. Allerdings werden Wildvögel und Geflügel im gesamten Bundesgebiet verstärkt auf Erreger hin untersucht.

Niedersachen ist Geflügelland Nummer eins

Im Geflügelland Nummer eins, Niedersachsen, muss deutschlandweit das meiste Geflügel eingesperrt werden. Kriterien für das Freilaufverbot waren Zugvogelrouten, Rastplätze und Geflügeldichte. Über die Hälfte der Landesfläche ist betroffen. In diesen Gebieten gilt das Verbot bis zum 30. November für alle gewerblichen und privaten Geflügelhalter. Damit soll verhindert werden, dass möglicherweise infizierte Zugvögel mit Geflügel in Kontakt kommen. In Niedersachsen gibt es nach Angaben des Agrarministeriums etwa 72 Millionen Stück Federvieh. Etwa 10 Prozent leben in Freilandhaltung.

In Mecklenburg-Vorpommern muss das Geflügel nur in Gemeinden weggesperrt werden, in deren Nähe es größere Rastplätze von Zugvögeln gibt. Wie viele Tiere es betrifft, ist wegen der vielen kleinen Tierhalter unklar. In den anderen Gemeinden soll das Federvieh in geschlossenen Ställen gefüttert und getränkt werden.

Bayern sieht noch keine Gefährdung

Auch in Nordrhein-Westfalen gelten entsprechende Schutzvorschriften nur in Gebieten mit typischen Rastplätzen von Wasservögeln. Das Geflügel muss allerdings nicht zwangsläufig im Stall gehalten werden: Es reicht, die Freiluftgatter zu benetzen, wenn dadurch Wildgänse von den Tieren fern gehalten werden können. Betroffen sind Bestände von insgesamt gut 30.000 Hühnern und Gänsen.

In den übrigen Bundesländern kann Geflügel noch im Freien laufen. Ein Verbot sei in Bayern noch nicht zwingend erforderlich, sagte eine Sprecherin des Landesgesundheitsministeriums. Pläne lägen aber vor: "Wenn sich die Gefahrenlage ändert, können wir sofort reagieren." In Rheinland-Pfalz soll das ursprünglich von Mitte September an geplante Verbot der Freilandhaltung ebenfalls erst in Kraft treten, wenn akute Gefahr droht. Auch Hamburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt schätzen derzeit die Gefahr als gering ein. In Schleswig-Holstein sollen bis Jahresende zusätzlich bis zu 500 verendete Wildvögel untersucht werden.

In Brandenburg sind alle Halter angehalten, Futter und Tränken in Innenräume zu verlegen, um keine Wildvögel anzulocken. Sollte Gefahr in Verzug sein, kann das Land nach Angaben des Agrarministeriums kurzfristig reagieren.

DPA

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