Vogelgrippe Virus erreicht Mannheim und Potsdam


Die Vogelgrippe breitet sich unaufhaltsam aus - in Mannheim wurde eine infizierte Wildente, in Potsdam ein infizierter Turmfalke gefunden. Bauern müssen obendrein die Schweinepest fürchten: Die Seuche brach im Kreis Recklinghausen aus.

Die Vogelgrippe hat die erste deutsche Großstadt erreicht: Im Industriehafen von Mannheim wurde eine tote Wildente entdeckt, die mit H5N1 infiziert war. Ebenfalls positiv getestet wurde ein Turmfalke, der bei Potsdam gefunden worden war. Nach Ansicht des Marburger Virologen Hans-Dieter Klenk ist dennoch keine neue Gefahrenstufe zu verzeichnen: "Das Virus taucht eben überall da auf, wo Vögel wie Wildenten und Wildgänse sind."

In Mannheim umfasst der Drei-Kilometer-Sperrbezirk um den Fundort Teile der Stadtkreise Mannheim und Ludwigshafen. Das Beobachtungsgebiet im Umkreis von zehn Kilometern umfasst das komplette Mannheimer Stadtgebiet sowie Teile des Rhein-Neckar-Kreises, der Landkreise Bergstraße (Hessen) und Rhein-Pfalz-Kreis (Rheinland-Pfalz). Ob es sich bei dem Mannheimer Fall um die hochpathogene Variante des Virus H5N1 handele, werde noch im Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems geprüft. Mit einem Ergebnis werde Anfang nächster Woche gerechnet, hieß es.

In Baden-Württemberg waren bislang nur H5N1-Infektionen im Bodenseegebiet aufgetreten. Es handelte sich dabei um drei Wildvögel: je eine Tafelente in Überlingen und Öhningen sowie eine Wildente in Singen. Das Landratsamt Bodenseekreis teilte unterdessen mit, dass Tests an zwei weiteren toten Wasservögeln aus dem Landkreis negativ verlaufen seien. Ein weiteres Tier werde noch im Friedrich-Löffler-Institut untersucht.

Schutzmaßnahmen verschärft

Am Wochenende treten die verschärften Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe in Kraft. Per Bundesverordnung müssen dann in einem Umkreis von zehn Kilometern um Vogelgrippe-Fundorte Hunde an die Leine genommen werden, auch Katzen dürfen nicht mehr frei herumlaufen. Im engeren Umkreis von drei Kilometern gilt zudem ein Stallverbot für Fremde: Nur Personen, die zum Geflügelbetrieb gehören, sowie Tierärzte dürfen den Hof betreten.

Die Zahl der bestätigten Vogelgrippefälle stieg in Deutschland bis zum Freitag auf rund 140. Außer bei dem verendeten Kater auf Rügen wurde der Erreger bislang aber bei keinem weiteren Säugetier gefunden. Auch auf Nutzgeflügel sprang das Virus nicht über.

Experten halten Pandemie für unwahrscheinlich

US-Seuchenexperte Adolpho Garcia-Sastre hält die Aufregung um die Vogelgrippe für überzogen. Er sehe keine Gefahr einer verheerenden Epidemie wie 1918. Damals waren an der so genannten Spanischen Grippe weltweit 20 bis 50 Millionen Menschen gestorben. Garcia-Sastre erweckte das verantwortliche Virus H1N1 kürzlich im Labor aus eingefrorenen Gewebeproben wieder zum Leben und untersuchte es. "Selbst wenn sich H5N1 zu einem für den Menschen gefährlichen Virus entwickelt, wird es dank neuer Medikamente wahrscheinlich nicht zu einer Katastrophe wie damals kommen", sagte der Virologe.

Auch der Bielefelder Epidemiologe Reinhard Bornemann rät zu Besonnenheit statt Hysterie. Er betonte, dass trotz Abermillionen erkrankter Vögel in Asien die Zahl erkrankter Menschen sehr überschaubar sei: Weltweit wurden bislang 174 bestätigte Infektionen registriert, 94 dieser Patienten starben. "Das Virus überwindet die Barriere Vogel-Mensch nur sehr schwer."

Schweinepest in Recklinghausen

Nicht nur die Geflügelzüchter müssen sich um ihre Tiere sorgen. In einem Schweinemastbetrieb in Haltern brach die Schweinepest aus, wie Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg am Freitag in Düsseldorf mitteilte. 70 Tiere in dem Bestand seien an der Virusinfektion bereits gestorben, die übrigen rund 230 Schweine müssten getötet werden, um eine Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern.

Uhlenberg wies zugleich darauf hin, dass die Schweinepest für Menschen keine Gefahr bedeutet. Um den Mastbetrieb im Landkreis Recklinghausen sei eine Drei-Kilometer-Sperrzone eingerichtet, in der unter anderem Tiertransporte verboten und sorgfältige Desinfektionsmaßnahmen vorgeschrieben seien. Dazu kommt ein Umkreis von zehn Kilometern, der als Beobachtungszone gilt. Es gibt nach den Angaben zwei weitere Fälle, in denen ein Verdacht auf Schweinepest geprüft wird.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium teilte mit, auch die EU-Kommission, die EU-Mitgliedsstaaten und die anderen Bundesländer seien vom Auftreten der Seuche unterrichtet worden. Bei den untersuchten Tieren aus Haltern sei die Klassische Schweinepest festgestellt worden, erläuterte Uhlenberg. Diese Viruserkrankung wird nur von Schwein zu Schwein übertragen und verläuft für die Tiere oft tödlich. Menschen seien nicht gefährdet, selbst wenn sie das Fleisch erkrankter Schweine äßen, erklärte das Landwirtschaftsministerium. Auch andere Tiere könnten sich an der Schweinepest nicht anstecken. Schweinepest tritt relativ häufig auf. Nordrhein-Westfalen war zuletzt im Jahr 1999 betroffen.

AP/DPA AP DPA

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