Vorsorge Den Blick aufs Auge richten


Bluthochdruck und Diabetes erhöhen in Deutschland das Risiko für Augenerkrankungen - trotzdem gehen wenige zum Kontrollbesuch beim Augenarzt. Unkompliziert ist die Behandlung nur bei Früherkennung.

Für viele Menschen ist das gute Sehen eine Selbstverständlichkeit. Doch Mediziner gehen davon aus, dass in Zukunft immer mehr Deutsche am Auge erkranken werden und immer häufiger eine Erblindung drohen wird. "Vor allem die Bluthochdruck-Patienten und Diabetiker, deren Zahl stetig zunimmt, haben ein höheres Risiko für schwere Augenerkrankungen", sagt Christian Ohrloff, Direktor der Augenklinik an der Universität Frankfurt/Main und Mitglied der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Die Grundlagen für ein gutes Sehen werden oft bereits im Kindesalter gelegt. In den ersten Lebensmonaten und Jahren wird das Sehen richtig gelernt. "Etwa drei bis vier Prozent aller Kinder haben jedoch eine behandlungsbedürftige Sehstörung", sagt Ohrloff. Meist handele es sich zwar nur um leichte Störungen wie ein schielendes Auge. Unbehandelt könne solch eine Fehlsichtigkeit aber beispielsweise zu einem Verlust des räumlichen Sehens führen.

Frühe Korrekturen bei Kindern wichtig

"Rund 60 Prozent der Sehstörungen bei vierjährigen Kindern werden nicht erkannt", sagt auch Georg Mehrle vom Berufsverband der Augenärzte. Ohne eine Korrektur der Fehlsichtigkeit könne sich das Sehorgan des Kindes nicht mehr richtig entwickeln. Eine volle Sehschärfe im Erwachsenenalter könne dann nicht mehr erreicht werden. Aber auch eine Kurz- und eine Weitsichtigkeit kann die Entwicklung des Kindes deutlich beeinflussen. "Mancher vermeintliche Legastheniker kann in Wirklichkeit einfach nicht richtig sehen", sagt Ohrloff.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen

Bei Erwachsenen gehören vor allem der so genannte Grüne Star, die Makuladegeneration und der Graue Star zu den häufigsten Augenerkrankungen. "Vieles kann man unkompliziert behandeln, wenn die Erkrankung frühzeitig entdeckt wird", betont Ohrloff. So sollte jeder Erwachsene nach Vollendung des 40. Lebensjahres regelmäßig zum Augenarzt gehen und sich auf einen Grünen Star hin untersuchen lassen.

Der Grüne Star geht mit einem zu hohen Augeninnendruck einher, so dass der Sehnerv irreparabel geschädigt wird. "Grob geschätzt haben bundesweit fünf Millionen Deutsche einen zu hohen Augeninnendruck, 500.000 sind bereits an einem Grünen Star erkrankt, und 50.000 sind deshalb von Blindheit bedroht", sagt Mehrle. Mit speziellen Augentropfen könne der Innendruck wieder gesenkt und einer Schädigung des Sehnervs vorgebeugt werden.

Grauer Star ist gut operabel

Relativ häufig ist auch die so genannte Makuladegeneration. Dabei geht die zentrale Sehschärfe beim Patienten teilweise oder ganz verloren. Der Patient kann zwar noch Dinge erkennen, allerdings kann Ohrloff zufolge die zentrale Sehschärfe so gemindert sein, dass der Betroffene einen Anspruch auf Blindenhilfe hat. Zwar könne in einigen Fällen die Erkrankung mit einer Lasertherapie behandelt werden, für die meisten Patienten komme dies jedoch nicht in Frage.

Anders sieht dies beim Grauen Star aus, einer Eintrübung der Linse. "Jährlich werden in Deutschland 600.000 Star-Operationen erfolgreich durchgeführt, bei der die Patienten eine künstliche Linse erhalten", sagt Ohrloff. Für Star-Patienten in armen Ländern ist die Operation jedoch meist nicht möglich. Die Betroffenen erblinden und können ihre Familie nicht mehr ernähren.

Weltweit 50 Millionen Blinde

"So gibt es beispielsweise in Afrika nur einen Augenarzt auf eine Millionen Einwohner", sagt Annette Keseberg von der Christoffel Blindenmission in Bensheim. Von den weltweit 50 Millionen Blinden sei in der Hälfte der Fälle der Graue Star die Ursache. "Dabei kostet in Afrika die gesamte Operation nur etwa 30 Euro", sagt Keseberg. Viele könnten sich das aber nicht leisten und seien auf Spenden von Hilfsorganisation angewiesen.

Frank Leth

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