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"Pfefferberg" in Berlin: Neuer Standort für das Guggenheim-Lab

Gewaltdrohungen hatten die Guggenheim Stiftung bewogen, ein ungewöhnliches Forschungsprojekt in Berlin abzusagen. Jetzt ist ein neuer Standort gefunden. Wie er ankommt, muss sich erst entscheiden.

Das umstrittene Kulturprojekt Guggenheim-Lab kommt trotz der Absage an den ursprünglich geplanten Standort doch nach Berlin. Die amerikanische Guggenheim Stiftung teilte am Dienstag mit, das Forschungslabor werde nun in dem ehemaligen Fabrikgelände Pfefferberg im Stadtteil Prenzlauer Berg untergebracht. Start soll allerdings erst am 15. Juni sein - drei Wochen später als bisher geplant. Eine endgültige Absage wäre eine kulturpolitische Blamage für die Bundeshauptstadt gewesen.

"Wir freuen uns sehr darauf, das BMW Guggenheim Lab in der großartigen Stadt Berlin fortzuführen", erklärte Stiftungsdirektor Richard Armstrong. Wegen Protesten von Anwohnern und Gewaltdrohungen hatten sich die Veranstalter vor zwei Wochen gegen den ursprünglichen Standort im Szenekiez Kreuzberg entschieden. In dem Labor, das durch mehrere Megastädte zieht, sollen Fragen zur urbanen Zukunft diskutiert werden.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit begrüßte die Entscheidung. "Das Projekt passt zu Berlin als einer offenen, kreativen und toleranten Metropole", sagt der SPD-Politiker. Zugleich rief er zum Einsatz gegen Intoleranz auf: "Wir müssen gemeinsam denjenigen entgegengetreten, die Veränderung und Entwicklung generell ablehnen und sich obendrein noch selbst zu Schiedsrichtern aufschwingen wollen, was diskutiert werden darf und was nicht."

Viel Kritik rund um das Guggenheim-Projekt

Stiftungsdirektor Armstrong dankte Wowereit und anderen Verantwortlichen sowie den Bürgern Berlins für ihre Unterstützung. "Das Lab kann nur durch die Mitwirkung und Teilnahme von Menschen unterschiedlichster Standpunkte gelingen", sagte Armstrong. "In diesem Sinne hat das Berliner Lab bereits begonnen."

Das Kulturzentrum am Pfefferberg, ein 1990 ins Leben gerufenes Projekt mit Ateliers, Galerien und Restaurants, war im vergangenen Jahr schon einmal als Standort angekündigt worden, schied aber dann für das größere Grundstück in Kreuzberg aus. Jetzt sollen zusätzlich zu den Aktivitäten am Pfefferberg auch "eine Vielfalt an Projekten" in anderen Stadtteilen initiiert werden, kündigte Guggenheim an.

Gegen den Standort Kreuzberg hatte es Drohbriefe per Fax gegeben, im Internet wurde Stimmung gegen das Vorhaben gemacht. Vor allem konservative Politiker beschuldigten die linke Szene. Seit Jahren gibt es in dem Viertel die Sorge, dass angestammte Mieter durch die Aufwertung des Stadtteils ("Gentrifizierung") aus der Gegend vertrieben zu werden. Die Polizei hatte angekündigt, einen möglichen neuen Standort zu schützen.

Das Laboratorium, eine 30 Meter lange Leichtbauhalle, soll nun vom 15. Juni bis 29. Juli in Berlin Station machen. Im vergangenen Jahr war das von BMW unterstützte Lab schon in New York, im Anschluss geht es nach Mumbai. Insgesamt sind bei dem Großprojekt weltweit neun Etappen bis zum Jahr 2016 geplant.

DPA / DPA