US-Kritik Die Erfolgsgeschichte einer Abrechnung mit Bush


Michael Moores Buch "Stupid White Man" setzt sich kritisch mit Bushs Politik auseinander und ist in den USA schon seit Monaten ein Bestseller - nun auch in Deutschland.

Das Timing des Erfolgs hat Michael Moore seinen Gegnern zu verdanken. Als das Buch «Stupid White Men» im Herbst 2001 in den USA erscheinen sollte, kam der 11. September dazwischen. Geschockt von den Terroranschlägen und unter politischem Druck wollte der Harper Colins Verlag in New York die bereits gedruckte Erstauflage einstampfen lassen. «Das Buch war zu antipatriotisch», meinte Moore über seine «Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush», die in der Zeit des internationalen Schulterschlusses gegen den Terrorismus plötzlich unpassend schien.

Erfolgsstory «Stupid White Men»

Nach einer Welle des Protestes vor allem von Buchhändlern und Anhängern des linken Satirikers und Dokumentarfilmers kam «Stupid White Men» mit einigen Monaten Verspätung doch heraus - rechtzeitig zum Krieg in Afghanistan. Heute, auf dem Höhepunkt der Debatte um den geplanten Feldzug gegen den Irak, ist der Band des passionierten Bush-Gegners Moore seit 40 Wochen in der Bestsellerliste der «New York Times». Mit 250 000 verkauften Exemplaren in Deutschland hat es die wuchtige Breitseite gegen das Weiße Haus nun auch auf Platz eins der «Spiegel»-Bestsellerzählung geschafft. Und Moores Dokumentarfilm «Bowling for Columbine» über den amerikanischen Waffenwahn wurde von internationalen Filmkritikern unter die besten Dokumentationen aller Zeiten gewählt.

Bush - für Moore nur ein Bubi

Die nach dem 11. September feierlich proklamierte «bedingungslose Solidarität» mit den USA schwindet in der Irak-Frage auf breiter politischer Front. Und obwohl sich «Stupid White Men» gar nicht direkt mit der Irak-Krise beschäftigt, gibt es dennoch ein klares Statement ab: Für Moore ist der Präsident, der nie gewählt worden sei (wegen der umstrittenen Stimmenauszählung in Florida), nur ein «Bubi, der das dürftige politische Vermächtnis seines Daddys» erfüllen will und von einer «Junta von Geschäftsfreunden» seines im Öl-Business tätigen Vaters gesteuert wird.

Moore setzt auf Polemik

Sachlichkeit ist nicht Moores Sache. In seinen Filmen, Fernseh- Auftritten und Büchern setzt er bewusst auf Polemik und boshaften, bitteren Witz. Dabei ist «Stupid White Men» nicht nur eine Tirade gegen das korrupte politische System der USA, gegen Rassismus, Umweltzerstörung, das Streben nach Vorherrschaft und gegen schlichte, erschreckende Dummheit. Moore hat erstaunlich gut recherchiert und zieht jede Menge überraschender Details und Fakten aus dem Ärmel. Statistisches Material über die Bildungskrise bereitet er ebenso schwungvoll auf wie die Klimakatastrophe oder die geschäftlichen Nebeninteressen der Regierungsmitglieder in Washington.

Eine Leitfigur des Protests

Die politische Stimmung hat sich gedreht. Im vergangenen Mai hatte Moore bei den Filmfestspielen in Cannes noch bescheiden gesagt, er sei einer der «wenigen glücklichen amerikanischen Linken, die überhaupt noch öffentlich arbeiten». Wenige Monate später ist der 48-Jährige multimedial als eine der Leitfiguren des Protests in den USA präsent. «Die Bösen sind nur eine Bande blöder, dummer weißer Männer», ereifert er sich zum Schluss seines Buches. «Ihr habt etwas Besseres verdient.»


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