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Echo 2018: Campino macht als einziger den Mund auf

Campino gewinnt beim Echo den nicht verliehenen Preis für Courage. Er war der einzige der sich zur Antisemitismus-Debatte äußerte.

Campino findet beim Echo 2018 deutliche Worte zur Antisemitismus-Debatte

Campino findet beim Echo 2018 deutliche Worte zur Antisemitismus-Debatte

Die Echos 2018 sind vergeben. Überschattet wurden diese im Vorfeld von den Anitsemitismus-Vorwürfe gegen die nominierten Rapper Farid Bang (31) und Kollegah (33). Das Thema kochte in der Berliner Messe aber nur kurz auf, als Toten-Hosen-Frontmann Campino (55) das Wort ergriff. Im Mittelpunkt der Preisverleihung stand am Ende doch die Musik.

Zu Beginn lobte Mark Forster (34) bei der Vergabe der ersten Trophäe des Abends ("Künstlerin Pop National") den Echo gar als den "wichtigsten Musikpreis der Welt" aus. Träumen darf ja erlaubt sein. Freuen durfte sich die Frankfurterin Alice Merton (24, "Roots"). Den ersten Live-Auftritt des Abends legte der "Lieblingsire" der Deutschen hin: Rey Garvey (44) performte gemeinsam mit Rapper Kool Savas seinen neuen Hit "Is it Love?". Anschließend verlieh Garvey den Preis in der Kategorie "Band Pop National", den sich die Jungs von Milky Chance abholen durften, ehe der 19-jährige Kanadier Shawn Mendes die Bühne betrat und seinen neuen Song "In My Blood" zum Besten gab.

Campino kritisiert Farid Bang und Kollegah auf der Bühne

In der Kategorie "Rock National" - ausgezeichnet von Alice Merton - räumten die Toten Hosen ab. Frontmann Campino nahm den Preis alleine an und sprach als erster und einziger Künstler den Antisemitismus-Vorwurf gegen die nominierten Farid Bang und Kollegah an. Der Sänger erklärte, er habe auch über einen Boykott der Veranstaltung nachgedacht. Das wäre der einfachste, aber auch der falsche Weg gewesen, so Campino. Und weiter: "Ich spreche jetzt als Musiker zu anderen Musikern. Jeder muss sich eine Grenze setzen." Bei "frauenverachtenden, homophoben, rechtsextremen und antisemitischen Formen" sei für ihn eine Grenze überschritten.

Während jedoch die Punk-Legende die Rapper für ihren Song mit der Liedzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" scharf kritisierte, zeigte sich Kollegah im Publikum gelangweilt und legte seinen Kopf symbolisch auf den Tisch. Vom Rest des Publikums erhielt Campino hingegen für seine flammende Rede Standing Ovations.

Moderator Amiaz Habtu (40) bot anschließend Farid Bang und Kollegah an, sich dazu zu äußern. Kollegah ergriff tatsächlich kurz das Wort. Ging aber nicht wirklich auf die Diskussion ein: "Ich will hier keine Politik-Debatte draus machen", so der Rapper. Deshalb könne jeder, der über das Thema sprechen möchte, die beiden auf der Aftershow-Party ansprechen. Chance verpasst.

Ungewöhnliches Trio: Helene Fischer mit Gregor Meyle und Götz Alsmann

Da Politik an diesem Abend also unerwünscht war, sorgten Rita Ora (27) und Liam Payne (24) im Anschluss mit einem gemeinsamen Auftritt für internationales Flair. Im Anschluss verliehen Die Lochis den Preis in der Kategorie "Dance National". Gewinner Robin Schulz (30) konnte den Preis allerdings aufgrund einer Erkrankung nicht persönlich entgegennehmen. Längst wieder gesund präsentierte sich Helene Fischer (33) auf der Bühne. Gemeinsam mit Gregor Meyle (39) und Götz Alsmann (60) sang sie ihre Ballade "Lieb mich dann".

Weiter gings mit dem "Kritikerpreis National" präsentiert von Judith Holofernes. Entgegennehmen durfte den die sichtlich überraschte Rapperin Haiyiti (*1993). Die Trophäe "Künstler Pop National" räumte Mark Forster ab, den Holofernes als "den sympathischsten aller jungen Künstler" bezeichnete. Für den deutschen Popstar war es der erste Echo seiner Karriere. In seiner Dankesrede kündigte er an, sich auf der Aftershow-Party "ordentlich wegzuballern". Für die nächste musikalische Einlage sorgte der US-amerikanische R&B-Superstar Jason Derulo (28).

Um die Kategorie "Newcomer National" zu vergeben, kam erneut Campino auf die Bühne. Freuen durfte sich Wincent Weiss (25), der im Anschluss den Preis für den "Newcomer International" an den Puerto Ricaner Luis Fonsi (39) übergab. Einen emotionalen Höhepunkt stellte Julia Engelmann dar, die mit einem bewegenden Poetry Slam alle im vergangenen Jahr verstorbenen Künstler verabschiedete.

Kollegah pöbelt gegen Campino

Spannend sollte es dann nochmal bei der Verleihung der Kategorie "Hip-Hop/Urban National" werden. Hier waren die im Vorfeld mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontierten Rapper Farid Bang und Kollegah nominiert. Das Duo räumte am Ende tatsächlich ab. "Das fühlt sich ja jetzt fast wie ein Trostpreis an", erklärte Farid auf der Bühne. Kollegah attackierte unter lauten Buh-Rufen aus dem Publikum in seiner Rede Campino für dessen Kritik zuvor. Insgesamt hielten die beiden das Thema jedoch flach und verließen relativ schnell wieder die Bühne.

Der "Hit des Jahres" ging - wie sollte es anders sein - an Ed Sheeran (27) mit "Shape Of You". Der Brite bedankte sich mit einer kurzen Videobotschaft für den Preis. Als Sieger in der Kategorie "Volkstümliche Musik" gingen Santiano hervor, bevor Kylie Minogue (49) die Bühne mit ihrem neuen Hit "Dancing" eroberte. Singer-Songwriter Johannes Oerding (36) verlieh im Anschluss an Fetsum und Teddy Tewelde, die Gründer des "Peace x Peace"-Festivals in Berlin, den Preis für "Soziales Engagement".

Helene holt ihren 17. Echo

Luis Fonsi (39) heizte schließlich noch mit seinem Mega-Hit "Despacito" ein, ehe Helene Fischer für die musikalische Überraschung sorgte, als sie für ein Duett ("Echame la Culpa") mit dem Puerto Ricaner auf die Bühne kam. Und ja, Helene kann tatsächlich auch auf Spanisch singen. Die deutsche Schlager-Queen war es dann natürlich auch, die den Echo in der Kategorie "Schlager" abstaubte. Es ist ihr 17.

Die letzte Trophäe des Abends - neben dem "Lebenswerk" für den "fünften Beatle" Klaus Voormann (79) - sicherte sich erneut Ed Sheeran in der Königskategorie "Album des Jahres". Den unwürdigen musikalischen Schlusspunkt setzten Farid Bang und Kollegah mit ihrem Auftritt, bei dem sie sich auf rappende Art und Weise gegen die Antisemitismus-Vorwürfe wehrten. Diese Plattform hätte man den beiden nicht zwingend geben müssen.

SpotOnNews