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"Die Abenteuer des Huck Finn" startet im Kino: Eine abenteuerliche Reise in die Freiheit

Endlich reich sein. Während andere davon träumen, will Huck Finn lieber ein einfaches Leben in Freiheit führen und Abenteuer erleben. In "Die Abenteuer des Huck Finn" wagt er deshalb die Flucht.

Kinotrailer: "Die Abenteuer des Huck Finn"

Nach Tom Sawyer kommt nun auch sein Freund Huckleberry Finn im Kino zu neuen Ehren. Hermine Huntgeburth hat die Abenteuer des unternehmungslustigen Streuners aus St. Petersburg am Mississippi nach dem berühmten Jugendbuch von Mark Twain in Szene gesetzt. Huck ist darin mit dem entlaufenen Sklaven Jim auf der Flucht in die Freiheit. Ihr Ziel: der Staat Ohio, wo Sklaverei verboten ist. Doch ihre Reise ist gefährlich. Denn neben skrupellosen Sklavenjägern ist auch Hucks Vater den Entlaufenen dicht auf den Fersen. "Die Abenteuer des Huck Finn" ist ein spannendes Kinoabenteuer für Kinder und ihre Eltern. An manchen Stellen vielleicht etwas glatt, aber insgesamt doch sehr unterhaltsam.

Besonders lustig: Die Sklavenjäger, dargestellt von Henry Hübchen, Milan Peschel und Andreas Schmidt. Sie tappen in jedes Fettnäpfchen und sind dabei herrlich trottelig, ohne dass sie in den Klamauk abrutschen. Deshalb fällt es Huck und Jim auch nicht schwer, ihnen regelmäßig zu entwischen. Trotzdem schafft es Huntgeburth, das Verfolgertrio nicht völlig harmlos wirken zu lassen. Im Gegenteil. Zwischendurch treiben sie die beiden Flüchtigen ziemlich in die Enge. Ähnlich verrückt wie die Jäger sind auch der zwielichtige Herzog (Kurt Krömer) und der König (Michael Gwisdek), die sich auf dem Weg nach Ohio zu Huck und Jim gesellen.

Ein Film ohne Ecken und Kanten

Ein bisschen zu fein wirkt Hucks Vater (August Diehl). Trotz seines verlotterten Aussehens ist er nicht der verwahrloste Trinker, den Twain in seinem Buch beschreibt. Dafür ist er umso hartnäckiger. Denn sein Sohn ist durch die Entdeckung eines Schatzes richtig reich geworden. Von einem Leben als geschniegelter Emporkömmling will Huck zwar nichts wissen und er fühlt sich dadurch eingeengt. Aber das Geld seinem versoffenen Vater in den Rachen werfen will er trotzdem nicht.

Insgesamt fehlen dem Film die Ecken und Kanten wie etwa in der Twain-Interpretation "Tom und Hacke", die im August in den Kinos angelaufen war. Regisseur Rudolph Herfurtner hatte die Geschichte ins Bayern der kargen Nachkriegszeit verlegt und seinen Film dadurch sehr authentisch wirken lassen. Auch die Darsteller wirkten ungekünstelt, was dem Film einen rauen Charme verlieh. Hermine Huntgeburth wählte dagegen wie schon in ihrem ersten Film "Die Abenteuer des Tom Sawyer" den Originalschauplatz in den USA im ausgehenden 19. Jahrhundert. Gedreht wurde in Deutschland und Rumänien in Kulissen, die allerdings mit viel Liebe zum Detail aufgebaut wurden.

Es gibt aber auch wunderschöne Momente in dem Film, etwa wenn Jim und Huck sich alleine auf dem Floß den glitzernden Mississippi hinunter treiben lassen. Dann wird es mitunter richtig poetisch, wenn sie über das Leben philosophieren und sich ihre Zukunft ausmalen. Jacky Ido spielt Jim mit großer Wärme und Klugheit, während Leon Seidel der freche Huck ist, der sich in seiner Rolle als reicher junger Mann gar nicht wohl fühlt. Ganz am Anfang, als er in feinen Klamotten bei Witwe Douglas und Miss Watson lebt, träumt er von seinem früheren Landstreicherleben: "Ich will wieder'n Fisch am Stock essen, Jim, oder mir mal ne Ratte braten,... und in 'ner Tonne schlafen am Fluss, wie'n ganz normaler Mann."

Cordula Dieckmann, DPA / DPA