"Ocean's Twelve" Viele Stars um viel heiße Luft


Steven Soderbergh hat das Dreamteam um George Clooney, Brad Pitt, Julia Roberts und Co. erneut vor die Kamera geholt. Die Fortsetzung von "Ocean's Eleven" ist rauer und trickreicher geraten als der erste Coup.

Erfolg macht manchmal auch Hollywood-Regisseure überheblich. Steven Soderbergh ist Oscar-Preisträger und hat einige Kassenhits inszeniert, darunter Anfang 2002 den rasanten Gangsterstreifen "Ocean's Eleven". In diesem Film, der bei Publikum und Kritik gleichermaßen gut ankam, präsentierte Soderbergh mit George Clooney, Brad Pitt, Julia Roberts und Andy Garcia einige der derzeit populärsten Stars des US-Kinos. Sie alle sind auch wieder dabei bei der Fortsetzung "Ocean's Twelve".

Mit von der Partie sind nun auch die Waliserin Catherine Zeta-Jones und der Franzose Vincent Cassel. Das ist nicht der einzige europäische Anteil an diesem Kinoimport: Gedreht wurde der mit 120 Minuten deutlich zu lang geratene Film neben einigen amerikanischen Schauplätzen auch vor den Kulissen eines typischen Bilderbuch-Europas mit den Stationen Amsterdam, Paris, Monte Carlo, Comer See, Rom und Sizilien. Dorthin verschlägt es nämlich den wieder vom schönen Clooney gespielten Danny Ocean und seine Gang, um für den skrupellosen Terry Benedict jene 160 Millionen Dollar aufzutreiben, um die sie ihn in Las Vegas vor drei Jahren "erleichert" hatten.

Rückforderung in Millionenhöhe

Benedict ist eben jener Spielcasino-Besitzer, den Ocean, Rusty Ryan (Brad Pitt) und die anderen nach allen Regeln der Ganovenkunst austricksen konnten. Doch die elf Multimillionäre können sich ihres illegal erworbenen Vermögens nicht lange erfreuen, denn Benedict erfährt, wer ihm einst so übel mitgespielt hat, und fordert sein Geld mit Zinsen ultimativ zurück. Ocean, dessen Autorität umstritten nur bei seiner Frau Tess ist, die Julia Roberts auffallend hohlwangig verkörpert, trommelt seine Komplizen zusammen. Das sind, ebenso wie in "Ocean's Eleven", ganz verschiedene Typen mit ganz verschiedenen Fähigkeiten und Vermögensanlagen. Aber alle wissen: Nun müssen sie wieder ans Werk.

Misslich ist nur, dass der unwiderstehliche Rusty mal eine heiße Affäre mit der attraktiven Isabel Lahiri hatte, ihres Zeichens Europol-Agentin und als Tochter eines berühmten Einbrechers mit allen Schlichen des krummen Gewerbes vertraut. Und Probleme bereitet auch der französische Meisterdieb Francois Toulour, der Oceans Truppe zeigen will, wer der bessere Räuber ist. Soderbergh und Drehbuchautor George Nolfri haben sich für die Fortsetzung einiges einfallen lassen, aber es ist weder ein in sich schlüssiger, stilistisch überzeugender noch spannender Film geworden. Vielmehr wirkt die Handlung sehr konstruiert, unnötig verschachtelt und auch, wie nicht erstmals bei Soderbergh, schlicht überambitioniert.

Vermutlich hatten all die mitwirkenden Stars eine Menge Spaß miteinander, auch Bruce Willis bekommt noch einen Kurzauftritt. Aber Spaß sollen nun einmal vor allem die Zuschauer haben. Doch die beschleicht mit wachsender Filmdauer das unangenehme Gefühl, nicht sonderlich ernst genommen zu werden. Zu oft arbeitet die Dramaturgie mit Zufällen und Unwahrscheinlichkeiten, zu oberflächlich werden die Stationen in Europa ins Bild gebracht, zu bemüht wird ein Happy End für alle gebastelt, natürlich mit Ausnahme des arroganten Franzosen Toulour.

Immerhin enthält der Film kaum Gewalttätigkeit und geflucht wird auch gesittet. Gleichwohl hat Soderbergh nur die höchst überflüssige Fortsetzung seines Erfolgsfilms produziert. Der Oscar-Preisträger hat schon einige Flops gelandet, "Ocean's Twelve" ist ein weiterer - schade drum.

Wolfgang Hübner/AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker