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ARD-Film "Neue Vahr Süd": Das Flair der Achtziger

Herr Lehmann ist wieder da: Mit "Neue Vahr Süd" kommt die beliebte Romanfigur von Autor Sven Regener auf den TV-Bildschirm. Die Zuschauer können sich auf eine Reise in die wilden 80er Jahre freuen. Ein guter Film, der ganz anders ist als der Vorgänger "Herr Lehmann" mit Christian Ulmen.

Von Martin Motzkau

Frank Lehmann, besser bekannt als Herr Lehmann, ist eine einzigartige Roman- und Filmfigur: Es gibt wohl keinen anderen fiktiven Charakter, der von seinen Mitmenschen geduzt und gleichzeitig mit seinem Nachnamen angesprochen wird. Diese ungewöhnliche Anrede wurde zu seinem Markenzeichen in dem gleichnamigen Bestseller von Autor und Musiker Sven Regener, der 2003 in die Kinos kam.

Zwischen Bundeswehr und Weltrevolution

Jetzt läuft mit "Neue Vahr Süd" die Vorgeschichte zu "Herr Lehmann" in der ARD. Regisseurin Hermine Huntgeburth nimmt die Zuschauer mit in die wilde Zeit der 80er Jahre: Frank Lehmann ist 20 Jahre alt und wohnt bei seinen Eltern im Bremer Neubaugebiet Neue Vahr im Osten der Stadt. Seine Freunde nennen ihn zu dieser Zeit noch beim Vornamen. Weil er vergessen hat zu verweigern, muss Frank nun seinen Grundwehrdienst antreten. Unter der Woche ist Pionier Lehmann fortan in der Kaserne, nur am Wochenende übernachtet er bei seinen Eltern. Als es ihm dort zu eng wird, zieht er kurzerhand in die WG eines alten Schulkameraden im linksalternativen Ostertorviertel ein. Von nun an pendelt Frank zwischen Bundeswehr und Weltrevolution hin und her, bis es beim großen Gelöbnis schließlich zum Aufeinandertreffen der beiden Welten kommt, die gegensätzlicher nicht sein können.

Mit aufwendiger Kulisse und jungen, eher unbekannten Darstellern lassen die Produzenten die damalige Zeit wieder aufleben. Historische Straßenbahnen fahren durch das Bremer Ostertorviertel, Autos tragen kein Euro-Kennzeichen und im Kino laufen mit "Shining" und "Blues Brothers" zwei Klassiker aus dem Jahr 1980. Sogar das alte Weserstadion wurde in den Film reinkopiert. Inmitten dieser nostalgischen Atmosphäre spielt der erst 21-jährige Frederik Lau den immer etwas verloren wirkenden Frank Lehmann, der gemeinsam mit Sibille (Miriam Stein), Martin Klapp (Eike Weinreich) und Birgit (Rosalie Thomass) wilde Partys in der renovierungsbedürftigen WG feiert und sein letztes Geld für die Balkanplatte im jugoslawischen Restaurant "Dubrovnik" ausgibt.

Zum heimlichen Star wird Nebendarsteller Albrecht Abraham Schuch. Er spielt Frank Lehmanns alten Schulfreund und Krawallmacher Harry. Mit schwarzer Lederjacke, klimpernden Ketten am Handgelenk und einem Tattoo am Hals verkörpert er den harten Schlägertyp mit seiner naiven und direkten Art sehr souverän und gleichzeitig auf humorvolle Art und Weise. Auch sprachlich hat sich der aus Jena stammende Schuch vorbereitet: Für seine Rolle eignete er sich den Bremer Akzent an.

Verfilmung des dritten Teils im Herbst 2011

Mit dem Kinoerfolg "Herr Lehmann" von Leander Haußmann hat "Neue Vahr Süd" nur noch wenig zu tun: Vielmehr handelt es sich um einen gut gemachten Fernsehfilm fürs Abendprogramm, der vom Flair der 80er Jahre und seinem eigenen Witz lebt. Es ist keine bloße Nacherzählung der Romanvorlage, dafür reichen die anderthalb Stunden Filmzeit nicht aus. Der Drehbuchautor Christian Zübert hat den 600 Seiten schweren Wälzer geschickt gekürzt und an einigen Stellen verändert. Dadurch setzt sich der Film deutlich von dem Buch ab, was ihn aber nicht schlechter macht.

Für diejenigen, die nach dem Film immer noch nicht genug von Frank Lehmann haben, gibt es gute Nachrichten: Auch der dritte Teil der Trilogie, "Der kleine Bruder", in dem sich Frank auf die Suche nach seinem Bruder macht, soll im kommenden Herbst verfilmt werden, dann allerdings für die Kinos.

"Neue Vahr Süd" läuft am 1. Dezember 2010 um 20.15 Uhr in der ARD