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62. Berlinale: DDR-Drama "Barbara" mit Nina Hoss beeindruckt

Angelina Jolie tritt auf der Berlinale als glamouröse Friedensbotschafterin auf. Im Bären-Wettbewerb beeindruckt einzig Nina Hoss mit dem DDR-Drama "Barbara".

Angelina Jolie verschaffte sich Respekt als Superstar mit politischem Anliegen. Bollywood-Held Shah Rukh Khan ließ nach überstandener Krankheit die Herzen seiner Fans höher schlagen. Und Christian Petzold und Nina Hoss überzeugten das Berlinale-Publikum mit dem ersten deutschen Wettbewerbsbeitrag "Barbara". Andere Teilnehmer im Rennen um den Goldenen Bären ließen das Publikum der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin (bis 19.2.) eher mit gemischten Gefühlen zurück - bislang ist der Wettbewerb um die Bären-Trophäen eher lau.

Umso größere Aufmerksamkeit erhielt die 36-jährige US-Schauspielerin Jolie. Nicht nur als Action-Ikone, Lebensgefährtin von Hollywood-Beau Brad Pitt und sechsfache "Über"-Mutter trat Jolie auf. Zwar sorgte der Legoland-Besuch von Jolie und ihren Kindern am Potsdamer Platz für Schlagzeilen. Doch schnell wurde klar, dass hier eine Frau mit politischer Mission angereist ist.

Mit Außenminister Guido Westerwelle sprach Jolie über ihr Engagement für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Mit ihrem beachtlichen Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey" (Kinostart 23.2.), das am Samstagabend umjubelte Premiere feierte, gab Jolie ein politisches Statement ab. Das Drama über eine tragische Liebe während des Bosnienkrieges ist ein starkes Plädoyer gegen Krieg und Gewalt an Frauen - und eine Aufforderung an die internationale Gemeinschaft, sich bei Konflikten früher einzumischen.

DDR-Drama mit Nina Hoss

"Wenn ihr früher eingegriffen hättet, dann hätte es viel weniger Tote, viel weniger Gewalt gegeben", sagte Jolie - wie derzeit in Syrien. "Je länger das weitergeht, desto mehr Babys werden getötet." Und Jolie will ein nahbarer Star sein, erzählt zum Beispiel, dass sie während der Entstehung von "In the Land of Blood and Honey" einmal weinend unter der Dusche stand, weil ihr der Druck und die Verantwortung durch diesen Film zu groß erschienen.

Spaß und Action brachte der Inder Shah Rukh Khan,46, in die grimmig kalte Berlinale-Stadt. Trotz eisiger Temperaturen begrüßten den Bollywoodstar bei der Premiere von "Don - The King is back" nach langem Warten ausdauernd kreischende Fans. Dabei sah es zunächst so aus, als müsse Khan wegen einer Erkältung und Fieber absagen.

Ziemlich schleppend lief der offizielle Wettbewerb an, in dem 18 Filmemacher aus aller Welt um den Goldenen Bären konkurrieren. Auf verhaltenes Echo stießen die Beiträge aus Spanien, Frankreich und dem Senegal, und auch das neue Werk des philippinischen Regisseurs Brillante Mendoza, die Entführungsgeschichte "Captive" mit Isabelle Huppert, konnte nicht recht überzeugen. Eindruck machte dagegen ein Beitrag aus Deutschland.

Politik und Privates vermischt sich in Christian Petzolds DDR-Drama "Barbara" (Kinostart 8.3.). Nina Hoss spielt darin eine Ärztin, die nach einem abgelehnten Ausreiseantrag in ein Provinzkrankenhaus strafversetzt worden ist. Jetzt plant sie die Republikflucht. Als sie einem Klinikkollegen begegnet, der sie schätzt und näher kennenlernen will, zweifelt sie an ihrem Entschluss. "Vielleicht kann der Film die Botschaft vermitteln: Lasst uns nicht Aufarbeiten, lasst uns Erzählen. Dass man die DDR nicht als eine Aufgabe betrachtet, die es zu erledigen gilt", erklärte Petzold im dpa-Interview. Beim Berlinale-Publikum kam "Barbara" sehr gut an.

Elke Vogel und Aliki Nassoufis, DPA / DPA