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Berlinale-Post: Tag 8: Die "sexiest men" der Berlinale

Jürgen Vogel will die Hosen runterlassen. Javier Bardem wartet. Michael Fassbender lacht. Und Dieter Kosslick führt die geheime Liste.

Von Sophie Albers, Berlin

Energiepunkte: Von null auf hundert in zehn Sekunden. Zuerst neben Energiewunder Dieter Kosslick gesessen und dann von Michael Fassbender angestrahlt worden.

Like des Tages:

Dass der derzeit am höchsten gehandelte Hollywoodnachwuchs so sehr am Boden geblieben ist. Michael Fassbender könnte wirklich abheben, das würde dem Deutsch-Iren, den das ganz große Kino gerade für sich entdeckt hat, wirklich niemand übel nehmen. Aber nichts da. Der "X-Men"-"Eine dunkle Begierde"-Star sitzt da, raucht verstohlen am offenen Fenster, macht Witze über sich selbst, freut sich, seine Eltern zu sehen, freut sich, dass er Filme machen kann, die ihm wichtig sind ("Shame") und sagt, dass man in Hollywood leicht sexsüchtig werden könne, weil das Angebot eben da sei. "Die Frauen kommen ja nicht zu mir, weil ich so gut aussehe und so charmant bin. Die kommen, weil ich bekannt bin." Mal sehen, wie lange er noch unten bleibt. Als nächstes ist er in Ridley Scotts Alien-Nachfolger "Prometheus" zu sehen.

Dislike des Tages:

Matthias Glasners "Gnade". Der dritte deutsche Film im Berlinale-Wettbewerb hat mit Jürgen Vogel und Birgit Minichmayr zwar gute Schauspieler, aber die Geschichte über ein Paar, das seine kaputte Ehe ausgerechnet im eisigen Norwegen retten will, ist abstrus, zu lang und bedeutungsschwanger ohne Geburt. Jürgen Vogel platzte beim offiziellem Fototermin trotzdem vor guter Laune und bot sogar an, seine Hose auszuziehen. Hat er dann aber lieber gelassen.

Filmmoment des Tages:

Dass Doris Dörries "Glück" einen völlig überfährt, verschreckt, verstört und durcheinanderschüttelt. Der "neue Liebesfilm" der Autorin und Regisseurin erzählt - vielleicht zuweilen etwas kitschig - von dem kleinen Glück, das die Realität übrig lässt, im Leben einer Frau, die dem Krieg entkommen ist, und eines Obdachlosen in Berlin. Und das mit großer Zärtlichkeit.

Sichtung des Tages:

Javier Bardem, ein bisschen zottelig, aber in elegantem Schwarz. Der wunderbare Mann mit dem Oscar und von Penelope Cruz ist auf der Berlinale um die Dokumentation "Sons of the Coulds - The last Colony" von Álvaro Longoria zu präsentieren. Der Film berichtet von der ehemaligen spanischen Kolonie in der Westsahara, deren Bewohner seit Ende der Franco-Ära 1975 Repressionen ausgesetzt sind. Der Film geht so weit zu sagen, dass in dieser Region der Arabische Frühling seinen Anfang nahm. Bardem ist Produzent und Erzähler - und trägt im Film Turban.

Zitat der Tages:

"Michael Fassbender ist der 'sexiest man' der Berlinale. Nummer zwei ist Javier Bardem. Und dann komme ich." (Nach acht Festivaltagen unfassbar gut gelaunter und fitter Berlinalechef Dieter Kosslick)

News des Tages:

Das Filmfest von Rom geht zum Angriff über. Angeblich plant Ex-Venedig-und-neuer-Rom-Chef Marco Müller das römische Festival statt im Oktober auf Ende November zu verschieben. Das berichtet das Branchenblatt "Screen". Damit soll ein viertes, schwergewichtiges Festival entstehen, drei Monate nach Venedig und Toronto und drei Monate vor Berlin.

Wiedersehen mit:

Craig Gannon. Der ehemalige The-Smiths-und Morrissey-Gitarrist arbeitet mittlerweile als Komponist für TV- und Filmmusik.

Film, den man sich merken muss:

Das klingt jetzt sehr speziell, aber "Side by Side" hat nicht nur Keanu Reeves zu bieten, der Film setzt sich mit der Frage auseinander, was die Digitalisierung für die Zukunft des Kinos bedeutet. Und alle Großen - von Martin Scorsese über George Lucas bis Steven Soderbergh - sagen ihre Meinung dazu. Und sie erzählen Anekdoten: Weil beim digitalen Dreh, anders als beim Film, nicht mehr alle zehn Minuten das Magazin gewechselt werden muss, können die Regisseure stundenlang drehen. Manchem Schauspieler, der an die Pausen gewöhnt war, wird das zu viel. So soll Robert Downey Jr. einst besonders drastisch seine Pinkelpausen eingefordert haben, indem er in Marmeladengläser urinierte, und die auf dem Set verteilte. Das kommt ganz sicher auch auf die Pro-und-Con-Liste.

Und noch ein gutaussehender Mann:

Mads Mikkelsen spielt in "Die Königin und der Leibarzt" einen Deutschen, der dabei war, Dänemark im 18. Jahrhundert zu modernisieren. Doch dann fängt er eine Affäre mit der Königin an und verliert nicht nur metaphorisch den Kopf. Ein eher träges Kostümdrama, in dem Mikkelsen der einzige Hingucker ist.

... und morgen kommt Robert Pattinson.

Mitarbeit: Matthias Schmidt und Carsten Heidböhmer