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Ralf Moeller "Es ist beschämend, was die Regierung den älteren Leuten antut"

Ralf Moeller
Ralf Moeller zuhause in Recklinghausen
© Bernd Thissen/ / Picture Alliance
Der deutsche Hollywood-Schauspieler Ralf Moeller ist während der Pandemie wieder in die alte Heimat gezogen und hat ein Buch geschrieben. Ein Gespräch über deutsche Supermärkte, Corona-Frust und natürlich: Arnold Schwarzenegger.

Von Recklinghausen nach Hollywood und wieder zurück: Der Schauspieler und ehemalige "Mr Universe" Ralf Moeller steht während der Corona-Pandemie seinen Eltern in der deutschen Heimat bei, wohnt seit vier Monaten wieder bei ihnen in NRW. Hier hat der 62-Jährige die Zeit genutzt und gemeinsam mit einem Autor ein Buch geschrieben, "Erstma' machen" heißt es und ist eine Art Anekdotensammlung unter dem Motto des American Dreams geworden. Im Interview mit dem stern erzählt Moeller, was ihn an deutschen Supermärkten stört und verrät, wie hoch seine Hollywood-Gagen sind.

Herr Moeller, nervt es Sie eigentlich, dass Sie immer mit Arnold Schwarzenegger in Verbindung gebracht werden?

Der Vergleich mit Schwarzenegger kommt ja nur, weil wir oft zusammen sind und beide die Muskeln, den Bizeps und die Größe haben. Aber in Wahrheit ist Schwarzenegger doch meilenweit von mir entfernt! Er hat allein mehr sportliche Titel als ich. Dann seine Schauspielkarriere, dass er 35 Millionen Dollar für einen Film verdient plus Prozente - das ist von mir so weit entfernt wie der Jupiter! Dann war er Gouverneur, das ist alles weltweit einzigartig. Ich mach den Ralf Moeller. Damit kann ich gut leben.

Wie sind denn Ihre Hollywood-Gagen, verraten Sie das?

Naja, meine Gagen in Hollywood lagen so im guten sechsstelligen Bereich.

Sie haben kürzlich in München für den Film "Kung Fury" gedreht, mit Arnold Schwarzenegger und Michael Fassbender. Spielt Ihre Freundschaft mit Schwarzenegger eine Rolle bei Ihren Jobs?

Schwarzenegger und ich kennen uns seit 38 Jahren, wir haben früher zusammen trainiert, und später bin ich mit der Familie auch in die USA gezogen. Unsere Töchter sind im gleichen Alter, gingen zusammen zur Schule. Wir machen viel zusammen, aber natürlich schanzt er mir keine Filme zu. Den ein oder anderen Ratschlag hat er mir schon gegeben, er hat mich damals auch seinem Schauspiel-Coach vorgestellt. Aber es ist eine Freundschaft, in der keiner etwas vom anderen erwartet.

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Sie sind seit vier Monaten schon in Ihrer deutschen Heimat Recklinghausen. Ihre Mutter ist 85, Ihr Vater wird 92, Sie haben sich um die Corona-Impftermine gekümmert. Und waren frustriert, wie Sie öffentlich erzählt haben.

Ich habe zwei bis drei Stunden gebraucht, um telefonisch die Termine für die Eltern auszumachen. Es ist sehr beschämend, was die Regierung den Leuten in diesem Alter jetzt antut. Dabei gilt Deutschland immer als so organisiert! Aber hier einen Impftermin zu organisieren, kann man einer über 80-Jährigen eigentlich nicht zumuten, wenn sie keine Verwandten oder Bekannte hat, die unterstützen. Wir können froh sein, wenn bis Ende Mai alle älteren Menschen einen Termin haben. Ich glaube nicht, dass bis Ostern alle Impfangebote haben werden, wie angekündigt. Deshalb bin ich bis Mitte Mai sicher noch hier. Ich möchte natürlich gucken, was hier abgeht.

Vermissen Sie die USA?

Ich vermisse das Wetter und den Lifestyle in Kalifornien. Amerika ist auch meine Heimat, es hat mich stark geprägt. Mir gefällt, dass es da auch mal Komplimente auf der Straße gibt, etwa für meine Harley Davidson. Und: Es gibt keinen Kampf an den Einkaufskassen, da wird dir alles eingepackt. Ich geh hier in Deutschland für die Eltern einkaufen und dann steht man in der Schlange und packt ein und sucht schnell das Geld und da steht schon der nächste und einpacken muss man eigentlich auch noch – das finde ich sehr deutsch! Oder wie man sich hier aufregt, wenn ein Flug ausfällt. Der Ami sagt dann: Let’s take the train! Die sind einfach entspannter und das hat auch auf mich abgefärbt. Aber ich pendele ja immer zwischen den Kontinenten.

"Erstma´ machen! Denn auch Hinfallen ist ein Schritt nach vorn" heißt das Buch von Ralf Moeller, geschrieben von Tankred Lerch, erschienen bei Gräfe und Unzer, 16,99 Euro
"Erstma´ machen! Denn auch Hinfallen ist ein Schritt nach vorn" heißt das Buch von Ralf Moeller, geschrieben von Tankred Lerch, erschienen bei Gräfe und Unzer, 16,99 Euro
© PR

Ihr neues Buch heißt "Erstma' machen!". Es ist keine richtige Biografie geworden, auch, wenn Sie viel über Recklinghausen und Ihre Erlebnisse in Hollywood erzählen. Warum nicht?

Ich wurde gefragt, ob ich nicht noch ein Sport-Buch schreiben wolle. Aber ich habe schon vor 33 Jahren ein Fitnessbuch rausgebracht und die Übungen sind gleich geblieben. Mir war das Thema Motivation wichtig, gerade jetzt in der Pandemie. Es geht um Geschichten, die Mut machen. Die zeigen, dass man nicht aufgeben soll. Wenn ich bei meinen Übungen an einem Punkt bin, an dem ich nicht mehr kann, dann mache ich genau da noch weiter. Das kann man auf das ganze Leben übertragen. Es ist wichtig, dass man nach Lösungen sucht und zwar auch bei sich, und nicht immer auf die anderen guckt. Ich will den Leuten Mut machen in Corona-Zeiten.

Ist das etwas, was Sie auch an Ihre zwei Töchter weitergeben? Wie würden Sie sich als Vater beschreiben?

Wir haben ein tolles, freundschaftliches Verhältnis, stehen mehrmals in der Woche in Kontakt. Als sie klein waren, war ich der große Wegbereiter. Ich habe sie auch schon immer mit zum Sport genommen. Aber mir ist wichtig, die auch einfach mal machen zu lassen. Eine ist Inneneinrichterin, die andere im Immobilienbusiness tätig, und ich stehe ihnen mit Rat und Tat beiseite. Aber die müssen mit ihren Boyfriends oder Jobs auch ihre eigenen Erfahrungen machen.

Im Buch schildern Sie eine Szene aus den 80ern, in der Sie sich ohne Termin mit viel Hartnäckigkeit zu einem wichtigen Hollywood-Produzenten durchquatschen konnten. Der Ihnen dann tatsächlich einen Job und Vertrag gab. Wäre das heute noch so möglich?

Keine Ahnung, ob das heute noch funktionieren würde! Ich habe damals übertrieben und behauptet, ich sei 12 Stunden geflogen, nur, um 15 Minuten mit diesem Produzenten zu sprechen. Dabei war ich sowieso vor Ort und habe ihm mehrere Tage hinterher telefoniert. Aber man darf natürlich nicht zum Stalker werden! Man muss bedenken, dass ich durch das Bodybuilding schon eine gewisse internationale Bekanntheit hatte. So etwas ist für einen Produzenten immer interessant. Aber einen Termin hatte ich nicht, den habe ich mir dann vor Ort erquatscht.

Ihr Buch soll den Leserinnen und Lesern Mut machen in der Pandemie, haben Sie gesagt. Was genau wollen Sie ihnen mitgeben?

Das Wichtigste ist eine gesunde Ernährung, das hat enorm viel mit dem Wohlbefinden zu tun. Viele werden jetzt in der Pandemie dick aus Frust. Da muss man dagegen halten und sich gut ernähren und Sport machen. Geht raus in die Natur, macht Liegestütz, fahrt Fahrrad! Das ist sehr wichtig. Man sollte nicht sofort immer die Schokoladencreme aufs Brötchen schmieren und so viel Wurst und Käse essen. Ich selbst lebe zu 80 Prozent vegan. Ich hoffe wirklich, dass die Restaurants und Fitnessstudios bald wieder aufmachen dürfen. Den Mut sollte man haben, da gibt es sehr gute Hygienekonzepte.


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