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Filmfestspiele Cannes: Michael Moore gewinnt Goldene Palme

Für seinen kritischen Dokumentarfilm über den Anti-Terror-Krieg von US-Präsident George W. Bush ist der amerikanische Regisseur Michael Moore bei den Filmfestspielen 2004 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden.

In der Nacht nach der Verleihung der Goldenen Palme hat Cannes den US-Regisseur Michael Moore und seinen Anti-Bush-Film "Fahrenheit 9/11" gefeiert wie selten einen Gewinner zuvor. Beifall, Ovationen und Bravo-Rufe begleiteten den "Störenfried" im Wahlkampf der USA, dessen politische Dokumentation sich äußerst kritisch und mit dem Moore eigenen Witz mit US-Präsident George W. Bush befasst.

Vier Amerikaner in der Jury setzten Zeichen

"Die rechtsgerichteten Medien in den USA werden sagen, dies ist ein französischer Preis", meinte Moore unter Anspielung auf die strikte Pariser Haltung gegen den US-geführten Krieg gegen Bagdad. In der neunköpfigen Jury von Cannes saßen allerdings vier Amerikaner.

Die Jury um US-Regisseur Quentin Tarantino ("Kill Bill") hat mit der Goldenen Palme für Moore ein Zeichen im US-Wahlkampfjahr gesetzt. Der Film, der in den USA noch keinen Vertrieb gefunden hat, war schon während des Festival mit Ovationen bedacht worden. Tarantino habe ihm aber gesagt, er habe die Goldene Palme nicht aus politischen Gründen erhalten, sondern weil es "ein großer Film" sei, erläuterte Moore.

Moore hat immer noch keinen US-Verleih

Moore widmete seinen Film "den Kindern Amerikas und des Iraks und all jenen in der Welt", die unter Bushs Politik litten. Er äußerte die Hoffnung, dass auch "das amerikanische Volk" den preisgekrönten Film nun bald sehen dürfe, damit "die Wahrheit ans Licht" komme.

Der deutsch-österreichische Beitrag "Die fetten Jahre sind vorbei" von Hans Weingartner ging leer aus. Insgesamt standen 19 Filme im 57. Wettbewerb an der Côte d'Azur. Ein großes Fest war Cannes für den asiatischen Film, der sechs von 19 Beiträgen im Wettbewerb hatte. Der Große Jury-Preis ging an das Rachedrama "Old boy" des Südkoreaners Park Chan-wook. Als beste Darsteller wurden der junge Japaner Yuuya Yagira aus "Nobody knows" von Hirokazu Kore-eda und die Chinesin Maggie Cheung aus dem Drogenfilm "Clean" von Olivier Assayas geehrt.

Cannes-Nebenpreis für Film aus Senegal

Der 81-jährige Senegalese Sembene Ousmane hat für den Film "Moolaadé" gegen Genitalverstümmelung bei Frauen in Afrika den Preis "Un Certain Regard" des Filmfestivals in Cannes erhalten. Dies teilte die Jury der offiziellen Festivalreihe am Samstag mit. "Moolaadé" war der einzige afrikanische Film im Festivalprogramm. Nebenpreise der Sektion "Un Certain Regard" gingen an die (deutsch mitproduzierte) Dreiecksgeschichte "Whisky" von Juan Pablo Rebella und Pablo Stoll aus Uruguay sowie an den afghanischen Film "Terres et cendres" von Atiq Rahimi.

Nach der Preisvergabe der Hauptpreise hatte als Gala-Vorstellung Irwin Winklers "De-lovely" zum Leben des amerikanischen Songschreibers Cole Porter Weltpremiere. Kevin Kline spielt den Komponisten von "Night and Day" und "In the Still of the Night", wobei auch Rock- und Pop-Größen wie Alanis Morissette, Robbie Williams und Sheryl Crow darin auftreten.

Die Gewinner der 57. Filmfestspiele in Cannes

Goldene Palme: "Fahrenheit 9/11" von Michael Moore (USA)
Großer Jurypreis: "Old Boy" von Park Chan Wook (Südkorea)
Jurypreis: Die Schauspielerin Irma P. Hall für ihre Rolle in "The Ladykillers" (USA) und Apichatpong Weerasethakul für seinen Film "Tropical Malady" (Thailand).
Beste Regie: Tony Gatlif für "Exiles" (Frankreich)
Bester Schauspieler: Yagira Yuuya (Japan) für "Nobody Knows"
Beste Schauspielerin: Maggie Cheung (China) für "Clean"
Bestes Drehbuch: Agnes Jaoui und Jean-Pierre Bacri für "Comme Une Image" (Frankreich)
Goldene Kamera: Keren Yedaya für "Or" (Frankreich/Israel)
Bester Kurzfilm: "Traffic" von Catalin Mitulescu (Rumänien)
DPA