Fernsehen "Kampfprogrammierung" zum Jahreswechsel


Volksmusiksendungen, Zoten und Wiederholungen: Zum Ende des Jahres zünden die Fernsehsender noch einmal ein Feuerwerk des schlechten Geschmacks.

Ein Hauch von "Kampfprogrammierung" durchweht das TV-Angebot zum Jahreswechsel. Am Silvestertag (20.15 Uhr) werden Volksmusik-Entertainer Karl Moik mit seinem "Silvesterstadl" in der ARD und der populäre Geiger André Rieu mit seiner "Silvester-Gala" im ZDF direkt gegeneinander antreten. Der eine (Moik) meldet sich aus Innsbruck und sendet live fünf Stunden lang, der andere (Rieu) erklingt aus der Konserve - die Aufzeichnung war am 4. Dezember in Trier - und endet um 22.15 Uhr.

Die großen Privatsender geizen am selben Abend auch nicht mit prominenten Protagonisten in ihren Shows. RTL serviert gleichfalls um 20.15 Uhr im "7 Tage - 7 Köpfe Silvesterspecial 2004" einen Rückblick auf die Höhepunkte des zurück liegenden Jahres, unter anderem mit Gaby Köster, Jochen Busse, Bernd Stelter und Mike Krüger. Für Sat.1 lädt Ottfried Fischer zu "Ottis Wiesn Hits zu Silvester", ein "Gaudi Grand Prix", wie der Sender ankündigt, jedoch noch mit Bildern vom Oktoberfest. ProSieben bringt ein "TV Total Silvester Spezial" mit Stefan Raab, Michael Herbig und Rick Kavanian.

Hits am laufenden Band

Konkurrenz liefern sich die Sender aber auch zu vorgerückter Stunde: Das Stichwort heißt "Hit". Das ZDF sendet um 22.20 Uhr "Das große Silvester-Hit-Festival" mit Dieter Thomas Heck, für Sat.1 steigt Hugo Egon Balder um 22.15 Uhr mit der Show "Die Hit Giganten - Party ohne Ende" in die Bütt. Und Ingolf Lück kredenzt, nicht passend zur Jahreszeit, bei ProSieben um 22.15 Uhr "Die 100 nervigsten Sommerhits". Die dritten ARD-Programme sind sich dagegen in einem Punkt einig: Zwischen 18.50 Uhr (WDR Fernsehen) und 19.25 Uhr (Südwest Fernsehen) startet auf allen Sendern der Klassiker "Der 90. Geburtstag" mit Freddie Frinton und May Warden.

RTL eröffnet am Neujahrstag das Sportjahr mit der Übertragung der Vierschanzentournee um 13.45 Uhr. Abends stehen fast ausschließlich Spielfilmwiederholungen auf dem Programm: Einzige Ausnahme unter den großen Sendern ist das ZDF, das um 20.15 Uhr "Das Traumschiff" in Richtung Oman auf die Reise schickt und anschließend die neue Romanverfilmung "Mein Mann und seine Mütter" bietet. In beiden Filmen spielt die als Telenovela-Protagonistin bekannt gewordene "Bianca", Tanja Wedhorn, eine wichtige Rolle. Die ARD sendet um 20.15 Uhr die Komödie "Meine Braut, ihr Vater und ich", RTL das Sandalen-Spektakel "Gladiator", Sat.1 das Melodram "Seite an Seite" und ProSieben die Satire "Die Truman Show".

Ohne Rosamunde Pilcher geht's beim ZDF nicht

Mehr Mut beweisen die Sender am 2. Januar, denn dann folgen auf vier der großen fünf Sender Filmpremieren: Die ARD schickt "Tatort"-Kommissar Bienzle (Dietz-Werner Steck) mit dem Fall "Bienzle und der Feuerteufel" ins Rennen. Das ZDF fährt mit dem Rosamunde-Pilcher-Melodram ("Vermächtnis der Liebe") seine stärkste Waffe im Quotenkampf zu Jahresbeginn auf. Um eine Erstausstrahlung im Free-TV handelt es sich auch beim Science-fiction-Film "Planet der Affen" auf RTL um 20.15 Uhr sowie bei der ProSieben-Teeniefilm-Parodie "Nicht noch ein Teenie-Film!". Filmemacher Hendrik Hey gibt nach acht Jahren ProSieben am 2. Januar bereits um 19 Uhr mit der Sendung "Welt der Wunder" seinen Einstand bei RTL II.

Sat.1 feiert um 20.15 Uhr noch einmal "Das Wunder von Lengede" in einer kürzeren, zwei Stunden und 40 Minuten langen (brutto mit Werbung) Fassung - das Ende ist dasselbe wie beim Zweiteiler, der im November 2003 fast zehn Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte.

Carsten Rave/DPA DPA

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