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Filmpremiere von "Diana": Bereit fürs Schlachtfest

Ausgerechnet ein Deutscher hat die letzten Jahre im Leben von Lady Diana verfilmt. Oliver Hirschbiegels "Diana" feiert am Abend in London Premiere. Der Regisseur ist auf das Schlimmste gefasst.

Von Carsten Heidböhmer

Naomi Watts in der Rolle der 1997 verstorbenen Lady Di

Naomi Watts in der Rolle der 1997 verstorbenen Lady Di

Auch wenn sich Deutschland gerne als Land der Dichter und Denker sieht: Kulturell mussten sich Goethes Erben im 20. Jahrhundert der geballten populären Macht von Beatles und James Bond, Punk und Pop, Monty Python und Mini-Rock geschlagen geben. Sogar die meistgelesene Autorin der Gegenwart, Joanne K. Rowling, kommt von der Insel.

Doch seit kurzem gibt es eine Gegenbewegung: Deutsche Regisseure bemächtigen sich englischer Nationalheiligtümer. Den Anfang machte Roland Emmerich, der vor einigen Jahren in seinem Film "Anonymus" die Autorschaft William Shakespeares an seinen Stücken infrage stellte. Doch damit nicht genug: Jetzt wagt sich ein German an die britische "Prinzessin der Herzen". Oliver Hirschbiegel, der in "Der Untergang" bereits Hitler bis ins Grab geleitete, hat die letzten zwei Jahre im Leben von Lady Di verfilmt. Es geht in "Diana" um ihre Beziehung zu dem pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan, aber auch ihr soziales Engagement für Landminen-Opfer wird thematisiert.

"It's just so not Diana"

Gespielt wird Prinz Charles' Ex-Frau von Hollywood-Star Naomi Watts. Noch bevor der Film öffentlich zu sehen war, haben schon erste Royalisten gemäkelt: Schlimm genug, dass die Rolle von einer Australierin bekleidet wird - aber könnte sie der echten Diana nicht wenigstens ein bisschen ähnlich sehen? Und auch Ingrid Seward, Chefredakteurin des königstreuen "Majesty Magazine", mäkelte nach Sichtung des Trailers: "It's just so not Diana" - "Es ist sowas von nicht Diana".

Gravierender ist sicherlich die Kritik von Hasnat Khan, dessen angebliche Affäre mit Di der Film thematisiert. "Der Film ist in keiner Weise gut. Er basiert auf Gerüchten und Aussagen von Dianas Freunden über eine Beziehung, über die sie nicht viel wussten", sagte der Herzchirurg der "Mail on Sunday". Dem hält Regisseur Oliver Hirschbiegel ausgiebige Recherchen entgegen. Der Film basiert auf dem 2001 erschienen Buch "Diana: Her Last Love" von Kate Snell. Außerdem sei es keine Dokumentation, sondern ein Spielfilm, da brauche man eben ein paar dramatische Szenen, sagte er dem britischen Sender "Sky News".

Hirschbiegel "auf ein Schlachtfest vorbereitet"

So sorgt der Film schon vor der Weltpremiere an diesem Donnerstagabend für viel Sprengstoff. Hirschbiegel rechnet nach eigener Aussage mit dem Schlimmsten: "Ich bin auf ein Schlachtfest vorbereitet", sagte er der "Frakfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Immerhin hält sich das Königshaus bislang bedeckt. Zur Premiere wird kein Familienmitglied erwartet. Eine gute Entscheidung: "Es wäre unglaublich schmerzhaft", sagt Monarchie-Expertin Seward. Dafür hat ein anderer alter Bekannter sein Kommen angekündigt: Mohamed Al-Fayed. Sein Sohn Dodi war Dianas letzter Geliebter und saß mit ihr in dem Auto, das am 31. August 1997 verunglückte. Al-Fayed glaubt bis heute, der MI5 stecke hinter dem Unfall.

Die Deutschen müssen sich noch eine ganze Weile gedulden. Hier soll der Film erst im Januar in die Kinos kommen. Bis dahin bleibt noch viel Zeit für Schlachtfeste und Verschwörungstheorien.