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Goldene Kamera: Hochachtung, Herr Carrell

Der schwer kranke Rudi Carrell hat für den bewegendsten Moment bei der Preisverleihung der Goldenen Kamera gesorgt. Mit seiner Dankesrede für den Ehrenpreis rührte der Showmaster das Gala-Publikum zu Tränen.

Rudi Carrell hat Krebs und Probleme mit dem Sprechen. Die Zuschauer bei der Goldenen Kamera halten inne, als der Showmaster sich bei der ZDF-Gala für den Preis für sein Lebenswerk bedanken will. Schmal sieht der 71-Jährige in seinem Smoking aus. Er reckt die Trophäe in die Höhe, dann hält er eine Rede, die nachhallen wird - der bewegendste Moment der Show, bei der Charlize Theron, Bob Geldof und Jerry Lewis für internationales Flair sorgten.

Bei seinem Abschied in "7 Tage, 7 Köpfe" (RTL) am 30. Dezember war Carrell wortlos geblieben. Bei der "Hörzu"-Preisverleihung ist seine Stimme hoch und brüchig, der Bass mit dem holländischen Akzent kaum wieder zu erkennen. Der Sarkasmus schon: "Mit dieser Stimme kann man in Deutschland immer noch Superstar werden", meint er. Dass er heute da sei, habe er seiner Krankenkasse, dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen Pharmaindustrie zu verdanken, es gehe ihm super. Mit rabenschwarzem Humor setzt er seine Ansprache fort. Am Ende zeigt sich der Niederländer angesichts des Preises und im Rückblick auf Jahrzehnte deutsches TV gerührt: "Es war eine Ehre, in diesem Land und vor diesem Publikum Fernsehen machen zu dürfen."

"In jeder Hinsicht bewegend"

Das Publikum, in dem von Heino Ferch bis Jürgen von der Lippe viel deutsche Fernsehprominenz ist, erhebt sich zum Applaus. Die Rede sei "tröstend für uns und heilsam für ihn" gewesen, bilanziert Talkmasterin Sandra Maischberger später. "Nicht larmoyant, nicht mitleidig, in jeder Hinsicht bewegend", meint ihr ARD-Kollege Reinhold Beckmann. Bei der Aftershowparty sitzt Carrell noch eine Weile mit seinem Laudator Alfred Biolek an einem VIP-Tisch zusammen.

Barbara Rudnik (47, "Die Leibwächterin") und Ulrich Noethen (46, "Die Luftbrücke") freuen sich bei der Show über die Goldene Kamera als beste deutsche Schauspieler. Charlize Theron (30, "Monster") bedankt sich auf Deutsch für ihren Preis in der internationalen Kategorie. "Das ist eine große Ehre". Die Südafrikanerin macht sich auch darüber lustig, dass es in Deutschland anders als in Amerika möglich sei, ihr nacktes Hinterteil in einem Clip auf der Leinwand zu zeigen - wie bei der Kamera-Verleihung geschehen. Anna Maria Mühe, Jahrgang 1985, wird mit einer Auszeichnung als Nachwuchsstar überrascht.

"Brangelina" nicht bei der Gala

Der Moderator der erstmals live ausgestrahlten Sendung ist wie üblich Thomas Gottschalk. Bis zuletzt brodelt die Gerüchteküche, ob Angelina Jolie und Brad Pitt bei ihrem Berlin-Besuch einen Abstecher zur ZDF- Show machen, daraus wird nichts. Vorjahrespreisträger Jerry Lewis hält nicht wie geplant eine Laudatio, sondern tritt mit einem Sketch auf. Der für ihn vorgesehene Preisträger, US-Talkmaster Larry King, habe aus Termingründen nicht kommen können, berichteten die Veranstalter.

BAP-Musiker Wolfgang Niedecken hält eine Laudatio auf Live-8- Gründer Bob Geldof, der mit ungewohnt kurzen Haaren und im edlen Tuch erscheint. "Ich habe euch im Herzen", haucht Xavier Naidoo, als er den Preis in der Kategorie "Pop National" entgegennimmt. Bester Fernsehfilm wird "Die Luftbrücke" (Sat.1). Am Rande Ungewohntes für die Berliner: Über den roten Teppich geht nicht der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der in Japan weilt, sondern sein Herausforderer von der CDU, Friedbert Pflüger.

Tim Mälzer bedankt sich mit einer frechen Rede dafür, dass ihn die "Hörzu"-Leser zum besten Fernsehkoch wählten ("Wie hat der Gottschalk gesagt? Popeliger Saal, aber tolle Leute"). Comedy-Preisträger Thomas Hermanns strahlt bei seiner Ehrung, im Publikum sitzen sichtlich gerührt sein Freund und seine Mutter. Hermanns nutzt die Gunst der Stunde und ruft schwule Jungs im Teenageralter auf, sich zu outen - und den Eltern jetzt zu sagen, warum sie lieber eine Preisverleihung gucken als Fußball. Zu Beginn erwähnt der Comedian noch sein frühes Vorbild aus "Am laufenden Band": Rudi Carrell.

Caroline Bock/DPA / DPA