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John Wayne: Der einzig wahre Revolverheld

John Wayne, Rächer aller Rechtlosen und Held zahlloser Western wäre jetzt 100 geworden. Die Hälfte seines Lebens verbrachte er vor der Kamera und konnte für einen seiner Filme sogar einen Oscar mit nach Hause nehmen.

Über drei Meter groß, mit Cowboyhut, Westernstiefeln und der Hand am Revolver thront ein bronzener John Wayne in der Eingangshalle des John Wayne-Flughafens im südkalifornischen Irvine. Einige Meilen entfernt liegt Newport Beach, wo der "Duke" die letzten Jahre vor seinem Tod im Juni 1979 verbrachte. Aus dem liberalen Hollywood hatte sich der Westernheld und patriotische Republikaner in das erzkonservative Orange County abgesetzt. Sein Geburtshaus in Winterset (Iowa) im mittleren Westen der USA ist längst zur Pilgerstätte geworden. Jährlich besuchen über 40.000 Fans das kleine weiße Holzhäuschen, acht mal so viele Schaulustige, wie das Kaff Einwohner hat.

Mit einer Wild-West-Parade, Rodeos und Cowboyliedern lässt Winterset seinen berühmten Sohn am Samstag, 26. Mai, hochleben. Genau vor hundert Jahren erblickte Amerikas männlichster Held mit dem Namen Marion Robert Morrison hier das Licht der Welt. Seinen letzten Film drehte er vor über 30 Jahren, doch der breitschultrige Hüne ist Hollywoods langlebigster Held. Bei der alljährlichen Harris-Umfrage unter US-Bürgern über deren Leinwandliebling landet John Wayne jedes Mal unter den Top Ten. Laut Guinnessbuch der Rekorde ist er der Schauspieler mit den meisten Hauptrollen. In 142 seiner 153 Spielfilme gab er als "Leading Man"- meist als Sheriff, Soldat, Offizier oder Revolverheld - den Ton an.

Waynes engster Jugendfreund war ein Terrier

Hinter der Kamera klopfte er Sprüche wie "Mut ist, wenn man Todesangst hat, und sich trotzdem in den Sattel schwingt" und "Ich bin ein altmodischer, grundanständiger, fahnenschwenkender Patriot". Als Filmstar war er unverwüstlich. Er hatte mehr Ausdauer als James Cagney und Cary Grant, die schon mit Anfang sechzig das Handtuch warfen. Er überlebte berühmte Zeitgenossen wie Errol Flynn, Gary Cooper, Humphrey Bogart und Clark Gable.

Der Sohn eines Apothekers war vier Jahre alt, als die Familie 1911 von Iowa ins ferne Kalifornien zog. Auf der Ranch seines Vater lernte er Reiten. Sein engster Freund war ein Terrier namens "Duke" (Herzog), ein Spitzname, den er selbst gerne hörte. Zunächst war er der Star eines Football-Teams, doch mit einem Schwimmunfall ging der Traum von der Sport-Karriere baden. Er jobbte als "Mädchen für alles" in Filmstudios und trat dann vor die Kamera. 1930 gab ihm Regisseur Raoul Walsh den Künstlernamen John Wayne und die erste Hauptrolle in dem Western "Der große Treck". Wayne feuerte zunächst als B-Movie-Star in zweitklassigen Western um sich, doch seine legendäre Freundschaft mit dem jungen John Ford brachte schließlich den Durchbruch. Der Regisseur holte ihn 1939 für den aufwendigen Western "Ringo - Höllenfahrt nach Santa Fé" über eine halsbrecherische Postkutschenfahrt durchs Apachenland vor die Kamera.

Kritiker warfen Wayne Kriegsverherrlichung vor

Mehr als 20 Filme schossen sie danach gemeinsam ab, darunter "Der Teufelshauptmann" (1949), "Rio Grande" (1950) "Der schwarze Falke" (1956) und "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" (1962). Neben Western drehte Wayne in den 40er Jahren auch Abenteuerfilme, wie "Haus der sieben Sünden" mit Marlene Dietrich, und Kriegsfilme ("Stahlgewitter", "Alarm im Pazifik", "Schnellboote vor Bataan"). In "Red River" machte ihn Howard Hawks zu einem mächtigen Viehbaron der mit seinem Adoptivsohn (Montgomery Clift) im Clinch liegt. In dem legendären Western "Rio Bravo" (1959) gab er Wayne die Rolle eines Kleinstadt-Sheriffs, der die Stadt gegen eine Gangsterbande verteidigt.

Seinen Stolz aufs Vaterland packte Wayne 1960 in den patriotischen Western "Alamo", den er selbst inszenierte und produzierte. Der Historienfilm über die blutige Schlacht der Texaner gegen die mexikanische Armee floppte aber an den Kinokassen und stürzte Wayne fast in den Ruin. Doch acht Jahre später wagte sich der erklärte Kommunistenhasser und Verfechter des Vietnamkriegs wieder an brisantes Material. In "Die grünen Teufel" schickt er eine Green-Beret-Einheit auf der Leinwand in den Vietnamkrieg. Die Kritiker hielten Wayne Kriegsverherrlichung und Propaganda vor.

Wayne rauchte bis zu vier Schachteln Zigaretten am Tag

Ein Jahr später stand er dann triumphierend auf der Oscar-Bühne, um seinen einzigen "Golden Mann" als bester Schauspieler in Empfang zu nehmen. Diese Trophäe hatte er sich mit der witzigen Rolle eines einäugigen und stets betrunkenen Marshals in dem Western "Der Marshal" verdient. Zu diesem Zeitpunkt litt der drei Mal verheiratete, siebenfache Vater bereits an Krebs. 1964 war ihm ein Lungenflügel entfernt worden. Der Kettenraucher gab den bis zu vier Schachteln Zigaretten am Tag die Schuld. Andere führten die Erkrankung auf die Dreharbeiten zu dem Streifen "Der Eroberer" (1956) in einem Atomwaffentestgebiet in Utah zurück. Zahlreiche Crew- Mitglieder waren ebenfalls an Krebs gestorben.

Mit fast 70 Jahren drehte Wayne seinen letzten Film, den Western "The Shootist - Der letzte Scharfschütze", in dem er einen todkranken Schützen spielt. 1979 verlor der Filmheld seinen Kampf gegen den Krebs. Er war 72 Jahre alt. Begraben ist er auf "Pacific View"-Friedhof in Newport Beach mit Blick auf den Pazifik. Ein letzter Wunsch wurde ihm allerdings verwehrt, den Grabstein mit der mexikanischen Redensart "Hässlich, stark und würdevoll" zu verzieren.

Barbara Munker/DPA / DPA