HOME

PREMIERE: »Pearl Harbor«: die Stunde der Patrioten

Mit Feuerzauber, Action und viel Schmalz haben die Disneystudios ein 320 Millionen Mark teures Epos geschaffen. Der Film feiert den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg und die »Greatest Generation«.

Die Stunde der Patrioten - Hollywood inszeniert Pearl Harbor

Mit Feuerzauber, Action und viel Schmalz haben die Disneystudios ein 320 Millionen Mark teures Epos geschaffen. Der Film feiert den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg und die »Greatest Generation« ? die letzten unbefleckten Helden der amerikanischen Geschichte

Es muss ein Tag wie dieser gewesen sein, der die Welt verändert hat. Das Meer hatte vom Himmel das strahlendste Blau geborgt und sandte es als Türkis zurück. Die Azaleen verströmten Feiertagsduft, den die Palmen freundlich verwedelten. Ein schläfriger Sonntagmorgen auf Hawaii. In den Häusern von Honolulu kochten die Wasserkessel für den Frühstückskaffee, im Radio lief Kirchenmusik, und in Pearl Harbor machten sich Matrosen der amerikanischen Pazifikflotte bereit, pünktlich um acht die Flagge zu hissen. Vielleicht haben sie noch gegähnt, es war nach einer langen Nacht mit Big-Band-Konzerten und vielen Mai-Tais in den verruchten Bars von Honolulus Hotel-Street. 140 Schiffe lagen im Hafen, darunter 29 Zerstörer. Auf der »USS Nevada« nahm die Militärkapelle Aufstellung, um »Stars and Stripes« zu spielen. Sie spielte bis zur letzten Note ? obwohl plötzlich ein japanisches Torpedoflugzeug knapp über sie hinwegfegte und um sie herum die Hölle losbrach.

Denn an diesem 7. Dezember 1941 fiel ein langer Schatten auf das Paradies. Morgens um 7.55 Uhr stachen 183 Flugzeuge der kaiserlichen japanischen Luftwaffe aus den Wolken der Wai?anae-Berge hervor und verwandelten den sonnigen Hafen in ein brüllendes Chaos aus Feuer, Rauch, Trümmern, Öl und Blut. Als dem Armee-Generalleutnant von Hawaii kurz darauf gemeldet wurde, dass gerade zwei amerikanische Kriegsschiffe versenkt worden waren, schnauzte er: »Das ist lächerlich!«

Es war nicht lächerlich. Es war bloß unglaublich. Kein einziger der 100 000 auf Hawaii stationierten Militärs hatte mit dem Angriff gerechnet, kein Krieg war erklärt, keine Warnung vernommen oder ernst genommen worden. Selbst der Offizier, dem Funker meldeten, dass um 7.02 Uhr das Radar im Norden der Hawaii-Insel Oahu eine Wolke von Flugzeugen erfasst hatte, winkte ab. Er dachte, es seien eigene. Ein 17-jähriger Matrose an Bord des Schulschiffs »USS Utah«, der um 7.55 Uhr die allererste Bombe auf Pearl Harbor fallen sah ? sie explodierte in einem Hangar auf der im Hafen gelegenen Ford-Insel ?, dachte, dass irgendein Trottel eine Übung mit scharfer Munition geflogen sei und dafür sicher Ärger bekommen würde. Etwa zehn Minuten später sank sein eigenes Schiff, von zwei Torpedos getroffen.

Was in Pearl Harbor geschah, war tragisch und peinlich zugleich ? das größte Desaster der amerikanischen Kriegsgeschichte. Binnen einer Stunde und 50 Minuten kostete es 2403 US-Bürger das Leben. Drei Viertel der in Hawaii stationierten Flotte wurden zerstört oder lahm gelegt. Noch heute, bald 60 Jahre später, empfinden Überlebende des Angriffs Zorn und tiefe Bitterkeit, wenn sie an jenen Tag zurückdenken, den der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt in der darauf folgenden Kriegserklärung griffig und pathetisch »date of infamy« nannte ? Tag der Niedertracht.

Das Erinnern fällt derzeit selbst denen nicht schwer, die gar nicht dabei waren. Man kann in den USA kaum eine Buchhandlung betreten, kaum eine Straße überqueren, ohne von Reminiszenzen an Pearl Harbor und den ? für die Amerikaner erst damit begonnenen ? Zweiten Weltkrieg geradezu überfallen zu werden.

Eine PR-Armada ist ausgeschwärmt, Dutzende Bücher zum Thema sind erschienen oder neu aufgelegt worden ? Bildbände, politische Analysen, Augenzeugenberichte und fette Konvolute, die den Verlauf des Pazifikkriegs aus Schiffslogbüchern rekonstruieren, allesamt perfekte Geschenke für Vatertag, nein: Großvatertag. Und an Bushaltestellen kleben Plakate, die aussehen wie aus den vierziger Jahren und doch Werbung sind für einen neuen Film. Ein Epos, das die Erinnerung endgültig verklärt und ein Ereignis romantisch verbrämt, bei dem junge Männer, etwa im Alter der Zuschauer-Zielgruppe, blutend und sterbend nach ihrer Mutter wimmerten. »Pearl Harbor« heißt die 145 Millionen Dollar teure Hollywood-Produktion.

Der 82-jährige Julius Finnern war eingeladen zur Premiere in Honolulu. Zu einem Großereignis, gesponsert von der Marine. Etwa fünf Millionen Dollar haben sich die Disney Studios den Spaß kosten lassen, die Heldensaga 2500 Gästen auf dem atomgetriebenen Flugzeugträger »USS Stennis« vorzuführen. Finnern hat abgewinkt. So ein Film, bei allem Respekt, was soll ihm der Neues erzählen.

Er war damals Matrose, 22, und die »USS Monaghan« sein erstes Schiff nach dem Boot Camp, der Grundausbildung. Finnern zeigt stolz ein Bild des Schiffs, als wäre es eines seiner Kinder. Er erinnert sich noch genau an jenen Morgen: Er hatte Bereitschaft, um acht sollte sie zu Ende sein, er wollte in die Kirche gehen. Er zog seine neue Uniform an, lange hatte er darauf gespart von seinen 36 Dollar im Monat; sie war »blendend weiß und saß wie angegossen«, sagt er und grinst. »Und dann konnte ich sie drei Tage lang nicht mehr ausziehen.«

Denn um 7.51 Uhr, die japanischen Angreifer nur noch vier Minuten entfernt, bekam die »Monaghan« den Befehl, auszulaufen und ihr Schwesterschiff »USS Ward« vor dem Hafen zu treffen. Die »Ward« hatte gut eine Stunde zuvor in hawaiischen Gewässern ein japanisches Mini-U-Boot ausgemacht und mit Torpedos und Wasserbomben versenkt ? der erste Kriegsakt der Amerikaner. Hätten die Befehlshaber in Oahu zu diesem Zeitpunkt sofort Alarm gegeben, wären die Gefechtsstationen besetzt gewesen, die Kriegsschiffe bereit zum Auslaufen, die Flugabwehrgeschütze und Maschinengewehre geladen, die Flieger auf den fünf Militärflugplätzen bemannt und startbereit. Die zuständigen Marine-Offiziere aber beschlossen, die Sache zunächst mal zu prüfen. Und die Armee wurde gar nicht erst informiert. Auf der »Monaghan« also wurden die Kessel geheizt, Pearl Harbor schlief weiter.

Als es um 7.58 Uhr aus Lautsprechern bläkte: »Luftangriff! Dies ist keine Übung!«, stand Finnern am Maschinengewehr und feuerte auf die nur 15 bis 20 Meter hoch über das Meer dröhnenden Torpedoflugzeuge. »Wir schossen mindestens ein Flugzeug ab«, sagt er zufrieden. Aber nur 27 japanische Maschinen wurden insgesamt getroffen ? während allein auf dem Flughafen Wheeler Field nördlich von Pearl Harbor 140 US-Kampfflugzeuge in ein paar Minuten zu Schrott bombardiert wurden. Die standen, Traumzielscheiben, Tragfläche an Tragfläche auf dem Feld statt in ihren Schutzbunkern; der Kommandeur hatte sie vor Saboteuren schützen wollen.

Später rammte die »Monaghan« ein U-Boot im Hafenbecken und versenkte es. Nach dem Angriff stach sie in See und suchte nördlich von Oahu nach den Japanern. Deren Armada ? neun Zerstörer, fünf Kreuzer, acht Tanker, drei U-Boote und sechs Flugzeugträger, bestückt mit 423 Maschinen ? war bis auf 350 Kilometer an die Insel herangekommen. Niemand hatte sie erwartet und schon gar nicht im Norden. Das Wetter, dicke Nebel, gefährliche Stürme, war im Winter für die 5600 Kilometer weite Passage von Japan nach Hawaii eigentlich zu schlecht. Die Flugzeugträger, Zukunft der Marine-Kriegführung, standen im Zentrum der »Operation Z«: Um 6.15 Uhr war die erste Angriffswelle in der Luft. Viele der Piloten hatten sich Hachimakis um die Stirn gebunden, weiße Bänder für besondere Aufgaben. Einen Fallschirm trug keiner; im Falle eines Maschinenschadens hatten die Männer den Befehl, in militärischen Anlagen aufzuschlagen. Um 6.26 Uhr ging die Sonne auf ? für die Japaner ein gutes Zeichen.

Als es wieder Nacht war, kam Finnern aus dem Maschinenraum ans dunkle Deck. Und erst da, in der schwarzen Leere des Pazifiks, auf der vergeblichen Suche nach seinen neuen Feinden, wurde ihm bewusst: Das war er also, der Krieg.

Finnern ist ein großer Mann mit schütterem weißem Haar und schnellem Lachen. Ein Seemann mit einer verwaschenen Tätowierung auf dem linken Unterarm (»Fragen Sie nicht, ich hatte einen sitzen«). 20 Jahre war er bei der Marine, acht Schlachten hat er überlebt, schwimmen kann er bis heute nicht. Kinder fragen ihn oft, ob er Angst hatte im Krieg. Er sagt nur: Adrenalin ist eine wunderbare Sache.

Ob der Krieg ihn verändert habe? Aber ja, sagt er: »Vorher war ich bereit, jedem Rock nachzulaufen. Dann war ich bereit zu kämpfen.« Wenn er in Schulen und auf Veranstaltungen über Pearl Harbor spricht, fragen seine jungen Landsleute voll Mitgefühl, ob er und seine Kameraden nach der Attacke psychologische Beratung fanden. »Herrgott, nein!«, sagt er beinahe belustigt. »Und wir brauchten auch keine!«

Finnern, konservativ bis in die Knochen, ist charmant, wie alte Seebären sein können, hartgesotten und lakonisch. Sein Großvater mütterlicherseits war preußischer Offizier, »ein gemeiner Hund«, wie er anmerkt. Vielleicht habe er von ihm die Gene geerbt. »Ich höre immer wieder: Ihr Militärs, ihr Veteranen, ihr seid so tough! Dabei sind wir Männer heute alte Knacker, und die Frauen haben lila Haare.«

»In einem Alter, in dem sie unschuldige Abenteuer und die erste Liebe erleben sollten, mussten diese Menschen kämpfen, oft Angesicht zu Angesicht mit dem Feind, unter primitivsten Bedingungen auf dem blutigen Boden Europas und auf Inseln im Südpazifik, von denen die wenigsten je gehört hatten«, schreibt der amerikanische Fernsehjournalist Tom Brokaw über Finnerns Zeitgenossen. Sein Buch, »The Greatest Generation«, wurde in Amerika zum Bestseller, sein Titel binnen kurzem zum geflügelten Wort: eine späte Ehrenbezeugung für eine Generation, die gerade deshalb so »großartig« war, weil sie nie viel Aufhebens um sich gemacht hat und um die Opfer, die ihr abverlangt wurden. Die Jugend der Depressionsjahre, der Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren, schlidderte von der Aussicht auf eine ungewisse Zukunft direkt in eine lebensgefährliche Gegenwart. Aus Bauernjungen von Iowa und Nebraska wurden G.I.s, aus G.I.s wurden Helden. Schreibt Brokaw. Unsinn, meint Finnern. »Wir haben nur unsere Arbeit gemacht.«

Die »New York Times« hingegen wittert eine wahre Welle von Heldenverehrung, später Dankbarkeit und Weltkriegs-Nostalgie: »Der große Krieg ist größer denn je.« Seit Brokaws Buch und Steven Spielbergs Soldatendrama »Saving Private Ryan«, beide von 1998, werden überall die Flaggen gehisst für Amerikas letzte Generation von Helden, die noch reinen Gewissens für höhere Werte ins Feld zogen, die keinen schmutzigen Krieg führten, denen man nicht vorwerfen konnte, sie würden für Öl kämpfen statt für Demokratie. Hollywood produziert Kriegsfilme mit Multiplex-Helden wie Bruce Willis und Nicolas Cage, Zeitzeugen schreiben sich endlich ihre Erinnerungen von der Seele, Modemacher stecken Teenager in Military-Look. Den Veteranen des Zweiten Weltkriegs haftet Glorioses an, ihrer Verehrung bereits etwas Neurotisches. Weil unsere Zeiten so undramatisch sind, behauptet der Journalist Hampton Sides, fehle die Befriedigung des Urbedürfnisses nach Extrem-Erfahrungen ? Angst, Schweiß, Adrenalin. Er schrieb ein Buch über amerikanische Kriegsgefangene in einem japanischen Lager auf den Philippinen. »Der Weltkrieg als ultimativer Extrem-Sport«, spottet die »New York Times«.

Hollywood befriedigt derweil das Urbedürfnis nach Extrem-Unterhaltung. Michael Bays Film »Pearl Harbor«, der am 7. Juni auch in unsere Kinos kommt, packt das Trauma der Nation in eine Romanze: zwei auf Hawaii stationierte Piloten (Ben Affleck und Josh Hartnett) verlieben sich in die süßeste Krankenschwester der Südsee (Kate Beckinsale). Emotionale Wucht wie in »Titanic« ist angestrebt. Wie in diesem bislang erfolgreichsten Film der Kinogeschichte entfaltet sich eine unmögliche Liebe vor einer unmöglichen Katastrophe: Die »Titanic« hätte nie sinken, Pearl Harbor nie brennen sollen. »Pearl Harbor ist die stärkste Festung der Welt, ein Angriff wäre erfolglos«, hatte noch im Mai 1941 Army-Chef General Marshall gegenüber Roosevelt getönt.

Ausgeblendet werden im Film alle politisch anrüchigen Aspekte der Geschichte. Nahm Roosevelt wissentlich die japanische Attacke in Kauf, um das Land endlich in den Krieg zu treiben? Wurden Warnungen der Geheimdienste über einen bevorstehenden Angriff nicht nur aus Überheblichkeit und Unvermögen in den Wind geschlagen, sondern aus Berechnung? »Pearl Harbor« will nicht erklären, sondern zeigen: die spektakuläre Explosion der »USS Arizona« mit 150 Meter hoher Feuersäule ? wow! Eine fallende Bombe in subjektiver Kameraperspektive ? der Zuschauer stürzt mit! Und zwei tollkühne US-Piloten, die sich wie Samurais mitten in die japanischen Geschwader hineinkatapultieren ? that?s entertainment!

Der Patriotismus folgt dem Trend zur Globalisierung, er kommt als eine Art universeller Heroismus daher, nichts soll den Export behindern. Selbst Japan hat keine Schuldzuweisungen zu erwarten: Disney sandte das Drehbuch zur Begutachtung eigens in die Filiale nach Tokio; es wurde abgesegnet.

Der Film berührt ein heikles Kapitel der amerikanisch-japanischen Beziehungen. Es gibt unter den Überlebenden von Pearl Harbor manchen, der die Japaner bis heute hasst. Der sich weigert, japanische Produkte zu kaufen. Der den Import von Toyotas grimmig ein »wirtschaftliches Pearl Harbor« nennt. Verdammt in alle Ewigkeit? Veteran Finnern sagt, er habe das Kriegsbeil begraben ? »aber der Stiel ragt noch heraus, sodass ich jederzeit danach greifen kann«.

Er lebt mit seiner deutschstämmigen Frau Inge in Milwaukee, Wisconsin, und war 37 Jahre lang Geschäftsführer der »Pearl Harbor Survivors Association«, der einflussreichsten Veteranen-Vereinigung des Landes. Ihr Motto: Amerika muss wachsam bleiben! Die Mission der heute nur noch rund 7000 Mitglieder zählenden Gruppe (Durchschnittsalter 81 Jahre) nährte den Kalten Krieg und rechtfertigt jede Aufrüstung ? sich nie wieder kalt erwischen lassen, das ist die Lektion, die der 7. Dezember sie bitter gelehrt hat.

In Honolulu, wo die Marine so präsent ist, dass die Tageszeitung »Honolulu Advertiser« ihr jede Woche ein ganzseitiges »Military Briefing« widmet, wirkt dieser mehr oder weniger unterschwellige Groll schon beinahe kurios. Denn von den rund acht Millionen Touristen, die jährlich Hawaii besuchen, kommt ein Drittel aus Japan. Der ehemalige Feind ist allgegenwärtig. Die Minibars der Hotels sind mit Sake und Instant-Misosuppen bestückt, japanische Schilder locken Kunden in die Läden, und in den Kaufhäusern sind Preise in Yen angeschrieben.

In den Strandbars von Waikiki kichern japanische Teenager in Bikinis, in den vielen Sushi-Lokalen sitzen ernsthafte japanische Ehepaare, die noch weniger miteinander reden als deutsche. Den Japanern gehören Hotels, Einkaufszentren und Häuser in den teuersten Wohnvierteln der Stadt. Der Journalist Thurston Clarke zitiert in seinem Zeitreisebericht »Pearl Harbor Ghosts« missmutige Hawaiianer: »Sie haben uns nicht erobern können, also kaufen sie uns.« Und: »Was sie mit ihren Bomben nicht geschafft haben, erledigen sie jetzt mit ihren Yen.«

Der Pearl-Harbor-Veteran Raymond Emory, 80, wohnt in einer wunderschönen Gegend hinter dem Diamond Head, einem Felsvorsprung am Ende von Waikiki. Links und rechts von ihm leben Japaner. »Nehme ich ihnen Pearl Harbor übel? Aber nein«, sagt er und verschränkt die Arme über der Brust. »Diese beiden können ja nichts dafür. Wir kommen gut miteinander aus, wir tauschen Mangos und Bananen, und ich nehme ihnen manchmal den Mülleimer mit rein, ich habe ja Zeit.« Er steht im Garten seines Hauses, auch er ein großer Mann mit massigem Schädel; Hollywood ließe ihn einen Admiral spielen. Er sagt eine Weile nichts, blickt auf die Mauer zum Nachbargrundstück und murmelt dann, beinahe für sich: »Es ist nur die Art, wie sie es gemacht haben. Ein Messer in den Rücken...«

Er war damals an Bord der »USS Honolulu«, gegenüber lag eine Reihe von Schlachtschiffen, das Hauptziel der Japaner. Er las Zeitung, als es losging. Emory ist kein Mann, der die Zeitung in die Ecke pfeffert, wenn er Detonationen hört. Er faltete sie zusammen. Als er an Deck kam, blickte er geradewegs in die rote Sonne auf der Tragfläche eines japanischen »Zero«-Bombers. Mit dem Hammer brach er die Munitionskiste für die Maschinengewehre auf und fing an zu schießen. Er konnte ihre Gesichter sehen. Erst als die Angreifer um 9.45 Uhr abdrehten, nahm er wahr, was um ihn herum geschehen war.

Überall Rauch und Feuer, sechs der acht Schlachtschiffe versenkt, im Hafen schwammen und brannten mindestens elf Millionen Liter Öl. Viele Männer waren so schlimm verbrannt, dass sich das Fleisch von den Knochen schälte. Auf Hausdächern und in den Bäumen lagen Körperteile. Im Krankenhaus sortierten überforderte Ärzte die hoffnungslosen Fälle aus. Blutspenden wurden in Cola-Flaschen abgefüllt, niemand war für den Notfall vorbereitet. Herrschte Panik? Nein, sagt Emory irritiert. »Es war ein organisiertes Durcheinander. Wir wussten, was wir zu tun hatten.« Er hat sich die Organisation des Durcheinanders zur Lebensaufgabe gemacht: In seinem Computer ist der minutiöse Ablauf des Angriffs gespeichert (Emory kann die Namen aller Schiffe, die damals im Hafen lagen, auswendig), dazu Listen der gefallenen Seeleute, ihr Dienstgrad, ihr Alter, ihr Heimatort. Emory ist besessen von Pearl Harbor ? und zornig darüber, dass die Geister von damals manchmal mächtiger sind als die Fakten.

Die Sache mit Dorie Miller zum Beispiel. Der schwarze Matrose arbeitete in der Kombüse (höhere Dienstgrade waren Schwarzen verwehrt). Von ihm heißt es, er habe seinem Kapitän das Leben gerettet und mehrere Flugzeuge abgeschossen; er wurde, wie 26 andere, mit dem Tapferkeitsorden ausgezeichnet. Nicht einen einzigen Treffer habe er gelandet, sagt Emory. Auch im Film wird Dorie Miller, gespielt von Cuba Gooding Jr., zum Helden ? getreu der Hollywood-Devise: Wenn du die Wahl hast zwischen der Wahrheit und der Legende, zeig die Legende.

»Was die Marine angeht, so haben wir nicht viel verloren in Pearl Harbor«, sagt Emory nüchtern. »Viele Schiffe waren alt und langsam. Und zur Enttäuschung der Japaner befand sich kein einziger Flugzeugträger im Hafen. Außerdem blieben die Werften und Tankanlagen unbeschädigt, sodass wir schnell reparieren und auslaufen konnten. Und Junge, wollten wir schnell raus und ihnen hinterher.«

Im Hafen von Pearl Harbor steht seit 1962 ein Denkmal. Finanziert wurde es aus öffentlichen Geldern und Spenden; unter anderem gab Elvis ein Benefizkonzert. In kleinen Aussichtsbooten tuckern anderthalb Millionen Besucher jährlich zu einem weißen, etwa 60 Meter langen Kubus, der querschiff über das versunkene Wrack der »USS Arizona« gebaut ist. Auf der Fahrt gibt es vom Band Präsident Bush zu hören, den alten, der zur Versöhnung ruft und doch zum Gedenken mahnt. Die Stimmung an Bord ist meist gedämpft, schon weil die Jungs in Weiß, die einen rüberfahren, darum bitten.

Auf dem Denkmal darf nicht laut geredet und nicht gelacht werden. Denn es ist ein Friedhof. Im Wasser sieht man die mit bunten Schwämmen bewachsene, rostige Reling, und durch die aufgerissene Schiffshaut erkennt man Reste von Gefechtstürmen, über die tropische Fische flitzen. Eine 180-Kilo-Bombe hatte das Deck der »Arizona« durchschlagen, etwa 15 Minuten nachdem die ersten japanischen Flugzeuge über den Hafen röhrten. Sie detonierte in einer Munitionskammer, in der 450 Tonnen Sprengstoff lagerten. Die Explosion war so gewaltig, dass vom Kapitän nur sein Ring übrig blieb und es Männer von benachbarten Decks fegte. In weniger als neun Minuten ging das Schiff unter ? und mit ihm 1177 Mann Besatzung.

Die Park Ranger, die das Denkmal betreuen, werden manchmal gefragt, wie oft Leichen nach oben treiben. Denn 1102 Mann sind noch immer dort unten. In den vierziger Jahren hat man einige Tote geborgen, aber der Versuch wurde aus Pietätsgründen wieder eingestellt. Von Männern, die im Wasser liegen, ist schon nach einem Jahr nicht mehr viel übrig.

Das Einzige, was die »Arizona« freigibt, ist Öl. Fünf Unzen jeden Tag, ökologisch nicht weiter tragisch, meint die Marine. Alle paar Sekunden steigen Tropfen an die Wasseroberfläche, wo sie sich öffnen wie schwarze Nelken. Sie blutet, sagen die Park Ranger.

Keiner weiß, wie lange noch. Aber es werden japanische Touristen sein, die den letzten Tropfen fotografieren.

CHRONOLOGIE:

1939

1. September: Deutschland greift Polen an.

1940

10. Mai: Deutschland beginnt den Feldzug im Westen.

27. September: Japan tritt dem Bündnis von Deutschland und Italien bei, die USA reagieren mit einem Embargo.

1941

22. Juni: Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten auf die Sowjetunion

26. November: Japanische Flugzeugträger laufen Richtung Hawaii aus.

7. Dezember: Um 7.55 Uhr greifen japanische Flugzeuge Pearl Harbor an.

8. Dezember: Die USA erklären ihren Eintritt in den Krieg.

1944

6. Juni: Landung der Alliierten in der

Normandie

1945

7. Mai: Kapitulation Deutschlands.

6. August: Amerikaner werfen die erste Atombombe auf Hiroshima (die zweite wurde zwei Tage später auf Nagasaki abgeworfen).

2. September: Kapitulation Japans

Ich bin Freiberufler und werde diskreditiert!
Ich habe als Freiberufler für eine Firma gearbeitet wo bis zur letzten Minute alles super in Ordnung war. Der nächste Auftrag stand für einen Sonntag und der wurde mir ohne Begründung entzogen ohne Angaben von Gründe und das zwölf Stunden vor Antritt. Nun gut Gespräch mit der Leitung hat ergeben das eine leitende Person ein Statement abgeben hat über die Verkaufs Menge bzw Umsatz. Damit muss ich leben an diesem Tag war nicht los. Habe mich dann bei einer anderen Promotion Agentur beworben und heute ein Gespräch gehabt mit Vorführung meiner Kenntnisse. Bei dieser Präsentation wurde die mir zur Seite gestellte BC während dem Gespräch informiert von Mitarbeitern der anderen Agentur das ich nicht zu gebrauchen wäre und sogar sehr unfreundlich meinen Job verrichten. Aus diesem Grund bin ich dann nicht genommen worden. Als ich Zuhause war habe ich die alte Agentur zur Rede gestellt was das für eine Vorgehensweise wäre dort wurde ich von der Leitung mehr oder weniger kalt gestellt mit den Worten das wäre in der Branche normal man könnte nicht dulden mich dort im Store arbeiten zu lassen das wäre nicht gut für die eigene Mannschaft. Also folgender Problem ergibt sich nun. Da ich in Düsseldorf zuhause bin und dort auch meine Tätigkeit ausübe werde ich in allen Stores nun keine Aufträge mehr erhalten wenn es dieser Agentur gestattet ist ohne ein klärendes Gespräch meinen Ruf zu beschädigen. Bitte um Hilfe da meine LebensGrundlage mir gerade dadurch entzogen wird. Ich glaube es hat etwas damit zutun das ich homosexuelle bin und einer Dame das nicht passt.