HOME

Programmpressekonferenz 2005: RTL setzt auf mehr Eigenproduktionen

Die neue RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt will ihren Sender wieder zu alter Stärke führen. Dazu setzt sie verstärkt auf Eigenproduktionen im Film- und Serienbereich.

Von Carsten Heidböhmer

Alle Augen richteten sich auf eine Frau. Doch nicht etwa auf Angela Merkel: Es war die neue RTL-Chefin, die mit Spannung erwartet wurde. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz von RTL, Vox, Super RTL und n-tv präsentierte Anke Schäferkordt erstmals das Programm ihres neuen Senders. Ab dem 1. September wird sie von Gerhard Zeiler den Posten als RTL-Geschäftsführerin übernehmen. Bei der Veranstaltung in dem noblen Hamburger Vorort Blankenese kündigte Schäferkordt eine Fülle neuer Formate an. Nach einer längeren Zeit des Stillstands soll es bei RTL wieder vermehrt Eigenproduktion im Film- und Serienbereich geben. "Der Sender ist und bleibt die erste Adresse für eigenproduzierte Fiction", sagte die designierte RTL-Chefin.

Von einer Kurskorrektur nach dem kurzen Gastspiel von Marc Conrad als Geschäftsführer wollte Schäferkordt aber nichts wissen. Gegenüber stern.de sagte sie: "Wir wollen die Positionierung von RTL genauso erhalten, wie sie ist: Ansprache einer breiten Zielgruppe, Fernsehen für die ganze Familie in allen relevanten Genres, da wird sich überhaupt nichts dran ändern. Wir werden das ein oder andere neue Format einführen. Das ist aber keine Neuausrichtung."

Die Flut soll's richten

Wie die Elbflut Gerhard Schröder im Wahlkampf 2002 entscheidende Prozente brachte, so will auch RTL vom Hochwasser profitieren. Als größtes TV-Ereignis im Herbst soll die aufwendige Verfilmung der Hamburger Sturmflut von 1962 gezeigt werden - mit einem beachtlichen deutschen Staraufgebot, darunter Benno Fürmann, Jan Josef Liefers, Heiner Lauterbach und Nadja Uhl. Nachdem bereits Sat 1 mit Verfilmungen historischer Begebenheiten punkten konnte ("Das Wunder von Lengede", "Der Tunnel"), will auch der Kölner Sender auf diesen Trend aufspringen.

Unter den neuen Serien hob Schäferkordt "Die Familienanwältin" mit Mariele Millowitsch und "Die Gerichtsmedizinerin" besonder hervor, die erste Kriminalserie mit Lisa Fitz in der Hauptrolle. Große Hoffnungen setzt man auch auf die dritte Staffel des Talentwettbewerbs "Deutschland sucht den Superstar". Mit neuem Moderatoren-Duo und einer runderneuerten Jury - nur Dieter Bohlen ist von den ersten beiden Staffeln noch übrig geblieben. Bislang haben sich 12.000 Jugendliche für den dritten Durchgang beworben, die Castings laufen bereits.

Ungewisse Zukunft des "Dschungelcamps"

Im Bereich Show wird Günther Jauch ein weiteres Format ausprobieren: "Typisch Mann, typisch Frau!" soll auf amüsante Weise die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern untersuchen. Natürlich wird die Quizshow "Wer wird Millionär?" weiter gehen; im September startet mit der 500. Ausgabe eine neue Staffel. Geplant sind auch neue Folgen von Hape Kerkelings Reihe "Hape trifft". Ob und wann die Dschungelshow "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" fortgesetzt wird, ließ Schäferkordt offen. Als weiteren Schwerpunkt kündigte sie "serviceorientierte Coachingformate" wie "Unsere erste gemeinsame Wohnung" an. Neu im Programm ist auch die Verkupplungs-Serie "Bauer sucht Frau". Darin suchen einsame Landwirte die Liebe fürs Leben.

Der Sport bei RTL ist traditionell von der Formel 1 dominiert. Daneben wird im WM-Jahr 2006 auch König Fußball einen größeren Raum einnehmen. Der Privatsender überträgt insgesamt acht WM-Spiele live. Außerdem wird es während der Weltmeisterschaft jeden Sonntag einen Fußball-Brunch geben, Günther Jauch moderiert, als Experten konnten unter anderem Rudi Völler und Reiner Calmund gewonnen werden.

Neues Hollywood-Filmpaket

Im Rahmen der Programmpressekonferenz gab der Sender den Erwerb eines Spielfilmpakets vom US-Konzern NBC Universal bekannt, das unter anderem die neue Kinoversion von "King Kong", den Actionreißer "Van Helsing" und "Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns" beinhaltet. Zu den Kino-Höhepunkten für die kommende Saison gehören Hollywood-Produktionen wie "Harry Potter und der Stein der Weisen" und "James Bond: Stirb an einem anderen Tag".

Die geplante Übernahme des Konkurrenten ProSiebenSat.1 durch den Verlag Axel Springer wollte Schäferkordt nicht kommentieren. "Wir freuen uns auf den Wettbewerb." Gleichzeitig bekräftigte die RTL-Chefin das Ziel, weiter zu wachsen und den Marktanteil bald wieder auf die "alte Flughöhe" von rund 17 Prozent zu bringen.

Neue Serien auf Vox

Auf Wachstum sind auch die kleineren zur RTL-Gruppe gehörenden Sender ausgerichtet. Vox wird Serien wie "CSI New York", "Dance - Der Traum vom Ruhm", "McLeods Töchter", "Everwood" und "Boston Legal" in deutscher Erstausstrahlung ins Programm nehmen. Beim Nachrichtensender n-tv hält die Lebensart Einzug: Ex-"Frontal"-Moderator Ulrich Kienzle präsentiert das Weinmagazin "Vinum". Doch auch harter politischer Talk hat hier weiter seinen festen Platz. So bekommt Christoph Keese, Chefredakteur der "Welt am Sonntag", seine eigene Talk-Sendung "Das Forum". Super RTL begleitet die RTL-Superstar-Suche mit einem eigenen Magazin.

Auch wenn die großen Innovationen noch nicht erkennbar sind - zumindest bei der Präsentation hat Anke Schäferkordt eine hervorragende Figur gemacht. Eine persönliche Note will sie in dem neuen Programm aber nicht erkennen: "Es geht nicht darum, dass meine persönliche Handschrift zu sehen ist. Das Programm soll allen gefallen", bekannte sie gegenüber stern.de. Ob dieses Ziel aufgeht, wird man schon bald an den Quoten abmessen können.