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Ausstellung Tutanchamun: In der Gruft des Pharaos

Eine großartige Ausstellung in München zeigt den kostbarsten Schatz der Welt, die Grabbeigaben für den legendären Tutanchamun - so wie sie ihr Entdecker im Jahr 1922 fand. Möglich wird das einzig und allein durch Replikate, doch die wirken täuschend echt.

Von Horst Güntheroth

Auf dem Kairoer Flughafen Heliopolis herrschte helle Aufregung. Denn als sich die Zöllner die unscheinbare Holzkiste vorknöpften, die nach Europa gehen sollte, entdeckten sie unter dem Verpackungsmaterial Unglaubliches. Es funkelte golden. Zum Vorschein kam, was aussah wie das Nationalheiligtum, das wohl wertvollste Kunstwerk des Landes - die Maske des Tutanchamun. Die echte? Ein dreister Entführungs-Coup ohnegleichen? Oder irgendein anderes krummes Ding?

"Wir haben versucht, die Männer zu beruhigen, und erklärt, dass alles in Ordnung ist, es sich nur um eine Kopie handelt und ihnen die Rechnung des Künstlers gezeigt", erzählt Wulf Kohl. "Doch die glaubten uns kein Wort. Die Reproduktion war einfach zu gut." Vielleicht war alles auch nur eine Show, um ordentlich Bakschisch zu ergattern. Drei Tage wurde die Sendung festgehalten. Schließlich rief einer der Zöllner im Kairoer Museum an. Erst als man dort versicherte, das Original stehe noch unversehrt am Platz, durfte die Kiste samt Inhalt ausreisen.

Wulf Kohl ist ein konfliktbewährter Mann - und Erfinder eines großartigen Projektes. Seit 20 Jahren lebt der deutsche Designer, Messebauer und Dekorateur in Kairo. "Die Idee kam mir vor sechs Jahren, als ich mir bei einem Filmausstatter ein paar Lampen für Fotoaufnahmen ausleihen wollte. Da sah ich im Fundus dieser Firma tolle Sachen rumstehen, alles Kopien von Antiquitäten und archäologischen Schätzen des Landes." So reifte in ihm die Vision, auf diese Weise den Sensationsfund der Archäologie nachzubauen, das mit Schätzen überladene Grab des Pharaos Tutanchamun - und zwar so, wie es sein Entdecker 1922 vorfand.

Die Sponsorensuche

Kohl bekam heraus, welche Werkstätten in Kairo die besten Kopien herstellen, besorgte Fotobücher, alte Pläne und inspizierte immer wieder mit dem Zollstock in der Hand unter den Augen der genervten Wächter die Ausstellungsstücke im Museum, von denen keinerlei Abdrücke genommen werden dürfen. Dann investierte er ein paar Tausend Euro, ließ einige Probereplikate fertigen und wandte sich an einen Freund in Hamburg. Der war sofort begeistert, jetzt suchten beide nach Sponsoren. Die Bayreuther Semmel Concerts GmbH biss an, ein Unternehmen, das sonst vor allem Konzerttourneen veranstaltet.

Nachdem auch Zahi Hawass, Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, keine Einwände gegen das Projekt hatte, startete die Herstellung von mehr als 1000 Teilen in Kairo, maßgerecht und detailgetreu. In mühseliger Arbeit fertigten Handwerker in winzigen Werkstätten täuschend echt aussehende Nachbildungen. Nicht immer klappte alles auf Anhieb. "Oft haben wir Arbeiten nicht abgenommen, weil etwas nicht stimmte. Es passierte schon mal, dass die Perspektiven der Fotos nicht richtig ins Dreidimensionale übertragen oder zwei linke Schuhe gefertigt wurden", erzählt Kohl. Zudem sorgte die strenge wissenschaftliche Endkontrolle von deutschen Ägyptologen für manchen Rücklauf. Und dann immer wieder der Zoll. Der öffnete etwa die Mumien-Dublette, um nachzugucken, ob sie nicht vielleicht ein Versteck für Schmuggelware war. Doch entdeckt wurde nur Styropor.

Das Ergebnis all dieses Aufwandes ist eine großartige Schau, eine faszinierende Inszenierung. Produktionskosten: fünf Millionen Euro. Ab dem 9. April ist "Tutanchamun - sein Grab und die Schätze" hierzulande zu sehen. Zunächst in München, dort werden die zahlreichen Einzelstücke auf mehr als 4000 Quadratmetern in der Event-Arena im ehemaligen Olympia- Radstadion zu bestaunen sein. Im Oktober geht die Ausstellung nach Hamburg und dann im Frühjahr nach Berlin.

Zeitreise in die Vergangenheit

So wie hier kann man diese Kostbarkeiten nirgends auf der Welt sehen. Denn die Originale lagern vor allem im Kairoer Museum - und vieles davon nur verpackt in Kellern. Andere Stücke sind in Museen und Privatbesitz rund um die Welt verstreut. In der neuen Ausstellung werden die wichtigsten Teile nun zusammengeführt und die Besucher mitgenommen auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Die Schätze des toten Pharaos kommen zurück in die rekonstruierten Grabkammern und werden im Dämmerlicht präsentiert wie zum Zeitpunkt ihres Fundes. Alles unterstützt durch modernste Multimediatechnik: Audioguides schildern die historische Stunde der Entdeckung, Lichtspots illuminieren synchron zum Erzählten Einzelaspekte der Szenerie.

Neben dem Gruftgewusel, von dem wichtige Teile anschließend noch ein zweites Mal gesondert und in aller Pracht zu bewundern sind, gibt es ein weiteres Highlight: Die Aussteller öffnen die aufwendig konstruierten Behälter für die Leiche des Pharaos, entblättern Hülle für Hülle die zahlreichen Schreine und reich verzierten Särge und stellen sie wie die Teile einer russischen Matrjoschka-Puppe nebeneinander. Bis zum Schluss die Mumie mit der berühmten Goldmaske zum Vorschein kommt und vor dem Betrachter liegt. Lehrreiche Unterhaltung vom Feinsten.

Bei diesem einzigartigen Arrangement ist nichts echt, es gibt ausschließlich Replikate. Allerdings sehr gute. Aus Polyester und anderen Kunststoffen hergestellt, oft mit Blattgold überzogen, aber so perfekt gearbeitet, dass der Laie sie kaum von den Originalen unterscheiden kann. Sogar die Zunft der Ägyptologen urteilt positiv.

Die Originale wären so nie zu sehen

Mit den authentischen Stücken wären diese Inszenierungen unmöglich, weil sie nie gemeinsam Ägypten verlassen werden. Und selbst wenn sie es könnten - die Versicherungsprämien dafür wären unbezahlbar. Bereits der Wert der Goldmaske des Pharaos beträgt sechs Milliarden US-Dollar. Zu alledem hat die Repro-Show einen weiteren Vorteil: Weder schützende Vitrinen noch andere Sicherheitskonstruktionen sind nötig, hier gibt es Tutanchamun zum Anfassen.

Während der Vorbereitung zur Ausstellung kamen immer wieder Ideen auf, die Präsentation mit ägyptischem Brimborium aufzupeppen, etwa einer Sphinx als Blickfang vorm Eingang. Doch dagegen wehrten sich die Initiatoren massiv. "Wir wollten weder Disneyland noch Pseudokitsch", sagt Rainer Verbizh, Architekt und Szenograf des Projektes. "Wir legen großen Wert auf Authentizität, wollen unbedingt wissenschaftlich korrekt sein. Aber nicht trocken, wir wollen Wissenschaft als Abenteuer zeigen."

Ein Abenteuer war auch die Entdeckung der Schätze - ein Krimi der Altertumsforschung. Vor mehr als 80 Jahren suchte der britische Archäologe Howard Carter im Tal der Könige bei der oberägyptischen Stadt Luxor nach der Ruhestätte eines Pharaos namens Tutanchamun, von dem es damals nur dürftige Zeugnisse gab. Nach Carters Überzeugung musste sein Grab hier irgendwo verborgen liegen - obwohl es dort scheinbar nichts mehr zu holen gab. Jeder Stein des Terrains war umgedreht worden, lange vor ihm hatten Ägyptologen Dutzende in den Berg gehauene Königsgruften freigelegt. Doch Carter ließ seine Leute den Schutt der Mondlandschaft durchwühlen, den die Ausgräber hinterlassen hatten. Ebenso unverdrossen wie erfolglos, jahrelang. Nur mit größter Mühe gelang es ihm, seinen entmutigten Geldgeber, den reichen englischen Aristokraten Lord Carnarvon, zu überreden, die Plackerei weiter zu finanzieren. Der bewilligte eine allerletzte Saison. Ein Riesenglück.

Langes Warten

Am 4. November 1922 entdeckt ein Arbeiter unterm Kalksteingeröll eine Stufe. Man fängt an zu graben. Schon bald kommt eine Treppe zum Vorschein, die in den Berg führt, an ihrem Fuß erscheint eine Mauer. Carter stößt ein Loch hinein und erblickt dahinter einen Gang voller Geröll und Stein. Er schickt ein Telegramm nach England und wartet ungeduldig, bis Lord Carnarvon eintrifft - nach über zwei Wochen. Dann wird die Wand aufgebrochen, der Schutt beiseitegeräumt. Am Ende des Gangs stehen sie erneut vor einer zugemauerten Tür.

Carter schlägt auch hier eine Öffnung und kann kaum glauben, was er da im Licht der angezündeten Kerze erblickt. Er verstummt. "Können Sie etwas sehen?", fragt ängstlich Lord Carnarvon. "Ja, wunderbare Dinge", stammelt der andere, vollends verzückt. Golden funkelt es. Eine Kammer, gefüllt mit Schätzen bis unter die Decke. Da stapeln sich Diademe und Statuen, Kisten und Körbe, Liegen und Tische, Vasen und Streitwagen.

Später finden die Ausgräber im angrenzenden Raum einen vergoldeten hölzernen Schrein, darinnen drei weitere solche Hüllen. Es folgt ein Sarkophag, aus gelbem Quarzit gehauen, seine 600 Kilo schwere Deckplatte ist nur mit einem Flaschenzug zu heben. Zum Vorschein kommen in ihm drei ineinandergeschachtelte und üppig verzierte Särge, der innerste aus massivem Gold. Er birgt die in Leinen gewickelte, mit einer Goldmaske geschmückte Mumie des Pharaos, gestorben vor 3300 Jahren.

Tutanchamun wird zum Superstar

Die Sensation ist perfekt. In Ägypten, Europa und Übersee feiert man den Fund als die bedeutendste archäologische Entdeckung aller Zeiten. Das Grab wird zum Wallfahrtsort. Journalisten und Touristen harren bei sengender Hitze tagelang aus und warten, dass Neues aus der Gruft herausgetragen wird. Menschen in der ganzen Welt sind hingerissen, Tutanchamun wird zum Superstar, dem besondere Magie angedichtet wird. So macht das Wort vom "Fluch des Pharao" schnell die Runde, nachdem am Tag der Graböffnung eine Kobra den Kanarienvogel von Lord Carnarvon getötet hat - und der Lord selbst kurz danach stirbt. Er schneidet beim Rasieren einen Moskitostich auf und bekommt eine Blutvergiftung.

"Nie zuvor und danach wurde ein anderes Königsgrab entdeckt, das mit solch einer Fülle von sakralen und alltäglichen Gegenständen für die Reise ins Jenseits erhalten geblieben ist", sagt Renate Germer vom Ägyptologischen Institut der Uni Hamburg. Carter und seine Mannschaft brauchten allein zehn Jahre, um ihren Schatz zu katalogisieren und zu bergen. Ihre Arbeit lieferte Erforschern der alten Kultur eine ganze Reihe wertvoller Erkenntnisse über das Leben des Beigesetzten. Auch die bekommt der Besucher der Ausstellung präsentiert: Schautafeln, Filme und Texte bei den Exponaten erzählen vom Wirken und offenbar tragischen Ende des Pharaos.

Denn Tutanchamun bleibt bis heute eine zu großen Teilen rätselhafte Figur. Nicht sicher geklärt etwa ist seine Abstammung; einige Ägyptologen glauben, dass er ein Sohn des legendären Königs Amenophis IV., der sich später Echnaton nannte, und seiner Gattin Nofretete war. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass ihn Echnaton mit seiner Nebenfrau Kija zeugte.

Das Reduzieren des Überirdischen

Um 1342 vor Christus wird der Nachfahre geboren, in ein wohlhabendes bäuerliches Land. Die Bevölkerung allerdings steht unter Schock. Denn der Vater hat das Weltreich Ägypten in eine Kulturrevolution gestürzt. Jahrtausendelang hatten die Menschen am Nil eine ganze Reihe von Göttern verehrt, allen voran "Amun", "der im unsichtbaren Lufthauch Wirkende". Seine Tempel aber waren zu großen Wirtschaftszentren verkommen, die Priester übermächtig geworden. Amenophis IV. schaffte kurzerhand die existierenden Überirdischen ab und verfügte: Die einzige Gottheit heißt ab nun "Aton", die Sonne, der Quell allen Seins. Gleichzeitig verordnete der Despot dem Land eine neue Hauptstadt, ein irdisches Zuhause des Sonnengottes. Knapp 300 Kilometer nördlich des alten Zentrums Theben wurde in Eile "Achetaton" - zu Deutsch: "Horizont des Aton" - aus dem staubigen Boden gestampft. Der König nannte sich nun Echnaton, "dem Aton wohlgefällig".

Tutanchamun, der damals noch Tutenchaton heißt, verlebt zunächst sorgenlose Jahre am Hof. Doch schon bald stirbt der Vater. Daraufhin regiert ein Nachfolger - vermutlich ein weiterer Sohn Echnatons. Als auch der das Zeitliche segnet, muss Tutenchaton ran. Gerade mal acht oder neun Jahre ist er alt. Der junge Pharao wird mit einer von Nofretetes Töchtern verheiratet; Ehen mit nahen Verwandten sind damals in Herrschergeschlechtern nicht ungewöhnlich. Vermutlich haben die beiden Kinder. In einer Kammer des Grabes nämlich entdeckte Carter die Mumien von zwei zu früh und tot geborenen Säuglingen. Ein DNA-Test soll nun bestätigen, dass der nebenan Ruhende wirklich der Vater der beiden Mädchen war.

Harte Fakten über Tutenchatons Regentschaft sind spärlich. Die politische Bedeutung des Königs jedenfalls, da sind sich die Ägyptologen einig, entspricht keineswegs seiner Popularität, die er posthum durch die Entdeckung seiner Gruft bekam. Wohl schon aufgrund seines Alters fehlt es an imposanten Taten.

Zurück zur traditionellen Kultur

Seine Hauptleistung ist die Konterrevolution. Er nimmt alles zurück, was der Vater verändert hat, siedelt wieder in der alten Hauptstadt Theben und reinstalliert die traditionelle Amun-Kultur. Es kehrt Ruhe im Alltag der Ägypter ein, der König nennt sich nun Tutanchamun, "der dem Amun Dienende". Die Fäden bei alledem, so glauben die Ägyptologen, hat allerdings in Wirklichkeit gar nicht der Pubertierende selbst in der Hand, hohe Beamte im Staat sind die wahren Entscheider, der Kinderkönig ist ihre Marionette.

Nur neun oder zehn Jahre lang ist Tutanchamun im Amt - dann verschwindet er von der Bildfläche. Die Untersuchung der Mumie zeigte, dass der Pharao bereits nicht mal 20-jährig gestorben sein muss. Offenbar überraschend, denn sein Grab war sehr viel kleiner als für einen Herrscher seiner Dynastie üblich - wohl eilends hergerichtet. Dieser frühe und schnelle Tod ließ bei einigen Altertumsforschern sofort Mordfantasien blühen: Griff etwa jemand aus der Führungsriege nach der Macht und räumte den jungen König heimtückisch beiseite? Ganze Bücher entstanden, um ein gewaltsames Ende Tutanchamuns auszuspinnen.

Eine Röntgenuntersuchung des Schädels, 1968 von Ronald G. Harrison von der Universität in Liverpool durchgeführt, bestärkte die Verschwörungstheoretiker. Der Anatomieprofessor entdeckte einen Knochensplitter im Schädelraum. Allerdings hätte der Schaden auch bei der Mumifizierung entstanden sein können, etwa durch unfachmännischen Gebrauch der Haken, mit denen die Balsamierer das Hirn durch die Nase zogen. Möglicherweise aber ist der Splitter bei einem gewaltigen Schlag auf den Hinterkopf abgeplatzt. Zudem waren die Spuren eines Hämatoms hinten am Schädel unübersehbar. Harrison ließ sich jedoch auf keine eindeutige Mordaussage festlegen.

Neue Untersuchungsergebnisse

2005 nun nahm man sich die Mumie erneut vor - mit einem hochauflösenden Computertomografen. Ein mobiles Gerät wurde ins Tal der Könige gefahren und der im Grab verbliebene verdörrte Leichnam aus der Gruft geholt. Der Züricher Experte Frank Rühli gehörte zum Forscherteam, das die 1700 Aufnahmen begutachtete. "Die Bilder zeigen uns, dass ein Schlag auf den Hinterkopf als Todesursache unwahrscheinlich ist", berichtet er. "Die Knochensplitter sind nämlich ganz eindeutig erst nach dem Tod entstanden. Hätten sie sich zu Lebzeiten gebildet, müssten sie in der Einbalsamierungsflüssigkeit in der leeren Schädelhöhle eingeschlossen sein."

Damit war eine Mordgeschichte vom Tisch, doch warum und woran der Pharao so früh verstarb, bleibt weiterhin ein Rätsel. Immerhin entdeckte man einen Bruch des linken Oberschenkels und zwischen den Knochenkanten Balsamierungsharz. Die Fraktur war demnach nie verheilt, also möglicherweise einige Tage vor dem Tod entstanden. Zudem lag die Kniescheibe lose am Skelett. Ein Sturz vom Pferd? Ein Jagdunfall? Ein Schwerthieb? Es darf weiter spekuliert werden.

Bis eines Tages Wissenschaftler sich der Innereien des Königs annehmen, die in den Kanopengefäßen der Mumie mit ins Grab gegeben und von Carter geborgen wurden - sie werden im Museum in Kairo aufbewahrt. Ihr Inhalt wurde bislang noch nie untersucht. "Wenn man mit mikrobiologischen Methoden Speisereste im Darm analysieren würde, könnte man gewiss viel entdecken und beispielsweise einmal gucken, ob nicht vielleicht Gift bei Tutanchamuns Ende im Spiel war", sagt Renate Germer. Doch das lässt die ägyptische Altertümerverwaltung - noch - nicht zu.

Weitere Kopien

Derweil herrscht in der Nachbarschaft der Kairoer Behörde wieder Hochbetrieb. In den kleinen Werkstätten der Metropole am Nil tüfteln zurzeit erneut Handwerker an Kopien des Tutanchamun-Schatzes. Unter der strengen Aufsicht von Wulf Kohl produzieren sie ein zweites Ausstellungsset. Wiederum 1000 originalgetreue, aufwendig gestaltete Replikate. Mit diesem Ensemble soll eine Parallelschau bestückt werden, die ab Juni dem Publikum in Barcelona präsentiert wird, anschließend soll sie nach Budapest und dann nach Warschau gehen.

Und irgendwann vielleicht sogar in die Heimat des Pharaos nach Ägypten. Zumindest wünscht sich das Mansur-al-Nubi. Der Archäologe von der Universität in Luxor ist ein großer Fan der Reproduktionsidee. Vor allem weil auf diese Weise ein weltweites Publikum erreicht und Werbung für sein Land gemacht wird, wie sie besser nicht sein kann. "Zum Schluss sollte die Ausstellung zu uns kommen", sagt er, "wo sie nochmals Millionen von Touristen begeistern kann. Dann sollte man sie der Arabischen Republik Ägypten schenken."

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