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Der Sammler Frieder Burda: Die ehrliche Freude an der Kunst

Dank Frieder Burda ist derzeit in Baden-Baden eine einzigartige Werkschau Gerhard Richters zu bewundern - zusammen gestellt vom Meister selbst. Aber wer ist eigentlich dieser Sammler, der solche künstlerischen Wolkenritte möglich macht? stern.de hat ihn getroffen.

Von David Scherf

Wenn der 72-jährige Frieder Burda über seine Kunstsammlung redet, wirkt er wie ein kleiner Junge an Weihnachten. Die Augen lachen, das Gesicht strahlt, und man merkt, wie die Erinnerungen durch seinen Kopf galoppieren. Manchmal kommt da selbst sein Mund nicht mehr hinterher. Dann verhaspelt er sich ein wenig, schaut den Besucher kurz selig an, um dann sympathisch lispelnd wieder anzusetzen und von seiner Leidenschaft zu erzählen. Der Leidenschaft Kunst zu sammeln.

"Das Leben mit der Kunst hat mich glücklich gemacht", sagt er. "Ich habe nie Kunst studiert, sondern nur aus Begeisterung gesammelt. Alle Bilder bedeuten mir etwas." Voller Ehrfurcht steht er vor seinen Millionen-schweren Werken von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Pablo Picasso, doch ist klar, dass es ihm nicht um den Geldwert geht. Darüber braucht sich der Multimillionär mit dem bubenhaft vollen Haar auch keine Gedanken zu machen. Es geht um die ehrliche Freude an der Kunst. Wenn er sich wieder für ein paar Sekunden ganz im Anblick der Bilder an der Wand verliert, glaubt man als Betrachter, dass er selbst am wenigsten fassen kann, dass dies alles wirklich ihm gehören soll.

Das Erbe

Frieder Burda wurde 1936 als zweiter Sohn des Verlegers Franz Burda und dessen Ehefrau Aenne geboren. Das Paar hat in der Nachkriegszeit einen der erfolgreichsten Zeitschriftenverlage Deutschlands aufgebaut, mit Verkaufsschlagern wie "Bunte" oder "Burda Moden". Im elterlichen Betrieb lernte Frieder das Drucker- und Verlagshandwerk, bevor es ihn ins Ausland zog, wo er für unterschiedliche Zeitschriftenverlage arbeitete. Über eine Station in Darmstadt stieß er 1973 wieder zum Firmensitz ins baden-württembergische Offenburg. Hier kümmerte er sich in den folgenden Jahren um Finanzen, Verwaltung und Beteiligungen der Burda Holding.

1986 starb der autoritäre Vater Burda, der sich in seinen späteren Lebensjahren als "Herr Senator" anreden ließ. Frieder und sein älterer Bruder Franz erbten alle Beteiligungen des Burda-Imperiums, der jüngste Bruder Hubert übernahm auf eigenen Wunsch den gesamten Druck- und Verlagsbereich. Bereits zwei Jahre später kam es zur Familienkrise. Frieder und Franz verkauften eine 26-prozentige Beteiligung am Hamburger-Springer-Konzern an die Springer-Erben - entgegen einer Abmachung mit Bruder Hubert, der ebenfalls Interesse an der Beteiligung hatte. Angeblich vertrauten Frieder und Franz nicht den geschäftlichen Fähigkeiten des Bruders.

"Das war aus heutiger Sicht vielleicht nicht richtig", sagt Frieder Burda. "Ich sah keine gemeinsame Zukunft der drei Brüder in einem Verlagsunternehmen. Aber man kann nicht alles richtig manchen." Heute sei des Verhältnis zu Hubert, der inzwischen mit seiner "Hubert Burda Media" einen Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro macht, "ganz ordentlich".

Der Funke des Sammelns

Der Erlös aus dem Springer-Verkauf spülte den beiden Brüdern mehr als 400 Millionen Mark in die eigene F&F Burda Vermögensverwaltung. Ein Teil davon wurde sogleich ins Papiergeschäft investiert. Mit durchwachsenem Erfolg, wie sich zeigen sollte. Die Beteiligungen an den Dachauer Papierfabriken MD, dem Zellstoffproduzenten Technocell und der neugegründeten Fluglinie German Wings erwiesen sich als Millionen-Gräber. Von Erfolg gekrönt war dagegen die Investition in den österreichischen Pressegroßvertrieb PGV.

Zur Lebensaufgabe von Frieder Burda wurde jedoch die Kunst. "Der Funke des Sammelns ist von meinen Eltern auf mich übergesprungen", sagt er. Vater Burda sammelte vornehmlich deutsche Expressionisten wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck oder auch August Macke. Bereits 1968 auf der Documenta in Kassel kaufte Frieder sein erstes Kunstwerk: eine geschlitzte rote Leinwand des italienischen Malers Lucia Fontana, Kaufpreis 3500 Mark. "Ich war damals 32 und wollte meinem Vater zeigen, wie modern und radikal ich bin.". Der Senior reagierte jedoch ganz anders als erwartet. Für "nicht uninteressant" hielt er das Bild, auch wenn es nicht seinem Geschmack entspreche.

Fast unbegrenztes Budget

Nach dem Verkauf der Springer-Anteile stand Frieder ein fast unbegrenztes Budget für die Erweiterung seiner Sammlung zur Verfügung. Er sammelte in großem Stile Werke von deutschen Künstlern seiner Generation: Gerhard Richter, Sigmar Polke, Georg Baselitz, Eugen Schönebeck oder Anselm Kiefer. Gerade in Bezug auf Richter und Polke ist die Sammlung Frieder Burda eine der besten der Welt. Aus allen Schaffensperioden sind Werke in der Sammlung vertreten und vermitteln so einen unvergleichlichen Einblick in die Entwicklung zweier herausragender Künstler der Gegenwart. Ein weiterer Schwerpunkt ist der amerikanische abstrakte Expressionismus mit Werken von Mark Rothko, Willem De Kooning, Clyfford Still und Jackson Pollock. Dazu kommt eine in Deutschland einzigartige Sammlung später Werke von Pablo Picasso.

"Ich bin aufgewachsen mit Bildern, die einen starken Ausdruck haben, expressiv sind. Das blieb mein ganzes Leben lang. Alles in meiner Sammlung hatte immer die Faszination für Farbe und vor allen Dingen auch für die Malerei.“ Burdas Grundsatz lautet: Ein Sammler soll nach dem Herzen kaufen und nicht auf Ratschläge hin. "Ich habe Beuys in seiner letzten Konsequenz nie ganz verstanden. Ich habe nie gewusst, was er eigentlich will, obwohl ich mich jahrelang mit seinem Werk beschäftigt habe. Mich hat Beuys von der Emotion her nie angesprochen, und ich finde, man sollte als Sammler den Mut haben, nur das zu kaufen, was man auch wirklich mit dem Herzen will." Deshalb habe er auch den Kauf des Bilderzyklus "18. Oktober 1977" von Gerhard Richter abgelehnt. "Unsere Familie hatte auch im Visier der RAF-Terroristen gestanden. Ich konnte diese hervorragenden Bilder deshalb nicht kaufen, es ging nicht."

Das Schönste, was einem Sammler passieren kann

1998 gründete Burda die Stiftung Frieder Burda, der er sein gesamtes Vermögen vermachte. Die Stiftung finanzierte einen 20-Millionen-Euro teuren Museumsneubau in Baden-Baden und kommt auch in vollem Umfang für dessen laufende Kosten auf. Lediglich das Grundstück wurde von der Stadt gestellt. 2004 wurde das Museum Frieder Burda eingeweiht, ein Jahr später folgt die Ernennung Burdas zum Ehrenbürger von Baden-Baden.

"Wer braucht schon ein Neunzig-Meter-Schiff für hundert Millionen Euro? Kunstwerke in einem Museum zu zeigen, das ist das Schönste, was einem Sammler passieren kann" so der Sammler. Im Moment konzentriert er sich auf Werke der neuen deutschen Malergeneration: Jonathan Meese, Tim Eitel, Thorals Knobloch oder Corinne Wasmuht. "Wie viele von diesen Künstlern sich wirklich etablieren können, das werden wir erst in 30 Jahren erfahren." Er werde es wahrscheinlich nicht mehr erleben, aber so lange wie möglich mitverfolgen. Denn, so Burda abschließend: "Sammeln ist Leidenschaft. Und Leidenschaft hört nie auf."