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Ende der documenta (13) Kunstausstellung lockt 860.000 Besucher nach Kassel


Nach 100 Tagen ist die documenta zu Ende gegangen. Und was bleibt? Sicher mehr als ein weitgehend positiver Eindruck. Zum Beispiel auch ein Besucherrekord.

Das Tor des Kasseler Fridericianums ist zugeschlossen, die documenta (13) ist vorbei. Doch was bleibt? Ein positiver Eindruck, da sind sich viele Experten einig. Der künstlerischen Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev sei es gelungen, "ein gutes Spannungsverhältnis" zwischen übergreifenden aktuellen Themen und der Kunst herzustellen, sagte Markus Brüderlin, Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, der "Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen" ("HNA"). "Die documenta ist zu glatt und zu glitschig", bemängelte dagegen Kunsthistoriker und Bestsellerautor Christian Saehrendt ("Das kann ich auch!").

Die positiven Kritiken zu Beginn der wichtigsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst haben nur wenige Kratzer bekommen. Dazu zählt Brüderlin "die mehr oder weniger aufdringliche Neigung zur Selbstinszenierung" von Christov-Bakargiev. Der Kurator Wulf Herzogenrath meinte im Deutschlandradio Kultur, das Publikum wolle diesen Überblick an zeitgenössischer Kunst auch in fünf Jahren wieder sehen.

Bleiben wird auch ein Zuschauerrekord - und was für einer: Rund 860.000 Besucher haben die Ausstellung in Kassel gesehen. Für die "Außenstelle" Kabul kommen noch einmal 27.000 dazu. "Ich bin von dieser documenta beeindruckt", sagte documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld. Er erlebe "Besucher, die bewegt und begeistert sind, die Realitäten neu befragen und, da bin ich ganz sicher, verändert nach Hause fahren". Insgesamt hatte die 12. documenta vor fünf Jahren rund 750.000 Besucher gezählt - damals ebenfalls Rekord.

Zwei Dutzend Hütten müssen bis Ende Oktober weichen

Bleiben werden auch Kunstwerke: Die Stadt Kassel kauft unter anderem Teile der Installation "What Dust Will Rise?" des US-Amerikaners Michael Rakowitz, Drucke des libanesischen Künstlers Walid Raad sowie Masken aus dreidimensionalem Pulverschichtdruck der Berliner Künstlerin Judith Hopf. Auch die beiden 2011 gepflanzten Apfelbäume dürfen wohl weiter in der Karlsaue wachsen. Möglich ist, dass weitere Werke der Stadt durch Schenkungen, Spenden, Sponsoren oder Stiftungen erhalten bleiben. Das ist wohl die einzige Chance für den Publikumsliebling und von den Kasselern geliebten Bronzebaum von Giuseppe Penone.

Der Hund mit dem pinkfarbenen Bein übrigens, der es auf der documenta zu Weltruhm brachte, soll nun wieder ein normales Hundeleben führen. Es seien bislang keine weiteren Einsätze für die Hundedame "Human" und den Welpen "Señor" für Kunstwerke geplant, sagte Besitzer Marlon Middeke.

Und wie geht es weiter? Zunächst wird abgebaut: Die rund zwei Dutzend Hütten in der Karlsaue müssen weg. Der Schrotthaufen von Lara Favaretto am Kulturbahnhof werde vom Schrotthändler wieder abgeholt, sagte documenta-Sprecherin Henriette Gallus. Der aus Abfällen entstandene und bewachsene "Doing nothing garden" ("Nichts-tun-Garten") des chinesischen Künstlers Song Dong vor der Orangerie wird direkt nach dem Ende abgetragen. Bis Ende Oktober soll alles geschafft sein.

Nächste documenta braucht neuen Geschäftsführer

Die Planungen für die documenta 14 im Jahr 2017 laufen bereits. "Ziel ist, die neue künstlerische Leitung Anfang 2014 zu berufen", sagt Oberbürgermeister und documenta-Aufsichtsratschef Bertram Hilgen (SPD). Derzeit werde ein Vorschlag für die Zusammensetzung einer Findungskommission erarbeitet. Diese schlage dann die neue künstlerische Leitung vor. Zudem muss ein neuer Geschäftsführer gefunden werden. Leifeld, der vier documenta-Ausstellungen verantwortet hat, steht nicht mehr zur Verfügung. Eine erste Entscheidung wurde bereits getroffen: Die documenta 14 findet vom 10. Juni bis zum 17. September 2017 statt.

Und wie könnte sie dann inhaltlich aussehen? Kunsthistoriker Saehrendt geht davon aus, dass der Kunstbegriff eher geschärft wird, nachdem bei der documenta (13) quasi alles zur Kunst wurde. Der documenta-Historiker Harald Kimpel betonte im Deutschlandradio Kultur, klar sei, die 14. documenta müsse das gegenwärtige Konzept übersteigern. Bei dem Totalkonzept der documenta (13) könne er aber noch nicht sagen, wie das aussehen werde.

Timo Lindemann, DPA DPA

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