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Kunst: Ausstellung für Hitlers Lieblingsbildhauer

Arno Breker hat den Nazi-Körperkult und den absurden NS-Rassenwahn in Stein gehauen. Jetzt soll er eine eigene Austellung bekommen, was für Tumulte in der Kunstszene sorgt.

Selten ist eine Ausstellung in Deutschland schon vor ihrer Eröffnung derart umstritten gewesen wie die Arno Breker-Schau, die am 21. Juli im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus beginnen soll. Darf Hitlers Lieblingsbildhauer in städtischen Räumen gezeigt werden und wenn ja, ist das kleine Schleswig-Holstein-Haus ohne wissenschaftlichen Mitarbeiterstab dieser Herausforderung gewachsen? Oder ist das Unterfangen, Brekers Werk in einer Ausstellung kritisch aufzuarbeiten naiv?

Die Fraktion derer, die Breker (1900-1991) wegen dessen naziverherrlichender Kunst in den Jahren 1936 bis 1945 für unausstellbar halten, wird in der gegenwärtigen Diskussion von Klaus Staeck angeführt. Eine Ausstellung stelle immer eine Aufwertung dar, sagte der Plakatkünstler und Präsident der Akademie der Künste in Berlin in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hingegen sprach sich für das Projekt mit dem Hinweis aus, die Ausstellung könne einen Beitrag zur Aufarbeitung deutscher Geschichte leisten. Ähnlich äußerte sich der Historiker Hermann Schäfer, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn und Abteilungsleiter bei Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Als Historiker sei er generell gegen Tabus. Ob die Ausstellung gelinge, könne er allerdings noch nicht sagen.

Keine Angst vor großen Namen

Der Kurator der Schau "Zur Diskussion gestellt: der Bildhauer Arno Breker", Rudolf Conrades, ist optimistisch. "Die 70 Skulpturen aus allen Schaffensphasen Brekers werden mit Texttafeln zeit- und kunsthistorisch eingeordnet", sagte er. Zudem erscheint zur Ausstellung, die bis zum 22. Oktober zu sehen sein soll, ein kritischer Essayband. Zu den Autoren gehört der renommierte Historiker Heinrich Schwendemann, der auf die Architektur im Dritten Reich eingeht, die Breker als Staatsbildhauer jener Zeit ideologiegerecht ausschmückte oder ausschmücken sollte.

Ein Beitrag von Rainer Hackel beleuchtet Brekers Engagement für Verfolgte im Dritten Reich, eine entgegengesetzte Facette dieser umstrittenen Persönlichkeit. Aus Dokumenten geht hervor, dass der NS- Staatsbildhauer seine privilegierte Position nutzte, um unter anderem den Verleger Heinrich Peter Suhrkamp aus NS-Haft zu holen. Auch den französischen Schauspieler Jean Marais soll er vor dem Zugriff der Gestapo bewahrt, die Jüdin Dina Vierny, Modell des Bildhauers Aristide Maillol, aus dem Gefängnis gerettet haben. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes wurde Breker unter anderem auf Grund der positiven Zeugenaussagen nur als Mitläufer entnazifiziert.

Verriss im Voraus

Die Gefahr des Scheiterns für das Schweriner Ausstellungsprojekt ist nach Einschätzung wichtiger deutscher Feuilletons jedoch groß. Ein Großteil von Brekers Werk sei zerstört und sein Nachlass, von der Witwe gehütet, nicht in ausreichendem Maße zugänglich, schreibt Stefan Koldehoff in der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag). Der "Spiegel" bezeichnete das Schweriner Projekt "wegen der vielen Widersprüche und Lücken" als "faulen Zauber". Einig sind beide aber in der Forderung, dass wissenschaftliche Forschung zu Breker nötig ist.

Das meint auch Conrades. Die Schweriner Ausstellung will er als Anstoß verstanden wissen, Breker aus der Tabuzone zu holen und zur Diskussion zu stellen. Er meint, dass sich schon jetzt der normale Museumsbesucher ein Bild von Breker machen sollte, auch wenn dessen Persönlichkeit und Kunst noch nicht bis ins Letzte gedeutet sind. "Das Schlimmste, was bei einer näheren Betrachtung von Kunst der Nazizeit passieren könnte, wäre doch, dass man an manchen Stellen Überraschungen erleben und an anderen Stellen sich bestätigt finden würde - dass man also ein differenziertes Bild des Gegenstandes bekäme", schreibt Conrades im Begleitband zur Ausstellung.

DPA / DPA