Maut in Italien
Geld zurück verlangen bei Baustellen-Staus

Das italienische Mautsystem wird derzeit reformiert.
Das italienische Mautsystem wird derzeit reformiert.
© RomanBabakin/iStock via Getty Images

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Wer in Italien wegen einer Baustelle im Stau steht, kann künftig unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der Maut zurückfordern.

In Italien gilt ab sofort eine neue Mautregel: Autofahrerinnen und Autofahrer können eine teilweise oder vollständige Rückerstattung der gezahlten Maut beantragen, wenn sie wegen Baustellen deutlich länger unterwegs sind als vorgesehen. Die Regelung ist der erste in Kraft getretene Baustein einer umfassenderen Reform der Autobahngebühren; die übrigen Teile befinden sich noch in Vorbereitung. Was Italien-Reisende wissen müssen.

Betreiber mautpflichtiger Autobahnen müssen unter bestimmten Voraussetzungen Entschädigungen leisten, wenn Baustellen zu erheblichen Zeitverlusten führen. Höhe und Anspruch richten sich nach Angaben des ADAC nach der Dauer der Verzögerung und der Länge der betroffenen Strecke; je nach Ausmaß wird ein Teil oder die gesamte gezahlte Maut erstattet. Als Berechnungsbeispiel nennt die Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia eine Erstattung von 75 Prozent bei 40 Minuten Verspätung auf einer 90 Kilometer langen Strecke.

Die von der italienischen Verkehrsregulierungsbehörde ART umgesetzte Regelung gilt ab dem 1. Juni 2026 zunächst für Streckenabschnitte, die von einem einzigen Autobahnbetreiber verwaltet werden. Ab dem 1. Dezember 2026 soll das System dann auch auf Fahrten über mehrere Betreiber hinweg ausgeweitet werden.

Ausnahmen bei Unfällen und Notfällen

Kein Anspruch besteht bei Notfallbaustellen, die etwa infolge von Unfällen, außergewöhnlichen Wetter- oder Naturereignissen sowie Rettungs- und Wiederherstellungsarbeiten eingerichtet werden. In der ersten Phase sind zudem mobile Baustellen ausgenommen. Davon zu unterscheiden sind vollständige Verkehrsblockaden: Für sie sieht die ART je nach Dauer ebenfalls gestaffelte Erstattungen vor.

Was für ausländische Reisende gilt

Nach Angaben des ADAC steht der Cashback-Dienst grundsätzlich auch Touristinnen und Touristen aus dem Ausland offen. Die Beantragung erfolgt digital, etwa per Beleg-Upload über die Muovy-Cashback-App oder das Cashback-Portal von Autostrade per l'Italia.

Eine wichtige Hürde bleibt allerdings bestehen: Für die Registrierung in der App ist eine italienische Steuernummer erforderlich. Diese wird von der italienischen Steuerbehörde Agenzia delle Entrate vergeben; aus Deutschland können sich Reisende an die zuständige italienische Auslandsvertretung wenden. Der automatische "Kennzeichen-Cashback", bei dem das Fahrzeug an der Mautstelle per Kamera erkannt wird, bleibt dagegen Fahrzeugen mit italienischem Kennzeichen vorbehalten.

Teil einer umfassenden Reform

Die Erstattung bei Baustellenstaus ist nur ein Teil einer umfassenden Umgestaltung des Mautwesens. Die ART arbeitet an einem einheitlichen Berechnungsverfahren, das die Gebühren stärker an die tatsächlichen Investitionen der Betreiber koppelt. Künftig sollen Mauterhöhungen nur noch zulässig sein, wenn sich die Leistung für die Nutzerinnen und Nutzer konkret verbessert. Das Ziel bestehe darin, die Maut zu senken und die Kostenstruktur nachvollziehbarer zu gestalten. Spürbare Entlastungen für Autofahrer dürften allerdings erst 2027 oder 2028 eintreten, so die Einschätzung der ART.

Italien gehört seit Jahren zu den Ländern mit den höchsten Autobahngebühren in Europa. Eine Vignette wie in Österreich oder der Schweiz gibt es dort nicht. Kritiker bemängeln zudem die Komplexität des Systems, da unterschiedliche Betreiber verschiedene Tarifmodelle anwenden.

Dynamische Preise geplant

Zu den diskutierten Zukunftsmodellen gehört eine variable Preisgestaltung. Künftig könnten die Mautgebühren von der Tageszeit, dem Verkehrsaufkommen oder der Umweltklasse des Fahrzeugs abhängen. Während Fahrten zu Stoßzeiten teurer würden, wären Reisende außerhalb der Hauptverkehrszeiten oder mit emissionsärmeren Fahrzeugen günstiger unterwegs. Damit will die ART Verkehrsströme besser steuern und Staus reduzieren. Parallel dazu sollen Reisende umfassender über die Verkehrslage, Baustellen, Fahrzeiten und die Ladeinfrastruktur informiert werden.

Bedeutung für Urlauber und offene Fragen

Gerade auf den Reiserouten Richtung Gardasee, Toskana, Adria oder Süditalien kommt es in den Ferienmonaten regelmäßig zu Staus und Baustellen. Die Neuregelung ist daher für Urlauber aus Deutschland und Österreich von Interesse. Ob sie in der Praxis hält, was sie verspricht, ist allerdings umstritten. Während Verkehrsminister Matteo Salvini den Beschluss als Wendepunkt für die Rechte der Autofahrer einstuft, bezweifelt der italienische Verbraucherschutzverband, dass das System zuverlässig funktioniert.

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