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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Hans-Georg Maaßen – der Don Quijote von Twitter

Hans-Georg Maaßen sollte sich lieber ein anderes Hobby als Twitter suchen, findet Micky Beisenherz und hat einen gut gemeinten Vorschlag für den Ex-Chef vom Verfassungsschutz.

Hans-Georg Maaßen mit verschränkten Armen.

Kontinuierliche Nichtbeachtung hat noch die klügsten Köpfe vergiftet. Aber auch Leute wie Boris Palmer, Alexander Gauland, Matthias Mattusek.

Es muss weh tun, mitanzusehen, wie vermeintlich weniger fähige Parteifreunde plötzlich auf dem Karriere-Highway an einem vorbeiziehen, man im hessischen Landtag wie in einem Salzstock eingelagert wird oder am Ende der Party im Verlagshaus mitansehen muss, wie die jungen Dinger plötzlich mit einem Migranten verschwinden, während man den Kopierer nur noch dazu benutzt, um ungelenk eine Pulle Bier aufzustemmen.

Es ist ein Elend.

Und da sind Sie.

Hans-Georg Maaßen.

DPA

Keine Ahnung, was Sie einmal werden wollten.

Das, was Sie jetzt sind, kann es nicht gewesen sein.

Womöglich aber auch kann jeder jetzt bei Twitter verfolgen, wer Sie immer schon waren.

Was erschreckend ist, wenn man bedenkt, dass Sie bis vor Kurzem noch den Verfassungsschutz leiten durften, bis Sie wie ein ungeliebtes Scheidungskind zwischen der Union und der SPD hin- und hergeschoben wurden, um schlussendlich in den Ruhestand geschickt zu werden.

Das muss weh getan haben.

Für den Dummen ist das Leben einfach.

Für denjenigen, der sich für unsagbar schlau hält, ist das Leben am Fuße des Affenfelsens eine Qual.

Dankenswerterweise haben Sie schnell die Egokippe Twitter für sich entdeckt. Dort findet sich für jede narzisstische Störung ein Publikum (der Autor bekennt sich ebenfalls schuldig).

Die sozialen Netzwerke sind jetzt ihr Reservat, in denen man Ihnen fasziniert bis angewidert dabei zusehen kann, wie Sie regelmäßig ans Wasserloch ziehen und sich mit ein paar Anderen am braunen Tümpel verdingen.

Fielen Sie schon während ihrer Amtszeit als Chef-Ignorant der Gesetzeshütung durch braunen Star auf dem rechten Auge auf, ist die Verclausstrunzung via Twitter nahezu abgeschlossen.

Glückwunsch!

Der Flirt mit dem rechten Rand?

Mal fabulieren Sie über die "Neue Zürcher Zeitung" als das "neue Westfernsehen" (Diktatur, anyone?) und bringen sogar die "NZZ" so weit, sich von jemandem wie Ihnen zu distanzieren.

An einem anderen Tag tweeten Sie die Bundeskanzlerin zum Grenzpflegefall herunter, nur, um in einem neuerlichen Ausfall die – ja, durchaus komplexe – Thematik der Seenotrettung zu einer Art AIDA für gelangweilte Partymigranten zu verklären:

"Lassen Sie sich nicht einreden, dass es sich um Seenotrettung handelt. Diese Migranten sind keine Schiffbrüchigen und keine Flüchtlinge. Sie haben als einwanderungswillige Ausländer die Schleuserboote bestiegen, um von einem Shuttle-Service nach Europa gebracht zu werden."

"Shuttle-Service". Man muss schon ein ordentliches Maß an Abstumpfung an den Tag legen, um die Situation im Mittelmeer so zu betrachten.

Und wie war das noch gleich mit Lübcke?

"Mich hat der Tatzeitpunkt überrascht. Warum jetzt? Im Herbst 2015 wäre es aus meiner Sicht nachvollziehbarer gewesen …"

Gut, so kann man das Ganze natürlich auch bewerten.

Ist es unfair, Ihnen diese Formulierung so negativ auszulegen?

Möglicherweise. Aber kann einem, der so schlau ist, wie Sie sich selbst sehen der Ausdruck so missraten?

Eben. Also, doch der Flirt mit dem rechten Rand?

Aber, aber! Sie sind ja schließlich in der "Werteunion".

Was mir zunehmend als irgendetwas zwischen Tea Party und Pius Brüdern erscheint.

Ein gut gemeinter Vorschlag

All das, das ist jetzt ihr Sound. Die elitäre Sorge um den porösen, erodierenden Staat ist ihr "Hossa" und Twitter so etwas wie ihr Baumarkt.

Das LAN-Kabel der Tropf, durch den der letzte Rest Bedeutung tröpfelt.

Als Don Quijote mit ihrem Sancho Panza Erika Steinbach dürfen wir Ihnen öffentlich beim Kampf gegen die "linksradikalen Kräfte in der Bundesregierung" zusehen.

Gut, andere gucken "Schwiegertochter gesucht".

Es ist traurig.

Aber es ist nicht traurig zu sehen, was aus Ihnen geworden ist.

Sie waren vermutlich immer schon so.

Das muss nur nicht jeder mitbekommen.

Tun Sie sich selbst einen Gefallen.

Kaufen Sie sich einen Hund.

Oder gehen Sie kegeln.

Bevor Sie plötzlich auf einer Bierkiste vorm Hauptbahnhof stehen.