Countdown Grand-Prix-Musiker auf der Zielgeraden


Pünktlich zum Probenbeginn nimmt auch das Medieninteresse am Grand Prix zu. Jetzt hoffen die Künstler, aus dem Schatten der "Superstars" zu treten.

Jetzt wollen die Grand-Prix-Musiker aus dem «Superstar»-Schatten heraus treten: Während die RTL-Show «Deutschland sucht den Superstar» noch die Schlagzeilen beherrschte, starteten die 14 Kandidaten der nationalen Vorentscheidung in Kiel ihren Endspurt. Vier Tage vor dem großen Finale am Freitagabend begannen die Künstler mit ihren Proben - und endlich interessierten sich auch wieder die Medien für den Wettbewerb, der in der Vergangenheit mit Teilnehmern wie Guildo Horn, Stefan Raab oder «Big Brother» Zlatko viel Aufsehen erregt hatte. In diesem Jahr war unter Deutschlands Grand-Prix-Fans der Frust gewachsen, denn kaum jemand schien den Wettbewerb zu verfolgen.

"Alle Reden nur vom "Superstar"

Hatten sonst Teilnehmer der deutschen Vorentscheidung mit schlagzeilenträchtigen Einlagen Gesprächsstoff geliefert, gab es in den vergangenen Wochen vor allem ein Thema: Die RTL-«Superstar»-Suche, deren Finale am Tag nach der Kieler Vorentscheidung über die Bühne geht. «Alle reden nur von "Deutschland sucht den Superstar"», hatte Klaus Woryna, Präsident eines großen Grand-Prix-Fanclubs, bereits beklagt. Dagegen blieb Chef-Organisator Jürgen Meier-Beer vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) zuversichtlich: «Eine bestimmte Art von Schlagzeilen fehlt uns ganz bestimmt nicht. Und spätestens, wenn in Kiel die ersten Proben beginnen, werden auch wir wieder Thema sein.»

Großer Medienrummel

Zumindest für den Auftakt der Probenwoche schien Meier-Beer Recht zu behalten: Großer Trubel herrschte bereits beim ersten Fototermin, für den sich die Künstler schon einmal im Wettbewerbs-Outfit dem Blitzlichtgewitter stellten. «Rund 100 Berichterstatter waren heute schon da, bis zum Schluss erwarten wir etwa 500», sagte Iris Bents von der Pressestelle des für die Show zuständigen NDR. Kanzlerimitator Elmar Brandt etwa, dessen berühmte Schröder-Gummipuppe erst vor kurzem in Flammen stand, posierte für die Fotografen zwischen einem überdimensionalen Kanzler-Kopf und einem Plakat mit der Aufschrift «Schickt Schröder nach Lettland!».

Viele junge Künstler am Start

«Niemand hatte den falschen Fummel eingepackt, niemand hatte versehentlich irgendein Accessoire vergessen«, berichtete Axel Bulthaupt, der die Show wieder moderieren wird, nach dem zweistündigen Fototermin auf der NDR-Homepage. Neben dem Kanzlerimitator, Kandidat der «Bild»-Zeitung, und Sängerin Lou, die für Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel ins Rennen geht, kämpfen diesmal vorwiegend junge, außerhalb von Musikerkreisen noch weitgehend unbekannte Künstler um den Sieg.

Geheimtipp Isgaard

Alle Kandidaten gehen für Plattenfirmen an den Start, gleich mehrere Bewerber erhalten in diesem Jahr aber mediale Unterstützung durch Zeitungen und Zeitschriften. So singt etwa Tobias Schacht alias Der Junge mit der Gitarre für die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» und die Interpretin Senait für die «taz». Zu den Favoriten gehörte bei Internet- und Fan-Abstimmungen bislang neben Brandt und Lou die aus Husum stammende Künstlerin Isgaard. Und ein Teilnehmer hat sein Ticket zum Eurovision Song Contest am 24. Mai im lettischen Riga bereits in der Tasche: Die polnische Band Troje gewann die Vorentscheidung in Warschau - und will trotzdem noch in Deutschland antreten.

Pop statt Schlager

Klassische Schlager fehlen bei dem traditionsreichen Wettbewerb, bei dem sich über Jahrzehnte die Schlager-Gemeinde ein Stelldichein gab, diesmal völlig. Dafür ernteten die Macher der Show, die inzwischen durchweg auf Popmusik setzen, schon kurz nach Bekanntgabe der diesjährigen Teilnehmer heftige Kritik. Einen kleinen Skandal hatte die Vorentscheidung aber auch in diesem Jahr: Musiker Joachim Deutschland, der bei der Vorstellung der Bewerber mit seinem entblößten Hinterteil provozierte, wurde wegen seines zuvor veröffentlichten Titels «Die Stoibers» ausgeschlossen.


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