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Stefan Raab als ESC-Moderator: Ertrag den Raab

Er gilt als Tausendsassa. Am Samstagabend wird Stefan Raab die größte Unterhaltungsshow der Welt moderieren. Die Proben haben gezeigt: Das könnte eine Nummer zu groß für ihn sein.

Von Jens Maier, Düsseldorf

Er ist Entertainer, Fernsehproduzent, Sänger, Songwriter, Komponist und Musikproduzent. Viele kennen ihn aber vor allem als erfolgreichen Moderator. Er steht bei Sendungen wie "TV Total", "Schlag den Raab", der "Wok-WM" oder der "Stock Car Challenge" vor der Kamera. Und wäre er nicht beim falschen Sender, wäre er der sicherste Kandidat für die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass ..?". Jetzt wird er die größte Unterhaltungssendung der Welt moderieren.

Mehr als 120 Millionen Fernsehzuschauer weltweit werden am Samstagabend einschalten, wenn live aus Düsseldorf der Eurovision Song Contest übertragen wird. Nach der grandiosen Show in Oslo im vergangenen Jahr will auch Deutschland ein positives Bild in die Welt senden. Deutschland darf sich mit verschiedenen Einspielfilmen präsentieren - von Hamburg über Usedom bis zum Königsee. Das größte Aushängeschild werden allerdings die drei Moderatoren sein: Judith Rakers, Anke Engelke und Stefan Raab.

"Ich muss doch nur 20 Sätze sagen"

An der Moderation des Wettbewerbs sind schon manche Moderatoren gescheitert. Die Bewertungen reichen von langweilig bis peinlich. In Moskau 2009 versuchte sich ein ehemaliges Model und sorgte größtenteils für Fremdschäm-Momente. "What a pity, only pretty" (Wie schade, sie ist nur hübsch), lautete das gnadenlose Urteil der versammelten Presse. Dabei scheint die Aufgabe schier unlösbar: Den Zuschauern in allen 55 Ländern zu gefallen, in denen der Song Contest übertragen wird.

"Ich muss doch nur 20 Sätze sagen", sagt Stefan Raab über diese Herausforderung. Das sei nicht sonderlich fordernd. "Ich bin es gewohnt, fast jeden Abend eine Show zu machen." Er sei deshalb nicht verängstigt, auf der riesigen Grand-Prix-Bühne zu stehen. Viel schwieriger sei es, als Interpret auf der Bühne zu stehen. "Mein Job ist einfach." Am Montagmittag probte Raab zum ersten Mal den kompletten Ablauf fürs erste Semifinale, das am Dienstagabend ausgestrahlt wird. Und es zeigte sich, dass der "Job" doch nicht so einfach ist, wie er sich das vorstellt.

Raab wird kaum Englisch sprechen

Die Meinung von ausländischen Journalisten über die Moderationsleistung Raabs ist nach der ersten Probe eher verhalten. "Ich fand die Show super, aber Raab hat mir nicht gefallen", sagt Ole Tøpholm, der den Eurovision Song Contest für das dänische Fernsehen kommentieren wird. Der Grund: "Ich glaube nicht, dass sein Humor in Dänemark ankommen wird." Auch die finnische Journalistin Maiken Mäemets ist kritisch: "Er versucht, seine Witze zu internationalisieren. Ich glaube aber, dass sich Humor nicht übersetzen lässt."

Die gute Nachricht für alle englischsprachigen Zuschauer: Raab wird kaum Englisch sprechen. Bei den Interviews für "TV Total" mag sein holpriger Akzent ja noch witzig sein, bei einer internationalen Show könnte er schnell peinlich werden. Das hat offenbar auch Raab erkannt und überlässt die Fremdsprachen seinen Kolleginnen Rakers und Engelke. Überhaupt scheint die Show ganz auf Engelke zugeschnitten zu sein. Sie verliest am Ende die Wertungen, sie sorgt für die Lacher, und sie ist am häufigsten vor der Kamera zu sehen.

Keine Zeit für spontane Witzchen

Raab kann seinen größten Trumpf nicht ausspielen: seine Spontaneität. Ein Autorenteam hat seine Moderationen geschrieben, die er vom Teleprompter abliest. Spontane Witzchen, mit denen er bei "TV Total" glänzen kann, lässt das enge Zeitfenster der Live-Show kaum zu. So verkommt Stefan Raab fast ein wenig zum Statisten, der am Anfang "Hallo" und am Schluss "Tschüssikowski" sagen darf.

Seinen besten Auftritt in der Probe hatte Raab, als er in einem Einspielfilm auf seiner Ukulele das deutsche Volkslied "Mein Vater ist ein Wandersmann" klimperte und mehrere Eurovisions-Kandidaten zum Mitsingen animierte. Solche Momente braucht's auch am Dienstagabend - und erst recht beim Finale am Samstagabend.