HOME

Eurovision: Stefan Raab und seine "nationale Aufgabe"

ARD, ProSieben und Stefan Raab ist nichts zu groß, um die neue Kooperation beim Eurovision Song Contest als Mega-Event zu inszenieren. Da musste natürlich der Reichstag herhalten, um News über Deutschlands "größtes mediales Pfund" zu präsentieren.

Mit aller Macht stilisieren ARD und ProSieben den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest zum medialen Topereignis. Dafür gehen der öffentlich-rechtliche und der private Sender erstmalig eine Kooperation ein, zeigen ab 2. Februar bis 12. März in acht Casting-Shows 20 Talente. Von denen soll dann der Sieger Deutschland Ende Mai in Oslo vertreten. Dafür verpflichteten sie als Juroren Stars wie Yvonne Catterfeld oder Peter Maffay. Ihre Pläne ließen sie dann am Donnerstagabend von Ober-Juror Stefan Raab präsentieren.

Als symbolträchtigen Ort für die Präsentation von "Unser Star für Oslo 2010" hatten die beiden Sender den Reichstag gewählt. Denn auch beim Song Contest seien nationale Belange betroffen, meinte Raab vor Dutzenden Journalisten im Dachrestaurant des Parlamentgebäudes und fügte hinzu: "Der Song Contest ist eine nationale Aufgabe." Nach den zumeist desaströsen Auftritten der Vergangenheit gehe es nun um nichts Geringeres, als Musik-Deutschland zu retten. Was er nicht sagte: Mit dem neuen Format wird auch dem RTL-Quotenhit "Deutschland sucht den Superstar" mächtig Konkurrenz gemacht.

Für Quote sollen nationale Stars wie Catterfeld, Marius Müller-Westernhagen, Jan Delay, Xavier Naidoo, Sasha, Joy Denelane, Stefanie Klos von Silbermond, Barbara Schöneberger und Sarah Connor sorgen. "Wir haben die Crème de la Crème bewegen können, da mitzumachen", meinte Raab stolz. Die Promis haben bei den Casting-Shows jedoch lediglich repräsentative Funktion. "Sie dürfen sagen, ob ihnen ein Beitrag gefiel oder nicht", erklärte Raab. Das entscheidende Wort, welcher der insgesamt 20 Kandidaten sich für die nächste Runde qualifiziert, haben die Fernsehzuschauer, die per Telefonvoting oder SMS entscheiden. Gesucht werde der größte gemeinsame Nenner, so dass die Nation dann am 29. Mai in Oslo geschlossen hinter dem Sieger stehe. "In erster Linie geht es darum, die Leute zu emotionalisieren", sagte Raab.

4500 Kandidaten waren im Rennen

Insgesamt hatten sich für die Vorentscheide 4500 Kandidaten beworben, von denen 20 ausgesucht wurden. Über sie verriet Raab nur, dass es zehn Männer und zehn Frauen sind. In den ersten beiden Ausscheidungsrunden am 2. und 9. Februar (ProSieben) treten jeweils zehn Kandidaten an, jeweils fünf schaffen es in die nächste Runde. Aus fünf weiteren Shows gehen die beiden Musiker hervor, die dann am 12. März (ARD) im Finale von "Unser Star für Oslo" antreten. Die Zuschauer bestimmen dabei nicht nur, welcher Künstler teilnimmt, sondern auch welchen Song er singen wird. Durch die Sendungen führen die Moderatoren Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel.

Auch über die Komponisten der Songs könne er noch nichts sagen, sagte Raab. Aus einem Pool würden verschiedene Titel angeboten. Diese würden dann auf Tauglichkeit für die Kandidaten geprüft. Ob er selbst einen Titel beisteuere, wisse er derzeit noch nicht. Es könne aber gut sein. Raab sagte, Ziel für den deutschen Beitrag müsse in Norwegen ein Platz unter den ersten zehn sein. "Als deutscher Teilnehmer darf man nicht davon ausgehen, den ersten Platz zu erreichen", sagte er. Im Ranking der beliebtesten Länder liege Deutschland nicht so weit vorn, nur Frankreich befinde sich noch dahinter, meinte er süffisant lächelnd. Aber mit Schwung, einem unkonventionellen Künstler und einem mitreißenden Titel sei ein Top-Ten-Platz möglich. Gesucht sei ein charismatischer Künstler, der das Ganze mit einer gewissen Ernsthaftigkeit betreibe, aber den Spaß dabei nicht verliere.

Das dickste Ding in Deutschland

Für die ARD hatte er lobende Worte übrig: Diese habe mit der Kooperation mit ProSieben einen großen revolutionären Schritt gewagt, sagte er. Für ProSieben bedeute die Zusammenarbeit aber nicht, "dass wir nun völlig spaßbefreit sind". ARD-Programmdirektor Volker Herres freute sich über das Lob. "Das ist das schönste Unterhaltungsereignis, deswegen sind wir dabei."

Das sieht Raab ähnlich. Der Contest sei jedenfalls das größte mediale Pfund in Deutschland, sagte Raab. Als eine der größten Shows weltweit sei er bislang stiefmütterlich behandelt worden. Die Prognose des Entertainers fiel gewohnt vollmundig aus: Nach dem 12. März werde an dem Siegertitel niemand vorbeikommen, er werde von den ARD-Radiostationen und im Fernsehen landauf landab gedudelt werden.

Holger Mehlig, APN / APN