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Serien-Hit: "Chernobyl" ist die beste Serie aller Zeiten - sie zeigt den Schrecken der Reaktorkatastrophe

Der Fünfteiler "Chernobyl" von HBO schildert die Reaktorkatastrophe und zeigt die Inkompetenz und Agonie der späten UdSSR. Sie erzielte das beste Serien-Ranking aller Zeiten auf IMDb.

Trailer: Chernobyl Mini Serie

"Chernobyl" - diese fünfteilige Serie von HBO erzählt die Geschichte der Reaktorkatastrophe in der UdSSR. Auf dem Portal IMDb fuhr die Serie das Sensationsranking von 9,7 von 10 möglichen Punkten ein. Damit ist "Chernobyl" die beste Serie aller Zeiten, sie hat "Breaking Bad" (9.5), "Planet Earth II" (9.5), "Band of Brothers" und auch "Game of Thrones" hinter sich gelassen. Das Ranking von IMDb basiert auf 180.000 Stimmen (Stand: 08. Juni 2019) - es ist also aussagekräftig und keine Liebhaber-Meinung.

Ein Beweis, dass sich im Bereich Serien auch echte Qualität durchsetzt. Caroline Framke schrieb über die Serie in Variety: "Anstatt in schockierende Wendungen zu platzen, bauen der Schriftsteller Craig Mazin und der Regisseur Johan Renck ein stetig schleichendes Unbehagen auf, das es dem Ausmaß der Gräueltaten erlaubt, mit schrecklicher, passender Schwerkraft zu versinken".

Die Serie schafft es, die Atmosphäre der Endphase der UdSSR und die Eigenarten des Homo Sovieticus sehr dicht auf den Bildschirm bringen. Dabei half, dass die Serie in der Ukraine und in einem stillgelegten Kernkraftwerk in Litauen gedreht wurde.

Das Reaktorunglück versinnbildlicht den kommenden Zerfall der UdSSR.

Das Reaktorunglück versinnbildlicht den kommenden Zerfall der UdSSR.

Das Kraftwerk befindet sich auf dem Gebiet der Ukraine, ein guter Teil der Sperrzone liegt in Weißrussland, die Helden der Katastrophe, die Liquidatoren, kamen aus der ganzen UdSSR, dennoch blickt die ganze Welt auf Russland. Dort sind die Reaktionen durchmischt, die stets Putin-kritische "Moscow Times", behauptet, dass der Kreml einen Krieg gegen die Serie führe – wegen gekränkter Eitelkeit. "Die Tatsache, dass ein amerikanischer und nicht ein russischer Fernsehsender uns von unseren eigenen Helden erzählt, ist eine Quelle der Schande, dass die Kreml-freundlichen Medien nicht wegdiskutieren können", so Ilya Shepelin. "Und das ist der wahre Grund, warum sie Fehler in der Tschernobyl-Serie von HBO suchen."

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Das Portal "Russia beyond the Headlines" bringt das Dilemma der russischen Zuschauer etwas unaufgeregter auf den Punkt: "Wo HBO's "Chernobyl" uns belogen hat. Und warum wir es immer noch loben sollten." Dem dortigen Publikum fallen die Ungenauigkeiten, die die Dramatisierung einer Serie mit sich bringt, eben weit mehr ins Auge als den US-Zuschauern. Dass die Serie die Zustände in der UdSSR schonungslos benennt, wird gelobt und nicht etwa als Netzbeschmutzung angesehen. "Russia beyond the Headlines" hebt als ersten Punkt hervor, wie das "schiere Ausmaß der sowjetischen Inkompetenz" herausgearbeitet wurde.

"Schade, dass wir so etwas nicht geschafft haben", solche Kommentare drücken die Stimmung der russischen Zuschauer wohl am besten aus. Nina Belenitskaya schrieb auf Facebook: "Der Schmerz fließt vom Bildschirm wie radioaktive Lava, die den Boden verbrennt." Die Serie halte den Russen den Spiegel vor, weil die Amerikaner "Dinge in uns erkannt haben, die wir nicht mehr sehen können."

Sehr viele bedauern, dass so eine Serie nicht in den Nachfolgestaaten der UdSSR gedreht wurde. "In den drei Jahrzehnten seit der Tragödie hat niemand im postsowjetischen Raum dem Ereignis jemals eine angemessene Bildschirmbehandlung verpasst. Wie bei der U-Boot-Tragödie K-19 oder dem Wettrennen um den Weltraum zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten erfährt die Welt von englischsprachigen Shows unsere Geschichte."

Die Angestellte Elena erinnert sich an ihren Vater, der das Ausmaß der Tragödie sofort erkannt habe, und "sehr wütend" auf die Partei gewesen war. Sie schrieb: "Wenn ich mir die Serie ansehe, sehe ich das gleiche sowjetische Essen, das wir hatten, die gleichen Kleider und Frisuren, alles ist so detailliert, dass es gruselig ist. Es ist, als wäre ich in eine Zeitmaschine getreten."

In Deutschland läuft "Chernobyl" bei Sky. Vier Episoden sind bereits verfügbar, am 11. Juni folgt die finale fünfte. Parallel dazu können alle Folgen auch via Sky Ticket, Sky Go und Sky On Demand abgerufen werden.

Quellen: RBTH