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"CSI": Den Mörder kennt nur die Leiche ...

...und sie bringen Tote zum Sprechen. Blut und Speichel weisen ihnen den Weg. Die Ermittler des "CSI" sind Biologen, Chemiker, Informatiker. Und verdammt cool. Der stern besuchte in L.A. die Dreharbeiten der zurzeit wohl erfolgreichsten TV-Serie der Welt.

Von Christine Kruttschnitt

Die Leiche vor der Tür sieht übel aus. Die Beine sind ab, die Gelenke bizarr überdreht, die Haare ausgerissen. Seit Stunden schon liegt sie in der Hitze. Als der Ex-Cop heute früh zur Arbeit kam, hat er sie nicht eines Blickes gewürdigt. Plastik. Alte Requisite. Spielkram. Er nahm die Sonnenbrille ab, tauchte aus der gleißenden Helle Kaliforniens in die Dunkelheit dieser riesigen Hallen, zapfte sich an der üblichen Stelle seinen Kaffee, grüßte die üblichen Leute, stellte sich an seinen üblichen Platz. Dahin, wo er die Blonde am besten beobachten konnte.

Mike Scott hat seinen Beruf als Polizist geliebt. Mehr als 25 Jahre war er bei der LAPD, dem Los Angeles Police Department, bekämpfte Gangs, schob Wache in Gefängnissen, arbeitete bei der Spurensicherung, bei den Sheriffs, im Morddezernat, ein Jahr lang lebte er sogar undercover und kaufte Knarren und Koks. Der Job war hart, sagt er, die hellen Augen auf die Blonde geheftet, aber er hatte das Gefühl, das Richtige zu tun. Als er sich vor zwei Jahren zur Ruhe setzte, wollte er eigentlich nichts mehr wissen von Leichenwasser, Schmauchspuren und DNA-Analysen. Aber er hatte völlig unterschätzt, wie beliebt der Tod ist. Eine ehemalige Kollegin rief ihn an. Mike, sagte sie, wir brauchen dich. Hollywood braucht dich.

Und so kam es, dass Mike Scott in diesen dunklen Studiohallen in Manhattan Beach, einem Strandort vor Los Angeles, landete. Er berät die Macher der Krimiserie "CSI", so wie jene Kollegin, mit der Mike Ende der Siebziger Patrouille in L. A. fuhr und die inzwischen zu einer Produzentin der Erfolgsshow aufgestiegen ist. Oder wie jener andere Ex-Cop, der als Biologe auf Mikes Tatorten ermittelte und jetzt Drehbücher fürs "CSI"-Team schreibt. "CSI", das steht für "Crime Scene Investigation" und ist das, was Mike sein Leben lang gemacht hat. Verbrechen aufklären, Spuren untersuchen, mit Hilfe von altmodischem Grips und superraffiniertem Hightech Tote zum Reden bringen. Die Serie, vor sechs Jahren ins Leben gerufen, ist derzeit die wohl erfolgreichste der Welt, und nicht wenig Anteil daran hat die Tatsache, dass Leute wie Mike ein Auge drauf haben.

Dank Spezialisten aus dem wahren Berufsleben stimmt jedes Detail

Natürlich geht es im Fernsehen nie wie in der Realität zu, aber die Details stimmen, die Wissenschaft ist up to date, die Fälle sind oft tatsächlichen Ereignissen nachempfunden. "Wie oft saß ich früher vor dem Fernseher und dachte: Das war doch mein Fall!", sagt Mike, und dann entschuldigt er sich und geht kurz rüber zu der Blonden. Ein Verhör wird gedreht; sie soll eine Pistole aus ihrem Gürtelhalfter nehmen und einem Uniformierten in die Hand drücken, ehe sie den Verdäch-tigen vernimmt. Die Schauspielerin Emily Procter, einer der Stars von "CSI: Miami", hat die Knarre ein bisschen zu lässig angefasst, findet Mike. Seine Pranke umschließt die Waffe wie eine Banane, so macht man das, und im Vorbeigehen raunt er dem Statisten in Uniform zu, dass übrigens sein Hemd aus der Hose hänge. Sollen Millionen Zuschauer in aller Welt - allein 5,78 Millionen Deutsche sahen den Ermittlern aus Miami vergangene Woche zu - Amerikas Gesetzeshüter für verdammte Schlamper halten?

Ihre Instrumene sind Mikroskope und chemische Lösungen

"CSI", das weiß natürlich auch Mike Scott, ist weit mehr als eine simple Serie, in der böse Jungs zur Strecke gebracht werden. "CSI" ist ein weltweites Phänomen. Die Helden - dies zur Erklärung für all jene, die seit "Derrick" nicht mehr ins Auge des Gesetzes geschaut haben und den strengen Blick übern Tränensack für des Kriminologen beste Methode halten -, die Helden also sind "nerds", wie man in Amerika sagt; ganz uncoole Typen eigentlich, Kopfmenschen, Wissenschaftler und Computerspezialisten, Biologen, Chemiker, gern auch Vertreter so deliziös klingender Künste wie der Entomologie, vulgo Krabbel-, Stech- und Nervviecherforschung. Ihre Instrumente sind Mik- roskope, Pinzetten, chemische Lösungen wie Phenolphthalein - zur Bestimmung von Blut - und manchmal auch ganz schlichte Baseballschläger, mit denen sie auf Dummys eindreschen, deren Plastikköpfe mit roter Farbe gefüllt sind. So untersuchen die Crime-Scene-Investigatoren das Muster von Blutspritzern am Tatort von Erschlagenen: Kam der Hieb von hinten? Die Leiche vor der Filmhalle in Manhattan Beach war so ein armes Versuchsobjekt.

Klein-klein-Sorgfalt-Gehabe fasziniert Millionen

In jeder Folge sieht man, wie die schlauen Typen an achtlos weggeworfenen Lutschern die DNA des Mörders entdecken oder per Haaranalyse im Computer den Weg des Kidnapping-Opfers verfolgen. Szene um Szene beugen sie sich übers Rasterelektronenmikroskop oder über frisch geöffnete Brustkörper, in denen bleiche Lungen von Vergiftung zeugen. Als vor mehr als sechs Jahren dem Studiochef des amerikanischen Fernsehsenders CBS das Konzept der Serie vorgeschlagen wurde, meinte er zweifelnd: "Wer will denn zusehen, wie einer mit Staub und Pinselchen Fingerabdrücke sichert?!" 300 Episoden später ist klar: "CSI" hat die Wissenschaft mit all ihrem Klein-klein-Sorgfalt-Gehabe und in ihrer für uns Laien so hermetischen Komplexität cool gemacht. Dank "CSI" versteht die fernsehguckende Welt, was sie im Innersten zusammenhält.

Alles ist verzahnt in Software, Ballistik und Infrarot-Spektroskopie

Zuverlässig geben diese Latexhandschuh-Helden Antworten auf letzte Fragen. Der Urangst, einer Gewalttat zum Opfer zu fallen und womöglich nie gerächt zu werden, setzen sie kühle Methodik entgegen. Keine Spur ist ihnen zu alt oder zu kalt, alles ist verzahnt in ihrem Universum aus Ballistik und Infrarot-Spektroskopie, Software und Rigor Mortis. "Sie spekulieren nicht, sie liefern Beweise", erklärt Ann Donahue, eine der Produzentinnen der Serie, den Erfolg. "Gerade wenn die Leute nicht wissen, woran sie glauben oder wem sie vertrauen sollen, ist diese Sicherheit sehr tröstlich. Die Wissenschaft hat recht, basta. Denken Sie daran, wie damals Bill Clinton behauptete, er habe keinen Sex mit der Praktikantin gehabt. Und dann tauchte dieses Kleid mit den Spermaflecken auf, die sich nach einer DNA-Untersuchung als seine herausstellten. Eigentlich", fügt sie hinzu und lacht, "war das wie eine Folge von "CSI"."

Es scheint, als hätten die "CSI"-Macher den Zeitgeist nicht nur erkannt, sondern gleich auf ihre Metalltische geschnallt und bis in die letzte Ritze analysiert. Aus der Pilotsendung, die im Herbst des Jahres 2000 ohne große Werbung und mit noch geringeren Erwartungen ins amerikanische Abendprogramm gehievt wurde, wuchs innerhalb kurzer Zeit ein Pathologen-Imperium mit zwei Ablegerserien ("CSI: Miami" und "CSI: NY") heran, mit Büchern, Computer- und Videospielen. Die Multimillionen-Dollar-Marke - allein am Verkauf der Ausstrahlungsrechte verdient die Produktionsfirma 250 Millionen Dollar im Jahr - verhalf dem graubärtigen Sender CBS zu einem neuen, frischen Image, belebte Karrieren von abgehalfterten TV-Größen wie David Caruso und inspirierte Dutzende Kopien.

"CSI" verhalf dem angestaubten Sender CBS zum besseren Image

In den USA ist schon länger die Rede vom "CSI-Effekt", den die Reihe angeblich aufs wahre Leben hat: In Geschworenenprozessen forderten die - juristisch ungeschulten - Jurymitglieder immer häufiger glasklare Beweislagen, wie sie es Woche für Woche bei "CSI" sehen. Nun ist dies ein Idealzustand, den es selten vor Gericht gibt. Als kürzlich der Schauspieler Robert Blake des Mordes an seiner Frau verdächtigt und trotz vieler belastender Aussagen freigesprochen wurde, begründete die Jury ihre Entscheidung damit, dass eine fehlende Untersuchung erhebliche Zweifel an der Schuld des alten Mannes bestehen lasse. Der Staatsanwalt über die Geschworenen: "Unglaublich dämlich."

"Dig deeper" - also genau hinschauen ist das Motto

Eine Medienrechtsprofessorin aus North Carolina hat eine Studie veröffentlicht, laut der die Sendung den Bestrebungen der Staatsanwaltschaft hingegen eher förderlich ist: So nähmen immer mehr Juroren an, jeder vorgelegte Beweis sei das Ergebnis intensivster Untersuchungen; als setzte sich bei jedem Kiosküberfall ein Team weiß gewandeter Spezialisten in Gang, deren Credo "Dig deeper!" lautet, "Schau genauer hin!" Das jedenfalls ist der Spruch, den das Team vom "CSI: New York"-Chef immer zu hören bekommt. Er gilt für die gesamte "CSI"-Familie; allein, er gilt nicht immer fürs wahre Leben. Jedenfalls, erzählt kichernd der Ex-Cop und "CSI"-Drehbuchschreiber Richard Catalani, gebe es in amerikanischen Gerichtssälen mittlerweile eine sogenannte "CSI"-Belehrung: die Damen und Herren Geschworenen sollten doch bitte keine Wissenschaftswunder erwarten.

Erfinder von "CSI" ließ sich von Doku inspirieren

Ausgedacht hat sich diese hehre Truppe von Resteverwertern der studierte Philosoph Anthony E. Zuiker. Das beleibte und bebrillte Babyface aus Las Vegas, Einzelkind und von klein auf mit dem Erfinden von Spielen und Geschichten beschäftigt, erinnert sich noch genau, wie er vor mehr als sieben Jahren mit seiner hochschwangeren Frau auf dem Sofa saß und überlegte, ob er sich jetzt mit Jennifer ihre obskure Lieblingssendung im Fernsehen anschauen oder lieber eine Runde Basketball spielen gehen sollte. Zuiker blieb sitzen. Zum Glück. Die Sendung hieß "The New Detectives" und war eine Doku-Reihe über Gerichtsmediziner, die mit Hilfe von Blutstropfen und Haaren alte, ungelöste Kriminalfälle abschließen konnten.

Zuiker schob für die Recherche Nachtschichten

Zuiker war alarmiert. Hatte etwa vor ihm noch keiner gemerkt, was für coole Typen das waren?! Die Medien interessierten sich immer nur für die Tat an sich, für die Zahl der Toten, für die Geschichte der Opfer, nicht aber für die mühselige forensische Arbeit, also das Spurenlesen und die Rekonstruktion der Ereignisse. Und in Polizeiserien stapfte der Held für gewöhnlich vom Tatort ins Büro, mampfte einen Bagel und bekam dann einen Anruf aus der Ballistikabteilung, dass die Kugel aus einem Polizeirevolver stamme oder so ähnlich. Wie diese Erkenntnis zustande kam, blieb im Dunkeln. Bis jetzt! Zuiker rief sofort bei der Polizei in Las Vegas an und fragte, ob er zu Recherchezwecken deren CSI-Einheit begleiten dürfe. Sechs Wochen lang schob er Nachtschicht und ließ sich von den Cops die saftigsten Fälle erzählen.

<zwizti>Hollywoodproduzent Bruckheimer entdeckte "CSI" für die Massen Die Erfahrung des heute 37-Jährigen mit dem Filmgeschäft beschränkte sich bis dahin auf das Erfinden von Monologen für seinen Freund, einen arbeitslosen Schauspieler, der Texte für Vorsprechtermine brauchte. Und ein Drehbuch hatte er verfasst, über einen Spieler - Zuikers Mutter war Croupier. Immerhin war Jerry Bruckheimer auf ihn aufmerksam geworden. Der auf Action spezialisierte Hollywoodproduzent ("Fluch der Karibik") drängte ins TV-Geschäft und suchte Stoffe. Ob Zuiker vielleicht eine Idee...? Hatte er. Bei ihrem ersten Treffen attackierte ihn Zuiker förmlich damit, er spielte "CSI" mit verteilten Rollen vor, warf mit Fachbegriffen aus der Gerichtsmedizin um sich und erklärte eine Filmtechnik, die er "snap zooms" nannte: Mit Hilfe von Computeranimation wollte er Details wie ins Fleisch dringende Pistolenkugeln oder brechende Knochen zeigen, wusch, zack, zoing; das war ganz in Bruckheimers Sinne.

Der TV-Neuling durfte produzieren, der Nobody schreiben, der Darling des TV-Chefs spielen

Der erste Sender, dem die beiden das Konzept unterbreiteten, lehnte ab. Dito der zweite. Die Serie klang teuer, der Erfinder war ein Nobody, sein Förderer ein Fernsehneuling. Zuiker war am Boden zerstört. Inzwischen hatte jedoch der Schauspieler William Petersen - Kinofans aus dem Thriller "Manhunter" bekannt - das Drehbuch gelesen und sich in die Rolle des "CSI"-Chefs verguckt; den wollte er spielen, nichts anderes. Der Chef des Fernsehsenders CBS indes, Les Moonves, war seit Jahren schon hinter William Petersen her; den wollte er haben für eine Fernsehserie, keinen anderen. So kam alles zusammen: Der Fernsehneuling durfte produzieren, der Nobody durfte schreiben, CBS teilte sich die Kosten - und später den Erfolg - mit der kanadischen Produktionsfirma Alliance Atlantis Communications.

Bei der ersten internen Vorführung für den CBS-Chef gab's Häppchen. Auf dem Bildschirm fährt William Petersen mit seinem "CSI"-Van vor, marschiert ins Badezimmer eines Hauses zur Leiche, setzt sich seine Brille auf und begutachtet in dem Moment, in dem Les Moonves sich gerade eine Gabel Krautsalat in den Mund schob, einen Haufen bleich wuselnder, fetter Maden. In Großaufnahme.

Ausgestrahlt wurde trotzdem, und "wir wussten gleich am nächsten Morgen, dass wir der Hit waren", sagt Zuiker heute, wo mit seiner kleinen Erfindung im Jahr rund zwei Milliarden Dollar um- gesetzt werden. "War ich überrascht? Nein. Ich war ja neu, ich wusste nicht, wie sich Flops anfühlen."

Erfolgsgeheimnis ist der Look, die Mikro-Animationen

Er sagt, das Erfolgsgeheimnis von "CSI" sei der Stil, der "Look": die schnellen Rückblenden zum Beispiel, in denen gezeigt wird, wie das soeben gefundene Stück Porzellan zum Aufschlitzen einer Kehle benützt wurde (ja, in Großaufnahme). Die Mikro-Animationen, wo die Kamera ins Körperinnere dringt und Venen oder Nervenbahnen entlangsaust. Maden, offene Kehlen, offene Beine: Schön ist der "CSI"-Look nicht gerade. Keinesfalls die ideale Begleitung zum Abendessen. Mindestens einmal pro Folge kommt ein Igitt-Bild, ganz im Dienst der Wissenschaft natürlich. Vergangene Woche, erzählt Produzentin Donahue, wurde ein Opfer geköpft. "Das haben wir wieder rausgeschnitten, zu eklig." Gucken die Leute nicht wegen des Ekelfaktors? "Aber nein!", sagt Zuiker entrüstet. "Im Gegenteil. Sie verzeihen uns das Eklige, weil die Wahrheit eben nicht immer schön ist."

"Kino-Fernsehen" hat Zuiker den "CSI"-Look einmal genannt. Gemeint ist, dass die Szenen anders ausgeleuchtet sind als die meisten im Studio gedrehten Sendungen. Mit dem Computer wird das Licht außerdem technisch nachbearbeitet, so sieht "CSI" nicht "so flach" aus wie das übrige Fernsehen, erklärt Ann Donahue. Wer beim Zappen in einer "CSI"-Folge hängen bleibt, erkennt dies sofort. Bruckheimer, der Kino-Mann, drängte auf bestimmte Ausstatter und "Visual Arts"-Spezialisten, die - bei immerhin fast drei Millionen Dollar Produktionskosten pro Folge - stimmungsvolle Ex- und Interieurs zaubern. Zu düster, bemängeln manche Zuschauer. Thematisch, sagen die Macher.

Miami glänzt sonnig-gelb, Las Vegas Dollarschein-grün

Im Original-"CSI" mit William Petersen, das in Las Vegas spielt, ist Grün die vorherrschende Farbnote - giftgrün wie die Unterwelt von "Sin City", mattgrün wie die Dollarscheine, von denen dort jeder träumt. Im Ableger "CSI: Miami" glänzt alles in Gelb: Aus den Höhlen und Höllen von Las Vegas geht es in die Sonne von Florida, die Szenen sind in warmes Licht getaucht, der "Look" ist sexy, frisch, verführerisch. Blau dominiert den dritten Schauplatz "CSI: NY". Der dortige Chef, gespielt vom Kinostar Gary Sinise, ist seit den Anschlägen vom 11. September Witwer und lebt im permanenten Blues; Licht und Ausstattung orchestrieren seinen Seelenzustand.

"CSI: Miami" ist die erfolgreichste der drei Reihen. Vielleicht liegt es an David Caruso, der den Teamchef als eine Art Dirty Harry mit Herz spielt - er redet nicht viel, aber er hat all die Antworten. Der rothaarige Schauspieler, der es nach einer kurzen TV-Karriere im Kino versuchte und auf die Nase fiel, erlebt mit der Serie ein glanzvolles Comeback. Er lebt in Miami, aber zum Drehen muss er rüberfliegen an die Westküste. Nur dreimal im Jahr macht sich die Filmcrew auf nach Florida für Außenaufnahmen, den Rest von Miami doubelt Kalifornien.

Eine Crew von 200 Leuten ist im Studio

In Halle 24 der Raleigh Studios von Manhattan Beach stehen mehrere hunderttausend Dollar an medizinischer Gerätschaft herum. Hier werkelt, umgeben von rund 200 Technikern, Ausstattern, Assistenten, Regisseuren und Produzenten, das Team von David Caruso alias Horatio Caine. Metallisch schimmern die Bahren im Anatomielabor, auf den Computerschirmen im "AV-Lab", wo Audio- und Videodokumente untersucht werden, tanzen eindrucksvolle Grafiken. 7000 Dollar koste dieser wunderbare Gas-Chromatograf-Massenspektrometer, raunt stolz der technische Berater Mike Scott. Er baut sich hinter einem der Mikroskope auf. Damit könne man untersuchen, ob zwei Gewebeproben von derselben Quelle stammen. Alles echt!

Auch die Waffen? Der Ex-Cop blickt scharf auf. "Nein, natürlich nicht. Aber kaum einer sieht den Unterschied." Er musste den Stars beibringen, wie man das Ding hält, und sich für jeden einen eigenen Stil ausdenken. Niemand darf so zielen wie David Caruso, weil: Caruso ist der Chef. He, sagt Scott und lacht, "das ist trotz allem Hollywood".

Mit den Knarren wird gemogelt. Und mit der Zeit. In der "CSI"-Welt geht alles ein bisschen schneller: Dauert ein DNA-Test in Wirklichkeit vier bis fünf Tage, so bekommt Horatio das Ergebnis nach zehn Minuten auf den Tisch. Und die Arbeit am Tatort, sie kann in Wahrheit zäh sein, zermürbend. Mit anderen Worten: sterbenslangweilig.

Immer die neuesten Gimmicks aus der Wissenschaft

Und für Langeweile wird keiner der Schreiber bezahlt, die hinter der Filmhalle ihre Büros haben. Sie sollen immer die neuesten Gimmicks aus der Welt der Wissenschaft im Kopf haben; sollen medizinische Fachbegriffe ins Skript stricken, aber den Zuschauer damit nicht erschlagen; sollen immer neue Kriminalfälle aufstöbern. Vier bis fünf Tage brauchen die Autoren für eine Folge, in acht Tagen ist sie abgedreht.

Der Druck ist groß, die Konkurrenz schläft nicht. Erstmals hat jetzt in den USA die neue Klinik-Seifenoper "Grey's Anatomy" den "CSI"-Machern die Quoten am Donnerstag versaut, dem wichtigsten Fernsehabend der Woche. Die Beweislage war glasklar: Jüngere Zuschauer schauten Wissenschaftlern lieber beim Flirten als beim Arbeiten zu.

Hierzulande haben Horatio und Co., frisch auf Erfolgskurs, nichts zu fürchten. Dennoch eine kleine "CSI"-Belehrung fürs deutsche Publikum: keine Wunder erwarten. Einfach nur verdammt gutes Fernsehen.

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