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"Das Jenke-Experiment" - der Macher im Interview: "Meine Grenzen spielen keine Rolle"

Mit vier neuen Experimenten kehrt Jenke von Wilsmdorff zurück. Im stern-Interview spricht er über seinen härtesten Selbstversuch - und verrät, was er mit seiner Sendung erreichen will.

Von Carsten Heidböhmer

Jenke von Wilmsdorff setzt sich in das "Das Jenke-Experiment" auf RTL wieder mit allerlei Themen auseinander

Jenke von Wilmsdorff setzt sich in das "Das Jenke-Experiment" auf RTL wieder mit allerlei Themen auseinander

Herr von Wilmsdorff, am kommenden Montag startet die neue Staffel von "Das Jenke-Experiment" mit vier neuen Folgen. Wer denkt sich die Themen aus - Sie oder die Redaktion?
Von den vier neuen Themen kamen drei Themen von den Zuschauern, das vierte Thema Organspende habe entstand im Redaktionsteam.

Die erste Sendung befasst sich mit dem Thema Stress. Sie haben dafür auf Schlaf verzichtet ...


Das habe ich allen Menschen in meinem Umfeld gesagt: Wenn ihr mich wirklich stressen wollt, dann müsst ihr mir den Schlaf rauben. Das war schon immer so. Das hat mich schon im meiner kompletten Schulzeit gestresst.

War der Verzicht auf Schlaf das größte Opfer, das Sie für die neue Staffel gebracht haben?


Das kann man so nicht sagen. Das ist unangenehm. Aber jedes einzelne Experiment ist für mich körperlich und psychisch Schwerstarbeit. Das ist immer eine intensive Auseinandersetzung. Nicht zu schlafen ist unangenehm. Aber es ist repräsentativ: Viele Deutsche führen genauso ein Leben. Weil sie Multijobber sind. Oder weil sie so gestresst sind, dass sie nachts nicht einschlafen können.

In der zweiten Sendung haben Sie sich Muskelmasse zugelegt. Ist davon etwas übrig geblieben?
Zum Glück ja. Es schwindet täglich, weil ich keine Zeit habe, auf dem Niveau zu trainieren. Es ging aber nicht primär um den Aufbau von Muskeln, sondern um die Frage: Ist es möglich, selbst im fortgeschrittenen Alter von 49 Jahren aus seinem Körper Überraschendes herauszuholen - oder resignieren wir zu früh? Die große Überraschung ist: Man kann noch so viel machen. Wenn ich richtig trainiere, hole ich aus meinem Körper fantastische Ergebnisse raus.

Also ist es nie zu spät?


Es ist niemals zu spät. Ich hab Menschen getroffen, die mit 60 noch Marathon laufen. Na klar, wenn man mit 80 anfängt Bodybuilding zu machen und auf einen coolen Oberkörper zu hoffen, ist das wohl eher aussichtslos. Der erste Schritt reicht ja schon. Ich glaube ja, dass sich sehr viele Menschen in ihrem Körper nicht wohl fühlen und resignieren. Dagegen möchte ich angehen: Es ist noch alles machbar, ihr habt noch alle Möglichkeiten, damit ihr zufriedener seid.

Bei welchem Experiment haben Sie am meisten gelernt, auch über sich selbst?


Ich lerne bei jedem Experiment irrsinnig viel über mich selbst. Ich habe aber bei dem Experiment zum Thema Alter und Tod viele neue Ansichten entwickelt, eine andere Betrachtungsweise auf mein Leben gewonnen. Ich sehe nach jedem Experiment die Welt und die Menschen anders.

Würden Sie sagen, Sie sind durch die Experimente ein anderer Mensch geworden?


Ein anderer Mensch geworden bin ich nicht, aber ich bin wachsamer geworden. Nicht nur was Gefahren angeht. Sondern in Bezug auf den Wert des eigenen Lebens und die Work-Life-Balance, die bei den meisten von uns durcheinander geraten ist. Wir legen zu großen Wert auf wirtschaftliche Unabhängigkeit und Erfolg und vergessen den Wert des Lebens.

Gibt es für Sie eine Grenze, was Sie nicht machen würden?


Ja. Definitiv würde ich nichts machen, was einfach nur der Provokation dienen würde. Es gab provokante Vorschläge nach meinem Kiffer-Experiment: Jetzt probier doch mal Crack aus, oder Heroin. Das würde ich nie machen. Da sehe ich auch keine Relevanz. Natürlich gibt es Menschen, die unter Heroin-Sucht leiden. Aber wenn ich stellvertretend mit Alkohol und Kiffen die Gefahren der Sucht thematisiere und zeige, wie man wieder rauskommen könnte, genügt das. Und natürlich mache ich nichts, was die Menschen in meinem Umfeld und mich dauerhaft schädigt.

Geht es Ihnen mit Ihren Experimenten darum, Ihre eigenen Grenzen auszutesten - oder wollen Sie etwas gesellschaftlich Relevantes schaffen, von dem die Zuschauer etwas für ihr eigenes Leben mitnehmen?


Darum geht es ausschließlich. Meine persönlichen Grenzen spielen gar keine Rolle. Alles was mir widerfährt, durchlebe ich stellvertretend für den Zuschauer. An die Grenzen, die ich erlebe, wird auch jeder einzelne Zuschauer stoßen. Mein Selbstversuch ist also immer nur eine Brücke zu dem Thema. Durch meinen Einsatz generiere ich Aufmerksamkeit für das Problem. Ich bin nur der Türöffner.

Der Zuschauer schaut sich das dann gemütlich im Fernsehsessel an und kehrt nach einer Stunde in sein Leben zurück. Was ändert sich durch Ihre Experimente?


Es ist definitiv so, dass sich die Zuschauer die Sendung daheim auf dem Sofa mit einem Getränk in der Hand und einer Tüte Chips angucken und danach ihr Leben weiterleben. Ich bin aber sicher, dass etwas zurückbleibt. Das Bewusstsein der Zuschauer hat sich verändert. Das ist wie ein Samen, den man sät. Irgendwann entsteht eine Pflanze daraus. Das klingt nach wenig, ist aber sehr viel.

Sollten die Zuschauer in ihrem eigenen Leben selbst kleine Experimente machen?


Ja, warum denn nicht? Ich würde niemandem raten, sich vier Wochen die Promille-Kante zu geben. Es reicht, wenn ich das mache. Aber kleine Experimente sind immer gut. Ich appelliere gerne, sich weiterzuentwickeln. Geht auch mal ungewohnte Wege!

Haben Sie während eines Experiments schon mal dran gedacht, abzubrechen?


Ja, das gab es öfter. Bei dem Alkohol-Experiment hab ich nach einer Woche gedacht, das schaffe ich nicht. Aber diese Momente des Zweifels gehören dazu, und die dokumentiere ich auch. Das ist mein Anspruch an Authentizität. Zweifel hatte ich ganz intensiv bei dem Experiment, das sich mit Behinderung auseinandersetzte. In einen blinden Zustand versetzt zu werden, hat mich in der ersten Nacht in absolute Panik versetzt. Ich hab gedacht, eine Woche die absolute Schwärze zu sehen halte ich nicht aus. Da habe ich aber im Laufe der Jahre Techniken entwickelt, meine Nerven zu beruhigen. Ich hab bislang kein einziges Experiment abgebrochen.

Sind Sie selbst manchmal überrascht, dass Sie ausgerechnet bei dem werbefinanzierten Privatsender RTL Ihr Aufklärungsprogramm durchziehen können?


Ich bin seit 14 Jahren bei RTL und habe dort von Anfang an viele Freiheiten gehabt, viele spannende Reportagen machen können. RTL ist wie ein Kiosk: Da kriegt man alles. Ob man das alles haben will oder nicht, ist jedem Einzelnen überlassen. Nach jetzigem Stand ist RTL der einzige Sender, bei dem das möglich ist. Ich wüsste nicht, ob ich bei den öffentlich-rechtlichen Sendern diese Freiheiten hätte. Da gäbe es sicher sehr viele Bedenken: Kann man nicht machen, ist zu provokant. RTL hat mehr Mut zum Risiko.

RTL sendet vier neue Folgen von "Das Jenke-Experiment", ab Montag, 16. Februar, 21.15 Uhr. Die erste Folge ist dem Thema Stress gewidmet. Die Themen der weiteren Ausgaben: Körperkult, Massentierhaltung und Organspende.

Interview: Carsten Heidböhmer
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