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Serien-Hit: "Game of Thrones": Jaime Lennister – die tragischste Figur von Westeros

Er war das blonde Ekel, der Königsmörder, er schubste Kinder aus Fenstern – und wandelte sich zu einem der Fan-Lieblinge. Jaime Lennister ist die wohl tragischste Figur in "Game of Thrones". Auch, wenn viele Zuschauer mit seinen jüngsten Entscheidungen nicht einverstanden sind.

Jaime Lennister

Er kam in den Norden, um die Menschheit zu retten. Doch am Ende zog es ihn wieder zurück nach Hause.

Achtung: Dieser Text verrät Inhalte der aktuellen achten Staffel von "Game of Thrones" und aus allen bisherigen Staffeln. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

Am Ende war Jaime Lennister wieder am Anfang angekommen: In den Armen seiner geliebten Schwester Cersei, gemeinsam vom Roten Bergfried erschlagen, in dem er den Großteil seines Lebens verbracht hatte. Der Weg dorthin ist einer der tragischsten in der mit Schicksalen prall gefüllten Serie.

Das blonde Ekel

"Das ist Jaime Lennister - der Bruder der Königin", so hören wir es aus dem Mund eines der Bürger von Winterfell, als Jaime das erste Mal ins Bild reitet. Blond, in glänzender Rüstung und mit einem arroganten Lächeln auf den Mundwinkeln. Jeder Zuschauer weiß sofort: Das ist ein echtes Ekel. Auch in Westeros ist Jaime da schon berühmt-berüchtigt. Er gilt bis in den hohen Norden als bester Schwertkämpfer des Kontinents, hat sich mit dem Mord am verrückten König Aerrys Targaryen einen legendären Ruf, aber auch viel Verachtung erworben.

Die Zuschauer hassen Jaime am Anfang ebenfalls: Schon in der ersten Folge schubst er mit Bran Stark ein unschuldiges Kind in den vermeintlichen Tod, weil der ihn und Cersei beim Inzest-Sex beobachtete. "Was man nicht für die Liebe tut“, sagt er fast beiläufig - und die Zuschauer schäumen. Wohl kaum jemand dürfte zu diesem Zeitpunkt geahnt haben, dass dieser gnadenlose Schnösel mal zu einem Fan-Liebling werden würde.

Ein langer Weg

Das hat Jaime vor allem seiner Wandlung im Laufe der Handlung zu verdanken. Wie kaum eine andere Figur hat er es geschafft, sich vom gigantischen Egomanen zum einfühlsamen und nach moralischen Vorstellungen handelnden Helden zu entwickeln. Vor allem die Reise mit Brienne von Tarth bewirkt Wunder. Nachdem ihn Catelyn Stark mit der Hünin zurück nach Königsmund schickt, lernen sich die beiden völlig gegensätzlichen Kämpfer immer mehr schätzen. Spätestens als Jaime sein Leben riskiert, um Brienne vor einem Kampf gegen einen Bären zu retten, gewinnt er nicht nur bei der harten Brienne, sondern auch beim Publikum Sympathien. Der Preis ist indes immens: Jaime verliert seine rechte Hand - und kann nun nicht mehr mit dem Schwert kämpfen.

Für den Zuschauer wird der arrogante Schnösel mit dem Verlust seiner Hand immer mehr zum Mensch. Seines wichtigsten Merkmals - der Schwertkampfkunst - beraubt, fällt Jaime in ein tiefes Loch, muss sich erst langsam wieder daraus hervorarbeiten. Gleichzeitig sehen wir immer mehr seine emotionalen Konflikte. Da ist der tyrannische Vater Tywin, dem Jaime es nie recht machen kann. Von seiner großen Liebe, der Zwillingsschwester Cersei, darf niemand wissen. Selbst die drei gemeinsamen Kinder ahnen nichts, halten den sie liebenden Jaime für ihren Onkel. Als er seine Tochter Mycella aus Dorne zurückholt und ihr endlich seine Vaterschaft beichtet, liegt sie sterbend in seinen Armen. 

Und dann ist da natürlich sein Bruder Tyrion, der Gnom. Während die ganze Welt auf ihn herabschaut, bringt Jaime seinem ungleichen Bruder Liebe und Achtung entgegen. Und geht gerne auf ihn ein: Schon in einer der ersten Folgen bringt Jaime ihm neue Mädchen ins Bett, das Gespräch der beiden Brüder im Kerker nach dem Mord an Vater Tywin gehört zu den besten der Serie. Die Zuschauer, die Tyrion schon von Anfang an lieben, lernen auch durch ihn und die gemeinsamen Momente, Jaime immer mehr zu schätzen.

Am Ende siegt nicht die Moral

Vor allem sehen wir Jaime aber immer wieder moralische Entscheidungen treffen. Er stellt sich gegen abstoßende Befehle seines Sohnes Joffrey, verhindert nicht die Flucht von Tyrion und lässt ihn so dem Tode entgehen. Immer wieder versucht er, die grausamen Rachefantasien seiner Schwester einzudämmen. Am Ende hat er genug: Als sich Cersei entscheidet, Daenerys und Jon die versprochene Hilfe im Kampf gegen die Untoten zu verweigern, reitet Jaime alleine nach Norden.

Und trifft dort wieder auf Brienne. Dass sich die beiden weit über das professionelle Maß hinaus schätzen, deutet sich schon länger an. Spätestens, als Jaime Brienne zum Ritter schlägt, ist es um die taffe Kämpferin geschehen. Nach der Schlacht - und ein Trinkspiel später - landen die beiden dann sogar im Bett. Eine Szene, die unter Fans heftig umstritten ist. Irgendwann zwischen dem Kampf gegen die Untoten und der Liebesnacht mit Brienne scheint es bei Jaime aber wieder zu klicken: Er muss zurück zu seiner Cersei. Koste es, was es wolle.

Poetisches Ende

Bei der Entscheidung dürften auch zwei der schwersten Konfrontationen mit seiner Vergangenheit eine Rolle gespielt haben: Daenerys ist die Tochter von Aerrys und auch Bran hat Jaime seit dem Mordversuch nicht mehr gesehen. Doch er hat Glück: Beide scheinen sich mit der Vergangenheit abgefunden zu haben. Und auch Jaime kann nun weiterziehen.

Dass es ihn am Ende wieder zu Cersei zieht, stört viele Fans. Sie fragen sich, wozu er die ganze Wandlung in der Serie durchgemacht hat. Dabei passt das Ende perfekt zu Jaime: Auch wenn er am Ende der Serie ein ganz anderer Mann ist als zu Anfang: Das Wichtigste ist für ihn immer noch die Familie - und Cersei. Wie eine Droge kommt er nicht von ihr los. "Alles andere ist egal", sagt er Cersei, als um sie herum die Welt zusammenbricht.

Auch das ist durchaus poetisch: Jaime wurde im ganzen Reich berühmt, weil er Aerrys davon abhielt, die Stadt Königsmund mit Seefeuer zu zerstören. Nun stirbt er, weil er dessen Tochter half, den Kampf gegen die Untoten zu überleben - sodass sie die Stadt mit Drachenfeuer in Schutt und Asche legte. Der Kreis schließt sich also gleich zweimal.

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