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TV-Kritik

"Hart aber fair": Gute Frage, keine Antworten – wie sich Plasberg und Gäste mit der Essener Tafel schwertaten

Bei "Hart aber fair" diskutierte Frank Plasberg über die Frage, was der Fall der Essener Tafel zeigt. Antworten konnten die Gäste jedoch nicht liefern.

"Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg (r.) mit seinen Gästen

"Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg (r.) mit seinen Gästen

"Fremde gegen Deutsche, Arme gegen Arme: Was zeigt der Fall der Essener Tafel?", fragte Frank Plasberg bei "Hart aber fair" und – um es vorwegzunehmen: Beantwortet wurde diese Frage in den 60 Minuten nicht.

Stattdessen beteten die Gäste weitgehend zusammenhanglos ihre Agenda runter und wiederholten teils hinlänglich bekannte Standpunkte:

  • Katja Kipping, die Vorsitzende der Linkspartei, warf allen bisherigen Bundesregierungen "Versagen" bei der Bekämpfung der Armut vor und forderte einen "starken Sozialpakt" mit einer höheren Grundrente und weniger Hartz-IV-Sanktionen. Das war wenigstens der Hauch einer Vision.
  • Manfred Baasner, Chef der Tafel in Bochum-Wattenscheid, verriet, wie sein Verein auf Schwierigkeiten bei der Essensausgabe reagiert hat. Neue, klare Regeln und "miteinander lachen und sprechen". Froh wäre er aber, wenn seine Arbeit nicht mehr nötig wäre.
  • Stephan Mayer, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sah zwar die "Gefahr, dass die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander klafft", aber insgesamt sei die Lage in Deutschland nicht so schlimm wie in anderen Ländern Europas. Die Union jedenfalls habe viel Gutes für die Rentner im Land getan und man könne stolz auf die ehrenamtliche Arbeit bei den Tafeln sein. Ob die Union allerdings Handlungsbedarf bei der Versorgung armer Menschen sieht, wurde aus seinen Beiträgen nicht deutlich.
  • Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, konnte "Verteilungskämpfe" und "Soziale Innovationen" wie die Tafeln wissenschaftlich fundiert beschreiben, vermittelte aber bis auf die Forderungen, dass es "mehr Fallbetreuer in den Ämtern" und "ein verlässliches Zeitregime der Betreuungsstrukturen" geben sollte, wenig den Eindruck, als müsse sich etwas am Status quo in Deutschland ändern. "Das Land ist nicht vor dem sozialen Zusammenbruch."
  • Musiker Frank Zander ("Hier kommt Kurt") konnte von seinem Einsatz für Berliner Obdachlose berichten und erzählte, dass er wachsende Armut wahrnimmt ("Verwöhnte Töchter sollten mal den Bahnhof Zoo besuchen"). Volkswirt Hüther warf er vor, zu sehr mit Zahlen zu jonglieren. "Es gibt auch so etwas wie Mitleid." Damit war er quasi die Stimme des Volkes in der Runde.

Das war es dann aber im Grunde auch. Nun ist es jedoch nicht so, dass die Überschrift der Sendung zu wenig Diskussionsstoff lieferte, doch Moderator Frank Plasberg tat sich schwer, sich für ein Thema zu entscheiden.

"Hart aber fair": Wichtige Fragen wurden nicht gestellt

Die in den vergangenen Tagen heftig geführte Debatte darüber, ob es sich bei dem Aufnahmestopp für Ausländer an der Essener Tafel um Rassismus handelt, hätte sich etwa angeboten. Oder die Frage, weshalb einige Bedürftige sich offenbar derart rücksichtslos verhielten, dass sich der Verein nicht anders zu helfen wusste, als sie auszusperren. Interessant zu wissen wäre auch gewesen, warum sich Menschen in Deutschland für rund 4,50 Euro, die ihnen nach Hartz-IV-Regelsatz täglich mindestens für Lebensmittel zur Verfügung stehen, nicht gesund ernähren können und massenhaft das Angebot der Tafeln in Anspruch nehmen (müssen). Gerne hätte man auch gehört, ob es möglicherweise ein Zeichen für das Versagen des Sozialstaats ist, dass Tafeln landesweit die Lebensmittelversorgung der Armen übernehmen. Und überhaupt: Wie hängt das alles miteinander zusammen?

Doch nach all dem fragte Moderator Frank Plasberg kaum, vielleicht wusste er auch, dass diese Gästeauswahl ihm ohnehin keine Antworten geliefert hätte. 

Und so ist die Antwort auf die Frage, was uns der Fall der Essener Tafel zeigt, die, dass vielleicht noch mal über das Thema und die soziale Situation in Deutschland geredet werden sollte – mit Betroffenen und Verantwortlichen.