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TV-Tipp 27.11.: "Love And Other Drugs": Sex, Lügen und Parkinson

Ein Liebespaar in Zeiten des Zynismus und von Viagra. "Love&Other Drugs" könnte oberflächlich schillernd untergehen wie die 90er. Doch dann entscheiden sich Jamie und Maggie anders.

Anne Hathaway und Jake Gyllenhaal in "Love&Other Drugs": lustiger, ernster und nackter als erwartet

Anne Hathaway und Jake Gyllenhaal in "Love&Other Drugs": lustiger, ernster und nackter als erwartet

"Love&Other Drugs" 20.15 Uhr, Pro Sieben
Die 90er. Hochzeit des Zynismus. Gefühle sind was für Warmduscher, und Harald Schmidt ist die tägliche Rosskur dagegen. Jeder Satz, der im Verdacht der Seriösität steht, endet mit einem fiesen kleinen Lachen, an dem man sich das Herz aufschneiden kann. Eigentlich kein Wunder, dass ausgerechnet in dieser Zeit Viagra erfunden wurde, um auch aus dem letzten Weichei einen harten Kerl zu machen. Das ist die Prämisse für "Love&Other Drugs", ein Liebesfilm mit Jake Gyllenhaal und Anna Hathaway.

Gyllenhaals Jamie ist ein Mistkerl. Hedonist in Reinform, dessen höchstes Ziel zwischen Frauenbeinen liegt. Seinen "Pick-up-Artist"-Charme kann er besonders gut als Pharmavertreter einsetzen. Die Szenen, die ihn auf Kundenfang zeigen, sind großes Unterhaltungskino. Bei einem Verkaufsbesuch beim Arzt trifft er Maggie (Hathaway), die jung, schön und Parkinson-krank ist. Weil Jamie trotzdem meint, dass dreist gewinnt, ist er bei einer Untersuchung dabei, als Maggie ihren Busen freilegt. Als sie herausfindet, dass Jamie nicht der Assistenzarzt sondern ein Pharmavertreter ist, verprügelt sie ihn auf dem Parkplatz. Das macht den körperfixierten Jamie natürlich ganz kirre.

Obwohl Maggie eigentlich auch nichts anderes will, als das warme Gefühl im Bauch befriedigen, kommt es, wie es im Kino kommen muss: Die beiden mögen sich richtig gern. Das verstört sie zwar etwas, macht sie aber auch neugierig. Bis dahin ist "Love&Other Drugs" ein unterhaltsamer, hervorragend gespielter Liebesfilm, der freizügiger ist, als man es von Hollywood erwartet, der aber auch nicht mehr über Liebe und Potenzstörungen zu berichten weiß als andere Filme.

Doch dann traut sich Regisseur Edward Zwick ("Unbeugsam", "Der letzte Samurai") ein ziemlich großes Fass aufzumachen und dessen Inhalt, der so gar nicht in die 90er passt, auf klassisch schöne Weise an den Kinozuschauer zu bringen. Es geht um Maggies Parkinson-Krankheit und deren Bedeutung für die doch so wild-entspannte Beziehung. Und so sehr sich Nebencharaktere wie Jamies wirklich überflüssig Mario-Barth-mäßiger Volltrottel-Bruder Josh auch bemühen, den "American Pie"-Humor zu befriedigen, driftet "Love&Other Drugs" zunehmend in Richtung des gefeierten Liebesdramas "Love Story".

Dass man die Geschichte von Jamie und Maggie am Ende wirklich ernst nimmt, liegt vor an den Hauptdarstellern. Geht doch, möchte man am Ende sagen. Wäre nur dieser dämliche Bruder nicht. Aber der stammt eben noch aus den 90ern.

Ein TV-Tipp von Sophie Albers Ben Chamo, Redakteurin beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Arturo Sandoval - Live von der Jazzbühne Berlin 1988"
23.05 Uhr, MDR
KONZERT "Wenn man da gehört werden will, muss man laut spielen", so Kubas Trompetengott über seine Heimat. Das Konzert im Friedrichstadtpalast wurde vom DDR-Fernsehen aufgezeichnet. (bis 0.00)

"Charles Dickens' Little Dorrit"
20.15 Uhr, Arte

SERIE Welche Schuld verbindet die Familie Clennam mit der verarmten, im Gefängnis aufgewachsenen Amy Dorrit (Claire Foy)? Arthur Clennam schwört, das Geheimnis zu lüften. – Frei adaptiert nach Charles Dickens’ Klassiker, wurde die BBC-Serie 2009 mit sieben Emmys ausgezeichnet. (bis 21.05)