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"Marienhof" statt Mauerfall Wickert knöpft sich ARD und ZDF vor


Zu viel Tralala, zu wenig Nachrichten: Ex-"Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert erhebt schwere Vorwürfe gegen seine ehemaligen Arbeitgeber. Den öffentlich-rechtlichen Sendern fehle es an politischem Verständnis und seinen Nachfolgern an Satzbau-Kenntnissen.

Früher wünschte er seinen Zuschauern eine geruhsame Nacht, heute sorgt er sich um ihre Nachrichtenversorgung: Ex-"Tagesthemen"- Moderator Ulrich Wickert hat ARD und ZDF in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" scharf angegriffen, weil sie in seinen Augen zu stark auf Unterhaltung setzen. "Es fehlt nicht nur an einem Sinn für die Verbreitung wichtiger, aktueller politischer Inhalte", schrieb Wickert. "Erst recht habe ich den Eindruck, es fehlt auch an der Einordnung."

Irak statt Westerwelle

Wirklich geärgert habe er sich, dass in keiner Nachrichtensendung das neue Bundeskabinett vollständig vorgestellt worden sei. "Eine Sondersendung, einen 'Brennpunkt' etwa, hob niemand in das Programm. Das kann heute wohl keiner mehr verlangen. Freitag und Samstag gehören der Unterhaltung!"

Am Sonntag danach habe die FDP auf einem Parteitag den Koalitionsvertrag mit einem merkwürdig jubilierenden Guido Westerwelle verabschiedet - ARD aktuell habe seine Nachrichten aber lieber mit einem Attentat im Irak aufgemacht. "Solche Attentate ereignen sich alle paar Tage", schrieb Wickert.

"Marienhof" statt Merkel

Einen Tag nach der Bundestagswahl habe die ARD keinen "Brennpunkt" senden wollen. Dies sei eine Intendantenentscheidung gewesen. Dass es dann doch einen gegeben habe, sei der Intervention des Hauptstadtstudios und des ARD-Chefredakteurs zu verdanken gewesen. "Es fehlt offenbar an einem Verständnis für die politische Grundversorgung", so Wickert.

Das habe man auch am 20. Jahrestag des Mauerfalls erleben können. Das französische Fernsehen France 2 habe das Ereignis gebührend gefeiert. Während Kanzlerin Angela Merkel an der Bornholmer Straße auftrat, seien in der ARD "Sturm der Liebe" gelaufen, später "Verbotene Liebe" und "Marienhof", während die Feierlichkeiten in Berlin fortgesetzt wurden.

Probleme mit Satzbau und Substantiven

Auch an der Sprache seiner Nachfolger hat Wickert einiges auszusetzen: Viele Redakteure von "Tagesschau", "Tagesthemen", "heute" und "heute-journal" beherrschten nicht einmal den Satzbau und streuten Substantive wie "grobes Meersalz zwischen kurze Sätze".

DPA DPA

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