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Merkel bei "Anne Will": Deutsche Bundeskanzler als Gäste in TV-Talkshows

Mehr Zuschauer als sonst haben Mittwochabend den ARD-Talk "Anne Will" gesehen. Grund dafür war der Gast: Angela Merkel. Auftritte von amtierenden Bundeskanzlern in Talkshows gab es bisher selten.

Putin und Schröder zu Gast in Biolek-Talkshow

Bundeskanzler Gerhard Schröder (r.) und der russische Präsident Wladimir Putin (M.) sind am 9. April 2002 zu Gast bei Alfred Bioleks ARD-Talkshow "Boulevard Bio". Die Politiker plauderten über ihr Verhältnis zueinander.

Den Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, in der ARD-Talkshow "Anne Will" haben 3,45 Millionen Menschen am Mittwochabend verfolgt. Die Kanzlerin hat in der Sendung mutig und selbstbewusst zur Flüchtlingskrise Stellung genommen und an die Bevölkerung appelliert, sich nicht von Ängsten und Zweifeln einnehmen zu lassen. In ihrer gesamten Amtszeit war es  der zweite Besuch von Merkel bei Anne Will, generell ließen sich amtierende deutsche Bundeskanzler nur selten bei Talkshows blicken: 

September 2011 - Angela Merkel bei "Günther Jauch"

Sie kann eine Stunde ungestört für ihre Strategie in der Euro-Krise werben. Merkel scheint dankbar, dass sie ohne harte Attacken dem Volk die Krise erklären kann. Sie hat die Bundestagsabstimmung über den Rettungsschirm vor sich. Auf Fragen zum Krach mit dem Koalitionspartner FDP, zur Vertrauensfrage oder Neuwahlen geht sie praktisch nicht ein. 

März 2009 - Merkel bei "Anne Will"

Mitten in der Bankenkrise und ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl ist die Kanzlerin zu Gast bei "Anne Will" (ARD). Die CDU-Politikerin zieht eine positive Zwischenbilanz der schwarz-roten Krisenpolitik: "Ich glaube, wir haben bis jetzt das Richtige getan." 

Dezember 2006 - Merkel bei "Beckmann"

14 Tage vor Weihnachten tritt Merkel bei "Beckmann" (ARD) auf und gibt private Einblicke. Zum Beispiel sei sie zu Beginn ihrer politischen Karriere Raucherin gewesen und habe täglich eine Packung Zigaretten gequalmt: "Damals waren noch 20 in der Schachtel."

November 2004 - Schröder bei "Beckmann"

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) spricht bei "Beckmann" offen wie selten zuvor über sein Privatleben. Die Adoption seiner Tochter sei für ihn persönlich der wichtigste Moment des Jahres gewesen. Zu einer erneuten Kanzlerkandidatur sagt Schröder, er wolle weitermachen nach 2006. 2005 zerbricht das rot-grüne Bündnis.

Mai 2004 - Schröder bei "Johannes B. Kerner"

In Deutschland wächst der Unmut über das geplante Hartz IV.

 Kanzler Schröder hat trotz heftiger Kritik an seiner Politik aber noch Freude an der Arbeit, sagt er bei der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner".

April und Juni 2002 - Schröder mit Grass und Putin bei "Boulevard Bio"

Im Bundestagswahlkampf 2002 liegt Rot-Grün in Umfragen lange Zeit hinten. Bundeskanzler Schröder tritt im Juni gemeinsam mit Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass bei "Boulevard Bio" (ARD) auf. Grass, überzeugter SPD-Sympathisant, rührt die Werbetrommel für die Partei. Schröder lässt sich zum Unionskandidaten Edmund Stoiber (CSU) derweil nichts entlocken ("Ich rede ungern über die anderen.").

Im April zeigen Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin ihre Verbundenheit bei "Boulevard Bio". Alfred Biolek kann dem Kanzler am Rande die Bestätigung des Gerüchts entlocken, dass Schröder 20 Jahre zuvor an der Tür des Bundeskanzleramtes rüttelte und rief: "Ich will hier rein." Schröder: "Falsch ist, dass ich jetzt im Innern des Kanzleramts stehe und sage, ich will hier raus." 

September 1996 - Kohl bei "Boulevard Bio"

Der medienscheue Kanzler Helmut Kohl lässt sich 14 Jahre nach seinem Amtsantritt erstmals auf eine Talkshow ein. Wer von dem Auftritt bahnbrechende Erkenntnisse über den Führungsstil oder die Zukunftspläne des Bundeskanzler erwartet, wird bei "Boulevard Bio" aber enttäuscht. Mit munteren Erzählungen über Schlägereien mit SPD-Anhängern in seiner Jugendzeit in Ludwigshafen und sein persönliches Puddingrezept - 18 Eier für sechs Portionen - hat Kohl nach einer halben Stunde die Lacher im Publikum auf seiner Seite.

jho / DPA