HOME
Interview

Angelina Kirsch: "Wir sind durch unsere Kurven eine Gegenbewegung zu GNTM"

Sie ist das erfolgreichste Kurvenmodel Deutschlands und sitzt in der Jury von "Curvy Supermodel". Zum Start der 2. Staffel erzählt Angelina Kirsch, wie die Castingshow die Gesellschaft verändert hat.

Angelina Kirsch

Angelina Kirsch sitzt auch in der 2. Staffel in der Jury der RTL2-Show "Curvy Supermodel". Die 28-Jährige wurde 2012 im Urlaub in Rom entdeckt, als sie in einem Eiscafe saß. Inzwischen gehört sie zu den erfolgreichsten Curvy Models Deutschlands. 

Frau Kirsch, bevor Sie als Model entdeckt wurden, haben Sie Musikwissenschaft studiert. Was wollten Sie beruflich machen?
Ich habe zunächst eine kaufmännische Ausbildung bei Douglas gemacht. Ich mochte das Beauty-Geschäft sehr. Aber das Verkaufen hat mir nicht gereicht. Deswegen habe ich als nächsten logischen Schritt BWL studiert. Das war jedoch sehr trocken. Ich wollte aber auf jeden Fall weiterstudieren, weil ich es toll fand, aus jeder Vorlesung schlauer rauszukommen, als ich reingegangen bin. Ich bin seit ich klein bin Musikerin. Ich spiele Klavier, Tuba und Posaune, deswegen habe ich mich für Musikwissenschaft und dazu Sprachwissenschaft entschieden. Beruflich hätte ich aber etwas anderes gemacht. Ich wäre vermutlich ins Verkaufstraining gegangen.

Es kam dann aber anders, Sie arbeiten als Model und haben eine erfolgreiche Medienkarriere eingeschlagen. Jetzt startet die zweite Staffel der Castingshow "Curvy Supermodel" auf RTL2 - und Sie sind als einzige Jurorin wieder dabei. Was haben Sie richtig gemacht?
Erst einmal bin ich selbst ein Curvy Model. Dann hat mir die Sendung sehr viel Spaß gemacht. Das haben am Set alle gemerkt, auch die Zuschauer. Denn ich verstelle mich nicht und sage: Ich bin so wie ihr, ich bin eine normale Person. Dazu habe ich eine Botschaft: Genieß das Leben. Das vergessen viele Menschen.

Es geht Ihnen bei der Show also nicht nur um Unterhaltung?
Genau. Wir suchen natürlich ein Curvy Supermodel, das muss einige Attribute mitbringen: die Maße, das schöne Gesicht. Aber vor allem auch Lebensfreude. Das ist ganz wichtig: Wir feiern auf der Suche nach dem Supermodel jede Frau, die mitmacht. Wir haben ganz unterschiedliche Charaktere, verschiedene Hautfarben, verschiedene Körpermaße. Natürlich ist es toll, Model zu sein. Viel wichtiger ist aber die Lebensfreude und die Schönheit, die von innen kommt.

Bei Heidi Klum ist gerne von "Personality" die Rede, was eine gewisse Professionalität und Selbstdisziplin impliziert. Ist Ihre Lebensfreude eine Art Gegenentwurf dazu?
Natürlich gehört zum Modeldasein immer Selbstdisziplin. Auch wir Curvy Models müssen unsere Maße halten, genauso wie die dünnen Kolleginnen. Aber wir legen in der Sendung noch mehr Wert auf das Selbstwertgefühl der Kandidatinnen und die Lebensfreude. Das ist schon ein bisschen der Gegenentwurf.

Sind das auch wichtige Eigenschaften, wenn man als Curvy Model Jobs kriegen will?
Ja. Ein Curvy Model muss ein schönes Gesicht haben und Lebensfreude ausstrahlen. Die Kurven sind natürlich auch wichtig. Aber vor allem muss das Feeling da sein. Der Kunde will das sehen. Die wollen niemanden, der da steht und denkt: Ich verdiene damit Geld, aber eigentlich mag ich meinen Po gar nicht. Das merkt der Kunde sofort.

Sie treffen bei ihren Jobs auch dünne Models. Wie ist das Verhältnis zueinander? Sind die manchmal neidisch, dass Sie nicht ständig hungern müssen?
Die meisten schlanken Models, mit denen ich gearbeitet habe, sind von Haus aus schlank und müssen sich nicht runterhungern. Die sind im Reinen mit sich. Ich bekomme ganz viel Zuspruch von den Kolleginnen. Ich habe es nur einmal erlebt, dass mir ein Model von einem Müsliriegel abraten wollte. Die meisten finden es schön und sagen: Toll, dass du das machst!

Céline Denefleh, die Siegerin der ersten Staffel von "Curvy Supermodel", hat durch die Teilnahme an der Show tatsächlich eine Modelkarriere gestartet. Haben sich dadurch mehr Leute auf die zweite Staffel beworben?
Ja, es haben anfangs alle abgewartet. Werden Frauen hier vorgeführt? Wir haben alle vom Gegenteil überzeugt. Celine arbeitet seit einem halben Jahr hauptberuflich als Curvy Model. Da sind wir alle sehr stolz drauf. Das hat viele Kandidatinnen dazu bewegt, sich zu bewerben. Wir haben mehr als doppelt so viele Bewerbungen gehabt wie im letzten Jahr.

Ist durch die erste Staffel die Akzeptanz von Frauen gestiegen, ihren Körper zu akzeptieren, so wie er ist?
Ja, total.

Woran merkt man das?

Ich bekomme ganz viele Zuschriften von Frauen. Die berichten davon, dass sie mit einem ganz anderen Gefühl nach draußen gehen oder ganz anders in den Spiegel schauen. Die Frauen kriegen ein größeres Selbstbewusstsein. Ich glaube auch: Wir haben allgemein in der Gesellschaft und in der Branche etwas verändert. Es ist jetzt noch angesagter, kurvig zu sein. Viele Frauen trauen sich, ihre Kurven zu zeigen. Ich sehe viel mehr Mädels, die bauchfrei rumlaufen, sich körperbetont zeigen, die sich nicht mehr verhüllen. Viele schreiben mir: Ich traue mich wieder, einen Bikini anzuziehen. Ich habe drei Zuschriften gehabt von Mädchen, die vorher eine Essstörung hatten. Die waren in einer Therapie, und "Curvy Supermodel" war dabei ein Thema, diese Akzeptanz des eigenen Körpers. Was man damit bewegen kann, ist unglaublich. Das berührt mich sehr. Weil das schon der größte Erfolg ist.

Kann man überspitzt sagen: "Curvy Supermodel" repariert das, was "Germany's Next Topmodel an Schäden anrichtet?
Ich glaube, wir sind durch unsere Kurven eine Gegenbewegung dazu und eine sehr schöne Ergänzung. Um zu zeigen: Es gibt nicht nur ein Schönheitsideal. Wir feiern wirklich die Individualität. Es ist gerade für junge Frauen wichtig, dass man beides zeigt - sowohl schlanke als auch kurvige Körper.

Haben Sie Kontakt zu Heidi Klum oder der Jury von GNTM?
Kürzlich habe ich auf einer Veranstaltung Michael Michalsky und Thomas Hayo getroffen. Wir haben uns nett unterhalten und uns gegenseitig die Daumen gedrückt. Wir nehmen uns ja auch nichts gegenseitig weg.

Als vor einigen Jahren immer mehr Curvy Models erfolgreich wurden, haben manche Kritiker von einem vorübergehenden Trend gesprochen. Warum haben die sich geirrt?
Sie haben unterschätzt, wie die Endverbraucher das annehmen. Wenn es ein Schönheitsideal gibt, mit dem man ständig konfrontiert wird und in das man beim besten Willen nicht reinpassen kann, fühlt man sich schlecht. Gerade Frauen atmen auf, wenn sie kurvigere Models sehen: Das könnte ja ich sein! Bin ich etwa auch schön? Männer freuen sich auch: Die meisten stehen nun mal auf Kurven und finden das schön. Wenn sie eine Frau zuhause haben finden sie das toll, denn die ist nicht mehr so gestresst und muss nicht mehr ständig Diäten ausprobieren. Ein Aufatmen in der Gesellschaft. Wir sagen ja nicht: Nur Curvy ist schön, jetzt futtert alle eure Burger. Wir sagen einfach: Unterschiedlichkeit ist schön, Individualität. Und wenn ihr euch selber toll findet: Ihr dürft es. Probiert es aus. Ich fühle mich mit einer Konfektionsgröße 42/44 schön. Dann könnt ihr euch auch schön fühlen!

Die 2. Staffel von "Curvy Supermodel" läuft ab dem 17. Juli immer montags um 20.15 Uhr auf RTL2.

"Curvy Supermodel" auf RTL 2: Das sind die neuen Kurvenstars
Anastasiya

Anastasiya