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TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 4: Handy, Stuhlgang, Philosophie – die Realität ist real, Digger!

Panik unter Palmen: Marco Cerullo hat seiner Freundin sein Handy überlassen und weiß nicht mehr, ob das eine gute Idee war. Daniela Büchner indes horcht – ganz untypisch für sie – tief in sich rein: Sie hatte seit Tagen keinen Stuhlgang.

Von Mark Stöhr

Auch an Tag 4 freut sich das Netz über das Geschehen im TV-Dschungel.

Dschungel-Life according to Marco Cerullo: ultrahart. Oder in seinen eigenen Worten: "Isch will nisch mehr, isch hab kein Bock mehr, misch fuckt das ab." Gut, viele Rheinland-Pfälzer werden von einer tiefen Melancholie befallen, wenn sie ihr Habitat verlassen und merken, dass ihr Heimatdialekt anderswo ein Fall für den Logopäden ist. Bei dem gelernten Autolackierer, der im Privatfernsehen bislang als Produzent unterhaltsam versemmelter Sprüche auffiel ("Ich bin in meinem Charakter sehr gut, in meinem Aussehen auch"), liegen die Dinge aber anders. Er hat einen Fehler gemacht. Einen von der Sorte: Digger, bist du noch ganz dicht?

Das wird schnell mal pornös

Was für ein Anfänger. Der 31-Jährige hat sein Handy angelassen und es für die Zeit des Dschungels seiner Freundin anvertraut. Da kommt natürlich jetzt so einiges rein. Nachrichten, Pics, Clips, das wird schnell mal pornös. Es soll ja auch Ex-Affären geben, die über ein ausgezeichnetes Gedächtnis verfügen. Stichwort Intimwissen. Der Mister Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2016 hat seine Seele entsperrt. Voller Panik zerraufte er sich die Haare und tropfte ein paar dicke Tränen auf den eh schon überfeuchten Regenwaldboden.

Dschungelcamp, Tag 4: Es ist nicht zum Aushalten mit Danni Büchner – doch Motzki-Miras mutiert zum Warrior
Dschungelcamp: Elena Miras und Danni Büchner

Herr, wirf Begriffe vom Himmel: Danni Büchner und Elena Miras müssen an Tag 4 im Dschungelcamp gemeinsam zur Prüfung "Der heiße Stuhl" antreten. Zu leiden hat allerdings vor allem Motzki-Miras.

In so einer schweren Stunde braucht man einen Freund. Auftritt Raúl Richter, in seiner Rolle als dufter Kumpel. Einfühlsam hielt er sich vor Lachen den Bauch, als der Grund für das Stimmungstief des Mitcampers endlich raus war. So eine Kindergarten-Panne könnte dem ehemaligen Soap-Darsteller, der jetzt Rosen verkauft, natürlich nicht passieren ("Ich habe alle Nachrichten auf meinem Handy vorher gelöscht"), immerhin ist er mit der Ex von Nico Schwanz liiert. In solchen Kreisen ist das ein Statussymbol. Als Richter ausgelacht hatte, wechselte er blitzschnell die Figur. Er war jetzt ein Philosoph, aber so einer mit Streetwear-Klamotten und lässiger Attitüde, der einen komplizierten Sachverhalt gerne mal auf Ghetto runterbricht. "Die Reality is real", sinnierte er und schmeckte seinen Worten nach wie nach einem Becher pürierter Kotzfrucht. Marco hob den Kopf und starrte ihn entgeistert an, Traurigkeit im Herzen, Thrombose im Hirn.

Dschungelcamp: Elena Miras

Motzki-Miras im Fun-Modus: Die sonst eher grummelige Elena Miras scheint Gefallen am Dschungelcamp gefunden zu haben.

MG RTL D

"Es gibt positivere Menschen als Danni"

Die Laune im Urwald könnte allgemein besser sein. Elena packte der Furor, als ihr ein frisches Paar Ohropax verwehrt wurde ("Das Dschungelcamp ist echt die größte Scheiße ever"). Und selbst Sven Ottke, der gute Mensch von Berlin-Tempelhof, der seine Gegner im Ring immer nur k.o.-getänzelt hatte, ließ sich zu einer für seine Verhältnisse megaharschen Bemerkung hinreißen. Im Dschungeltelefon sagte er: "Es gibt positivere Menschen als Danni." Rumms.

Man weiß nicht, was bei Daniela Büchner enthemmter ist. Ihr Ego oder ihr voluminöses Doppelkinn, das sich in Momenten der emotionalen Erregung über ihr komplettes Gesicht wälzt. Als Ottke von einem fast schon metaphysischen Naturerlebnis am Morgen berichtete (Wie das Licht durch die Bäume kam, das sah so geil aus. Ich schwör dir, allein für diesen Augenblick hat es sich gelohnt), fiel ihr dazu ein: Sie war seit fünf Tagen nicht mehr kacken. Dieses Plumpsklo sei eine reine Zumutung. Geradezu pervers.

Dumm, dümmer, Danni

Noch unangenehmer wurde es, als sie von der Zeit nach ihrer ersten Scheidung erzählte. Dumm, dümmer, Danni. Nichts hatte sie damals, kein Auto, keinen Führerschein. Für fünf Euro die Stunde musste sie öffentliche Toiletten putzen und in eisiger Kälte auf dem Markt rumstehen. "Das kannst du dir nicht vorstellen." Sven Ottke glotzte während Büchners Hartz IV-Suada die ganze Zeit nur auf dem Boden, als beobachtete er eine Ameisenkolonie beim Bau einer neuen Straße. Er flog als Kind aus dem Kindergarten und wurde in der Schule zigmal strafversetzt. Wenn es mit dem Boxen nicht geklappt hätte, wäre er vielleicht Mörder geworden.