VG-Wort Pixel

ESC 2021 Favoriten Italien, einfach geil – das sind die Favoriten in Rotterdam

Damiano David von der italienischen Band Måneskin steht auf der Bühne in Rotterdam
Für Augen und Ohren: Sänger Damiano David von der italienischen Band Måneskin singt beim ESC-Finale in Rotterdam oberkörperfrei.
© Andres Putting/EBU
Die geilen Italiener, die stolze Französin oder doch die lustigen Isländer? Das Rennen beim ESC 2021 ist völlig offen. Nur eines scheint gewiss: Deutschland wird es auf keinen Fall.

Endlich wieder ESC. Nachdem die größte Musikshow der Welt im vergangenen Jahr coronabedingt ausgefallen ist, findet der Eurovision Song Contest 2021 unter strengen Auflagen statt. In der Rotterdamer Ahoy-Arena wird beim Finale am Samstagabend vieles anders sein. Statt wie geplant 12.000 dürfen nur 3500 Zuschauer in der Arena Platz nehmen. Die sind Teil eines Modellprojektes, wurden alle vorab getestet und dürfen ohne Maske feiern. Hard Rock Hallelujah, Rise like a Phoenix und Euphoria - wir geben 'ne Party heut' Nacht.

Das Publikum zuhause darf sich auf 26 grandiose, kuriose oder emotionale Auftritte freuen. Wer am Ende gewinnt? Chanson, Popsong, Rock oder Herz-Schmerz-Ballade? Fans, Buchmacher und Journalisten sind sich uneinig. Eben schien Malta noch als der sichere Sieger, dann wieder Frankreich. Das Rennen scheint völlig offen. Aus dem Teilnehmerfeld zeichnen sich nach den beiden Semifinals mehrere Anwärter auf den Sieg ab, darunter einige alte Bekannte. Das sind die Favoriten für den ESC in Rotterdam:

Italien: Måneskin – "Zitti E Buoni"

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Italien schickt eine Rockband zum ESC – und was für eine. Måneskin haben vor vier Jahren die Castingshow "X Factor" gewonnen, seitdem stürmen die Schulfreunde mit ihrem Brachialsound die italienischen Charts. Sänger Damiano David hat nicht nur eine Million Follower bei Instagram und jede Menge Sexappeal, sondern auch eine rotzige Stimme, wie sie wohl nur ein Italiener haben kann. "Zitti E Buoni" heißt sein Lied, was übersetzt "leise und brav" heißt – das Gegenteil ist der Fall. Mit dem härtesten Rock seit Lordi hauen die Italiener das Publikum aus den Sitzen. In dem Song geht es darum, Konventionen über Bord zu werfen. Sänger Damiano geht mit gutem Beispiel voran: Er tritt in Stöckelschuhen und im Korsett auf. Ein Augen- und Ohrenschmaus und der vielleicht beste Auftritt des Abends. Bei den Buchmachern werden Måneskin seit Beginn der Proben in Rotterdam als Sieger gehandelt. Oder sehnt sich Europa in der Coronakrise nicht doch nach etwas Flauschigem? Davids nackte Brust ist jedenfalls so hart wie sein Gesang. Einfach geil.

Frankreich: Barbara Pravi – "Voila"

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Frankreich hat den ESC bereits fünf Mal gewonnen – allerdings hieß der Wettbewerb damals noch Grand Prix: Der letzte Sieg ist 44 Jahre her. Nach vielen Experimenten in den vergangenen Jahren besinnt sich die Nation der Chansons wieder auf alte Werte. Sängerin Barbara Pravi zeigt eindrucksvoll, wie bewegend und mitreißend eine französische Ballade sein kann. Ihr Song "Voila", an dessen Komposition die 28-Jährige mitgewirkt hat, ist wie ein Rausch. Er beginnt langsam und steigert sich zu einer Gefühlsexplosion. Pravi verzichtet auf den üblichen ESC-Firlefanz. Keine Windmaschine, keine Trickkleider sollen von ihrem Gesang ablenken. Das Ergebnis ist beeindruckend. Pravi könnte damit Celine Dion ablösen, die zuletzt mit einem französisch gesungen Titel siegte (1988 für die Schweiz). Vorausgesetzt, die Zuschauer und Jurys entscheiden sich im Coronajahrgang 2021 für Gefühl statt Party.

Malta: Destiny Chukunyere - "Je me casse"

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Auf keine trifft der Begriff besser zu als auf sie: Destiny Chukunyere aus Malta ist ein Wunderkind. Schon mit 13 Jahren gewann die Tochter des Fußballprofis Ndubisi Chukunyere den Junior Eurovision Song Contest und ist heute, im Alter von 18, eine der populärsten Sängerinnen der kleinen Mittelmeerinsel. Mit "Je me casse" will sie den ESC-Sieg endlich nach Malta holen. Das Lied aus der Feder eines internationalen Komponistenteams ist mit Elektro- und Swingelementen ein eingängiges Popsöngchen. Beeindruckend wird es erst dank Chukunyeres Stimme und ihrer fantastischen Bühnenpräsenz. Wenn sie darüber singt, dass sie die Nase voll von dämlichen Anmachsprüchen der Männer hat, legt sich mit ihr keiner mehr an. Eine Rampensau, die seit Wochen von den Buchmachern unter die Top 5 gewettet wird.

Island: Daði og Gagnamagnið – "10 Years"

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Der Name der Band ist für mitteleuropäische Zungen eine Herausforderung. Vielleicht bleibt es einfach bei "die Isländer mit den lustigen Pullis". Die grünen Trainingsanzüge mit dem stilisierten Konterfei sind das Markenzeichen von Daði og Gagnamagnið. Die isländische Synthiepopband war 2020 drauf und dran, den ESC mit "Think About Things" zu gewinnen – dann kam die Absage. In diesem Jahr probieren sie es erneut. Sänger Daði Freyr Pétursson komponierte mit "10 Years" ein Lied über die Beziehung zu seiner Frau. Der Song beginnt mit klassischen Streichern, dann wechselt das Tempo und die Melodie zum typischen Synthiesound der Band. Dazu bekommen die Zuschauer geschmeidige Tanzeinlagen zu sehen - großartig. Doch viele behaupten, der Vorjahressong sei besser gewesen, habe noch mehr Instant-Appeal gehabt. Wegen eines Covid-Falls in der Band werden Daði og Gagnamagnið nicht live auf der Bühne in Rotterdam stehen. Die Zuschauer bekommen die Aufzeichnung einer Probe zu sehen. 361.000 Isländer drücken trotzdem die Daumen – und hoffen auf ihren ersten ESC-Sieg.

Schweiz: Gjon's Tears - "Tout l'Univers"

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Sein Name ist Programm: Beim ESC-Halbfinale am Donnerstag in Rotterdam rührte Gjon's Tears mit seiner Ballade "Tout l'Univers" einige Zuschauer zu Tränen. Der 22-jährige Schweizer heißt eigentlich Gjon Muharremaj, hat albanisch-kosovarische Wurzeln und hat an seinem Song selbst mitgeschrieben. Es ist ein nachdenkliches Lied über die Vergänglichkeit und darüber, wie nahe Leben und Tod zusammen liegen. Gjon, der klassischen Gesang studierte, ist einer der besten Sänger des Abends. Kraftvoll und emotional. Doch was haben sich die Schweizer bei der Auswahl der hüfthohen Plunderhose gedacht? Der Look passt nicht zu dem jungen Sänger und stört den sonst stimmigen Auftritt. Doch Céline Dions Minipli hat ihren Sieg 1988 (der bis dato letzte für die Schweiz) auch nicht verhindert. 

Ukraine: Go_A – "Schum"

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Die Ukraine bereicherte den ESC schon mit einigen kuriosen Melodien und Textzeilen – von "Sieben-Sieben-Eilulu" bis "Anti-Crisis-Bum-Bum." Auch der Schreigesang von Go_A wird den Zuschauern garantiert in Erinnerung bleiben. Die Folktronica-Band um Frontfrau Kateryna Pawlenko interpretiert mit "Schum" ein altes ukrainisches Volkslied neu und bietet dafür alles auf, wofür der ESC gehasst und geliebt wird. Flötentöne und ein brachialer Sound im Ethnopop-Style fliegen den Zuschauern um die Ohren. Dazu ein Bühnenbild das sich am besten als Wahnsinn im weißen Wald beschreiben lässt. Go_A haben beim ersten Semifinale viele neue Fans gefunden – und gelten seitdem als Geheimtipp auf den Sieg am Samstagabend.

Litauen: The Roop – "Discoteque"

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Einigen ESC-Fans dürften sie bereits bekannt vorkommen: "The Roop" aus Litauen waren 2020 die Sieger der deutschen ESC-Ersatzveranstaltung in der Elbphilharmonie in Hamburg. Dieses Jahr darf die Band um Frontmann Vaidotas Valiukevičiu endlich beim ESC antreten, allerdings mussten sie dafür einen neuen Song schreiben. Auch bei "Discoteque" sind sich die drei Musiker treu geblieben. Das Lied mit dem unverwechselbaren Beat ist die Anti-Krisenhymne auf Corona. Denn wer zuhause bleiben muss, macht sich einfach seine eigene Party. Der Song hat einen hohen Wiedererkennungswert: rhythmisch, hypnotisch, experimentell. Dazu tanzt Valiukevičiu auf weißen High Heels und in gelben Plunderhosen seinen Fingertanz. Heraus kommt ein Meisterwerk aus Witz und guter Musik. Keine Frage, Litauen hätte damit seinen ersten Sieg beim ESC verdient.

Und was ist mit Deutschland?

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

"Ich will gewinnen", sagt der deutsche Teilnehmer Jendrik Sigwart. Sein unerschütterlicher Optimismus zeichnet den 26-jährigen Hamburger aus. Jendrik hat Spaß auf der Bühne, das ist ihm in Rotterdam anzumerken. Sein Song "I Don't Feel Hate", den er selbst geschrieben hat, verbreitet eine wichtige Botschaft. Sein fröhlicher Ukulelen-Sound sticht aus der Masse der Balladen und Popsongs heraus. Und trotzdem: Der gesamte Auftritt wirkt aus der Zeit gefallen. Eine singende Hand, in der eine Frau steckt, die mit Männerstimme spricht und von einer gestopften Trompete begleitet wird: Das ist Humor, der an die onkeligen Scherze aus Peter-Alexander-Zeiten erinnert. Es ist zu befürchten, dass die geplagten deutschen ESC-Fans einen weiteren Platz am Ende der Wertungstabelle verkraften werden. Aber wie singt Jendrik außer Atem so schön: "I dont feel Hate, I just say Sorry". Sorry, Germany.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker