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Staffelfinale als Farce Der Bachelor findet keine Frau – und will uns weismachen, dass die Frauen schuld daran sind





Ein außergewöhnliches Ende für eine kontroverse Staffel: Der Bachelor Sebastian Preuss gibt im Finale keiner Frau eine Rose. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Twitter-Gemeinde:


"Ich wollte möglichst viele Frauen küssen, um mich zu verlieben.“ HAT JA SUPER GEKLAPPT, BASTI.“


Viele Zuschauer lästern über Preuss, der mit mehr Frauen geknutscht hat, als jeder bisherige „Bachelor“-Kandidat. Andere sehen sein Verhalten sehr kritisch.


Wie Preuss nun mit seiner TV-Karriere weitermachen wird? Ein User kommentiert:


"Wird Basti nun mit seiner Mutter ins Sommerhaus der Stars ziehen? Verteilt er in Deutschlands Diskotheken zukünftig Federn statt Rosen? Fragen über Fragen..."
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Mit seinem Frauenbild hat Sebastian Preuss in dieser "Bachelor"-Staffel immer mal wieder Fragen aufgeworfen – und am Schluss kann er sich nicht mal für eine Kandidatin entscheiden. Eigentlich eine lustige Pointe. Wenn die Message, die von der Show daraus gestrickt wird, nicht so bedenklich wäre.

Machen wir uns nix vor: Wer sich den "Bachelor" gibt, darf keinen progressiven Input zu Themen wie Feminismus und Gleichberechtigung erwarten. Vielmehr sollte sich der geneigte Zuschauer auch mal von schleppendem Smalltalk unterhalb der intellektuellen Grasnarbe unterhalten fühlen. Und überhaupt sollte er sich immer wieder die Binsenweisheit vor Augen führen: Wer bei dieser Show mitmacht, muss wissen, worauf er sich einlässt.

So weit, so allgemein bekannt. Und trotzdem mutete die aktuelle Staffel um Sebastian Preuss irgendwie, nun ja, besonders an. Wie in: besonders schlimm. Und das lag nicht an den üblichen cringy Einzeldates. Es lag auch nicht an den sprachlichen Defiziten, "wo" der 29-Jährige immer wieder offenbarte, oder seiner totalen Unfähigkeit, im Gespräch mit einem der "Mädels" (Preuss) über mehr als drei Sätze auch nur den Hauch von Interesse zu heucheln. Ja, es lag noch nicht einmal an der Tatsache, dass sich der Problem-Bachelor mit der fragwürdigen Vorgeschichte am Ende nicht einmal für eine Kandidatin entscheiden konnte und die letzte Rose lieber in der Vase stecken ließ, als sie Diana oder Wioleta zu überreichen.

Der Bachelor: Leidenschaftslosigkeit für die "Ladies"

Nun könnten wir Preuss' Anwallungen gegen Ende der Staffel auf den Leim gehen, als sich das Feld der Anwärterinnen langsam lichtete und ihm allmählich keine der verbliebenen Frauen noch genehm genug waren, er aber in beispielloser emotionaler Ungelenkigkeit versuchte, seine Leidenschaftslosigkeit für die "Ladies" auf seiner selbstgebauten Resterampe flugs in eine verzweifelte Suche nach der Partnerin fürs Leben umzudeuten.

Plötzlich wollte Preuss, der den Grad der Intimität im Verlauf der Staffel stets streng an der Tiefe der Zungenküsse gemessen hatte, für keine Frau mehr das nötige Maß an Verliebtheit fühlen – am Ende nicht einmal mehr für die vermeintliche Favoritin Wioleta, die er in den Folgen zuvor noch mehrfach als "schönste Frau, die ich je gedated habe", geadelt hatte, und auch nicht für Diana, die trotz ihrer deutlich jüngeren 22 Jahre aber ohnehin den Eindruck erweckt, diesem Rosenkavalier in allen Belangen um Längen überlegen zu sein.

Wir könnten nun also naiv sein und glauben, dass es sich hier um einen ehrenwerten Move von Preuss handelt, nach dem Motto: Bevor ich nicht die Richtige finde, nehme ich lieber keine! Allein die Überzeugung für diese Annahme geht uns leider völlig ab. Schließlich handelt es sich hier um denselben Bachelor, der Linda nach Hause schickte, als sie ihn partout nicht küssen wollte. Der Leahs gemachte Lippen nicht mochte, ohne dass es ihn vom Knutschen mit ihr abgehalten hätte.

Es handelt sich um denselben Bachelor, der Folge für Folge immer häufiger den Eindruck erweckte, eher eine zweite Mutter als eine Frau auf Augenhöhe zu suchen, als er die Kandidatinnen ständig fragte, was sie in ihm sehen, was sie für ihn sein können, wie toll sie ihn denn finden und was sie noch so alles bereit wären, für seine Gunst zu tun (womit bei Preuss fast immer das Küssen gemeint war).

Dass er dann am Ende gleich gar keiner Kandidatin den Vorzug gibt, wäre eigentlich eine lustige Pointe, über die wir theoretisch sogar lachen könnten, weil wir ja, wie gesagt, nicht für progressiven Input zu Themen wie Feminismus und Gleichberechtigung gekommen sind. Die Message, die nicht nur Preuss höchstselbst mit seinem Verhalten über die Staffel hinweg gestrickt hat, ist dafür aber zu bedenklich – und wird ausgerechnet von den Machern der Show beim traditionellen Wiedersehen nach dem Finale untermauert.

Ausgerechnet Linda wird von Ludowig gegrillt

Dort kämpft Preuss mit den Tränen, weil ihm die negativen Reaktionen in den (sozialen) Medien zuletzt schwer zugesetzt haben. In Zeiten, die von Hass und Hetze geprägt werden, ist das eine Mahnung, die ernst genommen werden muss. Aber: Der Bachelor ist eben nicht nur Opfer. Doch genau als solches stellt ihn Moderatorin Frauke Ludowig dar. Und auch die Einspielfilme stellen nicht Preuss' Frauenbild in Frage, sondern vermitteln eher den Eindruck, dass sich auch die verantwortlichen Redakteure für keine der hinterhältigen Zicken aus dem Teilnehmerfeld hätten entscheiden wollen. Kurz: Der Bachelor findet keine Frau – und die Frauen sind schuld daran.

Ausgerechnet Linda wird von Ludowig dann noch explizit gegrillt. Wir erinnern uns: Die 24-Jährige hatte sich dem Bachelor trotz dessen Annäherungsoffensive körperlich verweigert – und dieser verweigerte ihr deshalb die Rose, obwohl Linda bis dahin unübersehbar zu seinen absoluten Favoritinnen gezählt hatte. Also fragt Ludowig bei Linda nach: Warum sie so gehemmt, ja, blockiert, war. 

Und das ist der eigentliche Skandal am Ende einer ziemlich schmierigen Staffel: Eine Frau will nicht mit dem Typen knutschen, der vorher schon mit zig anderen Frauen geknutscht hat. Der Typ straft sie dafür ab. Und am Schluss wird die Frau gefragt, was sie eigentlich für ein Problem hatte. Das ist selbst für eine Show, deren Rückständigkeit zum Geschäftsmodell gehört, eine neue Dimension der Rückständigkeit.


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