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Bei Markus Lanz Blogger Lobo führt Unionsfraktionschef Brinkhaus vor: "Das ist schon eine sehr lustige Unverschämtheit"

CDU/CSU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (l.) im Streitgespräch mit Blogger Sascha Lobo (r.)
CDU/CSU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (l.) im Streitgespräch mit Blogger Sascha Lobo (r.)
© Screenshot ZDF
Am Dienstagabend wurde der Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus im ZDF-Talk mit Markus Lanz von allen Seiten scharf kritisiert. Beim Top-Thema Maskenaffäre ging es besonders zwischen ihm und dem Blogger Sascha Lobo hoch her.

Die Stimmung dürfte in der Union schon einmal besser gewesen sein. Das wurde am Dienstagabend in der ZDF-Talkshow mit Markus Lanz nur zu deutlich, was vor allem an dem Schlagabtausch zweier Gäste lag: Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, und dem Blogger und Journalisten Sascha Lobo.

Das Thema der Stunde: die Maskenaffäre um die früheren Fraktionsangehörigen Georg Nüßlein und Nikolas Löbel (der stern berichtete) – und die sinkenden Zustimmungswerte der Union. Brinkhaus beginnt mit der Klarstellung, dass in seiner Fraktion "die Wut sehr, sehr groß" sei. Geld verdienen an der Krise? "Das geht nicht", sagt er.

Lobo wirft Unionsspitze "Mangel an Transparenz" vor

Doch Wut alleine reicht Sascha Lobo nicht. Der Blogger fordert von dem Unionsfraktionschef weitreichende Konsequenzen. Es reiche nicht aus, nur mit Nüßlein und Löbel abzurechnen, man müsse auch die Parteispitzen zur Verantwortung ziehen. Brinkhaus setzt zur Verteidigung an: Durch diese Skandale werde immerhin das Bewusstsein dafür geschärft, dass sich etwas ändern müsse. "Manchmal braucht es so eine Krise, um so etwas tatsächlich durchzusetzen", sagt er. "Das ist schon eine sehr lustige Unverschämtheit", erwidert Sascha Lobo.

Konkret kritisiert Lobo, die Union habe in den letzten zehn Jahren verhindert, was alle anderen Parteien gewollt hätten: Transparenz. "Und jetzt sind Sie erstaunt, dass Leute den Mangel an Transparenz, den Sie verursacht haben, auch ausnutzen." 

Erst nach monatelangem Ringen hatten sich die Fraktionen von CDU/CSU und SPD auf ein Lobbyregister geeinigt, das eine Pflicht zur Registrierung für Lobbyarbeit bei Bundestags-Abgeordneten, Fraktionen und Bundesregierung vorsieht. Angesichts der Maskenaffäre fordern Opposition und auch SPD eine Verschärfung der geplanten Lobbyregeln.

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Brinkhaus: "Ich werde hier von allen Seiten verprügelt"

Im weiteren Verlauf der Sendung (sehen Sie hier die gesamte Talkrunde) wird Brinkhaus auch von den anderen Gästen – Intensivmediziner Tankred Stöbe aus Berlin und Laborärztin Professor Mariam Klouche – scharf wegen des Umgangs der Regierung mit der Pandemie kritisiert. Das will der Unionsfraktionsvorsitzende nicht einfach auf sich sitzen lassen. "Vieles ist gut in der Krise gelaufen", sagt Brinkhaus.

Doch da widerspricht ihm der Berliner Arzt Stöbe. Deutschland habe es vielleicht in der ersten Welle noch gut gemacht, aber inzwischen liege man je nach Zählweise auf Platz 17 bis 19 weltweit. Bei den Infektions- und Todeszahlen sogar auf den Plätzen zehn beziehungsweise neun. "Das heißt, Deutschland hat es nicht gut gemacht", betont Stöbe.

Und Sascha Lobo geht noch einen Schritt weiter: Bei 70.000 Toten und bei einem quer durch die Bevölkerung spürbaren Groll über die vielen einzelnen Details, die schief gelaufen seien, sei es richtig von "Versagen" zu sprechen. Daraufhin entgegnet der Unionsfraktionschef, Lobo sei ja eh nur zum Provozieren eingeladen worden. So geht es noch eine Weile hin und her bis Brinkhaus gegen Ende meint, das sei ja ein interessanter Abend gewesen. "Ich werde hier von allen Seiten verprügelt."

Quellen:  ZDF, "Welt"

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