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Nachfolge von Laschet Parteichef gesucht, Superstar gebraucht: worum es für die CDU nun geht

Friedrich Merz gilt als möglicher Aspirant auf den CDU-Vorsitz
Friedrich Merz gilt als möglicher Aspirant auf den CDU-Vorsitz
© Bernd Thissen/ / Picture Alliance
Die CDU sucht einen neuen Parteichef. Zwei Aspiranten bringen sich in Stellung, einer davon könnte die besseren Chancen haben. Dabei geht es auch um den Kurs der krisengebeutelten Christdemokraten.

Die CDU sucht einen neuen Parteichef, praktisch braucht sie wohl einen politischen Superstar, um das Comeback der krisengebeutelten Christdemokraten zu organisieren. Nach der desaströsen Bundestagswahl steht die Partei augenscheinlich ohne Kopf und Kurs da.

Bekommen wird sie, nach aktuellem Stand der Dinge, einen männlichen Katholiken, jenseits von 40 Jahren und aus Nordrhein-Westfalen.

Friedrich Merz, Norbert Röttgen, Jens Spahn, Carsten Linnemann und Ralph Brinkhaus lauten die Namen der mutmaßlichen Antagonisten, die jenen Machtkampf unter sich austragen dürften, der ihre Partei (nun zum dritten Mal in drei Jahren) beschäftigt. Wenngleich unter dem Eindruck einer Premiere: An diesem Dienstag dürfte die CDU-Spitze beschließen, wofür die Kreisvorsitzenden am Samstag mit großer Mehrheit votiert hatten – dass es zum ersten Mal eine Mitgliederbefragung über den Parteivorsitz geben soll. 

So viel zu den wenigen belastbaren Gewissheiten. Fraglich bleiben das konkrete Verfahren und, nicht zuletzt, wer daraus als Sieger hervorgehen könnte.

Die Suche nach dem CDU-Superstar

Die derzeit aussichtsreichsten Anwärter, denen Ambitionen nachgesagt werden – offiziell wurde noch keine Kandidatur erklärt –, bringen sich bereits in Stellung: der Außenpolitiker Norbert Röttgen, 56, und der Wirtschaftsexperte Friedrich Merz, 65. Beide waren im Januar in einer Kampfabstimmung gegen Armin Laschet unterlegen, der als CDU-Chef und Kanzlerkandidat der Union scheiterte und künftig als einfacher Abgeordneter im Bundestag sitzen wird.  

Röttgen machte im Deutschlandfunk sein Interesse deutlich. Zwar brauche die CDU auch konservatives Gedankengut. "Nur für mich ist eindeutig klar, dass das Zentrum der Partei, auch der Vorsitzende in der Mitte stehen müssen", sagte der Ex-Umweltminister. Keine Überraschung: "Ich glaube, dass ich in der Mitte der Christlich Demokratischen Union stehe. Ich würde sagen: in der modernen Mitte." 

Merz, der sich wohl angesprochen fühlen durfte, gilt als Liebling der Basis. Das Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder liegt bei über 60 Jahren, sie scheinen konservativer geprägt als der Partei-Apparat– und hätten den Ex-Fraktionschef wohl schon zum Vorsitzenden gewählt, als er erst gegen Annegret Kramp-Karrenbauer und dann gegen Laschet antrat – und jeweils sehr knapp unterlag.

Damals entschieden die Parteitagsdelegierten, die seinerzeit nur ihrem Gewissen zu folgen hatten. Und nicht, wie nun zu erwarten ist, der Empfehlung der Basis. Das dürfte für Merz Grund genug sein, erneut anzutreten. Es könnte seine letzte Chance auf den CDU-Vorsitz sein. Im Hintergrund soll er bereits an einer Teamlösung basteln, das berichteten das "Handelsblatt" und die "Bild"-Zeitung (wenngleich er letzteren Bericht fast dementierte). So oder so: Merz scheint gewillt, einen möglichen Mitbewerber – Linnemann (laut "Handelsblatt") oder Spahn (laut "Bild") – auf seine Seite zu ziehen. Damit könnte er bei den jüngeren CDU-Mitgliedern punkten, einerseits, und die Konkurrenz minimieren, andererseits.

Die vielen W-Fragen

Damit deutet sich neben einem Macht- auch ein Richtungskampf um den künftigen Kurs der Christdemokraten an – der ein politisches Lager enttäuscht zurücklassen könnte. Am ehesten geeignet für den CDU-Vorsitz wird Merz (36 Prozent) in den eigenen Reihen gesehen, so das Ergebnis des jüngsten ARD-"Deutschlandtrend", gefolgt von Röttgen (25 Prozent), der sich im Fall eines Zweikampfs erst recht als Gegenmodell zum konservativen Merz positionieren könnte. 

Die drei anderen Kandidaten, denen ebenfalls Ambitionen nachgesagt werden, rangieren deutlich dahinter: Spahn, Linnemann und Brinkhaus kommen demnach auf 14, neun und sechs Prozent. Dennoch dürften sie im Rennen um den Parteivorsitz noch ein Wörtchen mitzureden haben: Sollten vor allem Spahn (Noch-Bundesgesundheitsminister und CDU-Vize) und Brinkhaus (CDU-Fraktionschef bis April 2022) für einen der beiden Kandidaten zurückstecken, werden sie Perspektive einfordern – denn in Oppositionsrolle gäbe es innerhalb der CDU nicht mehr viele ranghohe Ämter zu besetzen.

Zunächst muss geklärt werden, wie die Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden ablaufen soll. Sicher ist bisher nur, dass das Ergebnis der Basisbefragung von einem Parteitag bestätigt werden muss. Nur wann findet dieser statt? Anvisiert ist das Jahresende, dann soll die gesamte CDU-Spitze neu gewählt werden. Und wie wird gewählt? Ein reines Online-Voting dürfte kaum machbar sein (Stichwort: Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder), eine Briefwahl stellt sich langwierig dar – und viele dürften sich angesichts bevorstehender Landtagswahlen eine rasche Entscheidung wünschen. Ende März stehen im Saarland, im Mai in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen Urnengänge bevor.

Darüber soll am heutigen Dienstag in den CDU-Gremien beraten und entschieden werden. Und dann dürfte sich auch zeitnah abzeichnen, wer der politische Superstar der CDU werden möchte. 


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